Der kleine Bio-Schwindel - Was wissen wir wirklich

Das Bewusstsein über unsere Ernährung hat sich in den letzten Jahren wieder stark verändert. Ein Großteil der Bevölkerung schaut nicht mehr nur auf den Preis, sondern auch auf die Qualität der Waren, ihre Herkunft und wo sie produziert wurden. Galten Bioprodukte eine Zeit lang als verpönt und man wurde belächelt, wenn man sie gekauft hat, so haben sie sich mittlerweile zu einer Art "Trendprodukt" entwickelt. Man kann schon sagen, dass es "In" ist, wenn man Bio kauft. Rückblickend auf das erste Quartal von 2012 stiegen die Umsätze im Bereich der Bio-Lebensmittel und Drogerieprodukte um 3,3% an (vgl. www.nielsen.com). Dieser Wachstumstrend kann sicherlich auch im Jahr 2013 fortgesetzt werden.

 


Bioprodukte finden sich in den verschiedensten Bereichen unseres Leben, z.B. bei Kosmetik Produkten, Bekleidung, Möbeln und Verpackungen. Der größte und bekannteste Bereich findet sich jedoch bei Lebensmitteln. Die hier vertretenen Firmen haben sich auf natürliche Produkte bzw. auf Bioprodukte spezialisiert. Beispiele hierfür sind Andechser Natur, Alnatura, Rapunzel aber auch Unternehmen wie P. Jentschura und Bionade. Es gibt eine Vielzahl an Ladengeschäften in denen man biologische Produkte kaufen kann. Viele dieser Marken finden sich nicht mehr nur in Reformhäusern, sondern auch in Supermärkten, die sich auf biologische Waren spezialisiert haben, Beispiele hierfür sind: Alnatura Supermärkte oder Denn's Bio-Markt. Daneben hat sich auch eine Vielzahl an kleineren Geschäften und Onlineshops etabliert, wie z.B. die Bio-Thek.

 

Doch welche Gründe stecken hinter der verstärkten Nachfrage nach biologischen Produkten? Das folgende Diagramm enthält einige ausgewählte Beispiele. 

 Gründe für den Kauf von biologischen Produkten_Quelle:statistika.com

Was jedoch einem Großteil der Konsumenten nicht bewusst ist, Bio ist nicht gleich Bio.

Biowaren, innerhalb der EU, müssen das EU-Bio Logo tragen. Man erkennt es an einem hellgrünen Hintergrund, auf dem sich Sterne, in Form eines Blattes befinden. Produkte mit diesem Siegel stammen jedoch nur zu 95% aus ökologischem Anbau. Zudem ist es erlaubt, dass Produkte mit diesem Siegel, bis zu 0,9% gentechnisch veränderte Rohstoffe enthalten dürfen. Ein deutscher Hersteller hat zudem auch die Möglichkeit seine Produkte mit dem deutschen Bio-Siegel zu versehen. 

Voraussetzung hierfür ist ebenfalls, dass 95% der Zutaten ökologisch erzeugt werden müssen. Zu
 den 5%, die nicht biologisch sein müssen, gehören Hefe, Wasser und Salz.

 

Hierzulande gibt es einige Institutionen, die sich der vollkommen biologischen Erzeugung von Produkten verschrieben haben. Die ökologische Landwirtschaft in Deutschland, kann auf zwei Begründer zurückgeführt werden, die jeweils eigene Konzepte entworfen haben. Die erste Richtung beschreibt die biologische – dynamische 

Gentechnisch veränderte Maispflanze?

Landwirtschaft von Rudolf Steiner (1861 – 1925). Heute ist sie unter dem Namen Demeter bekannt. Eine zweite Form, ist die organisch – biologische Landwirtschaft. Sie geht auf Hans Müller (1891 – 1988) zurück und läuft heute unter dem Namen Bioland. Hinter den Begriffen Demeter und Bioland verbergen sich zudem zwei Gütesiegel die 100% biologische Produkte versprechen, die durch eine ökologische Landwirtschaft erzeugt wurden. Zudem besitzen beide Gütesiegel strenge Richtlinien, die im positiven Sinne von den EU Bio-Richtlinien abweichen. Im Folgenden findet sich ein Vergleich zwischen dem Bioland Verband und der EG – Ökoverordnung. 

 

Vergelich Bioland Richtlinien - EG Öko VerordnungAnhand der Tabelle, lassen sich deutliche Unterschiede zwischen beiden Verordnungen erkennen. Der Kunde wird jedoch im Fall der EG Öko-Verordnung ein wenig hinters Licht geführt. Positiv hervorzuheben ist, dass beispielsweise im Fall von Demeter und Bioland die Produkte nicht nur ökologischen Anforderungen entsprechen, sondern auch ökonomische und soziale Kriterien hinzukommen. Für Konsumenten von Demeter und Bioland bedeutet es, dass sie vorwiegend saisonale Produkte aus der Region kaufen, die ökologisch angebaut und sozialverträglich erzeugt wurden. Ein weiterer Pluspunkt des ökologischen Landbaus liegt in der Schaffung von Arbeitsplätzen. Gründe dafür liegen in der vermehrten Handarbeit. Schädlinge und Unkraut werden nicht mit Chemie beseitigt, sondern vermehrt mit der Hand. Für diese und andere Tätigkeiten werden mehr Helfer benötigt als im konventionellen Bereich.

Liest man dies alles, so wird einem schnell klar, dass zu dem Begriff "Bio" mehr gehört als eine rein ökologische Landwirtschaft. Im Hinblick auf den Kunden sollte jedoch mehr Transparenz geschaffen werden, da ein Großteil der Menschen unbewusst Inhalte der Richtlinien von Bioland oder auch Demeter im Kopf haben, wenn sie an natürliche Produkte bzw. biologische Erzeugnisse denken. Das die Realität jedoch zum Teil komplett anders aussieht, beweisen immer wieder Lebensmittelskandale. Beispielsweise wenn das angepriesene Bio-Huhn gar nicht aus einem Bio-Betrieb stammt….

Hier noch ein Tipp: Wer auf der Suche nach einem Alnatura Bio – Supermarkt in seiner Region ist, findet auf der Homepage eine Karte mit Filialen aus ganz Deutschland www.alnatura.de

Datenquellen:

  1. http://nielsen.com/de/de/insights/presseseite/2012/bioprodukte-bleiben-auf-wachstumskurs.html
  2. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/2419/umfrage/bioprodukte-gruende-fuer-den-kauf/
  3.  http://de.statista.com/statistik/daten/studie/2418/umfrage/biolebensmittel---wichtige-aspekte-beim-kauf/

 

Glückliche Kühe (Bild: Ulrike Lehmann)

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