Pause machen und genießen.

Pause machen und genießen. (Bild: Hochschwarzeck Bergbahn GmbH)

Zum Aufwärmen: Warum Rodeln so schön ist

Egal ob Rutschen, Achterbahnfahren oder Rodeln: Bewegungen, die von alleine an Fahrt gewinnen, haben ihren besonderen Reiz. Ein bisschen Herzklopfen, ein bisschen Adrenalin. Was ich am Rodeln aber so ganz besonders finde: Man kann den Winter genießen und das ganz abseits ausgetretener Pfade. Den Schlitten gemächlich hochziehen, während der Schnee unter den Sohlen knirscht, eine Pause machen, um die Stille oder die Aussicht zu genießen. Kinder können sich zwischendurch im Schnee wälzen und sich auf die Pommes mit Ketchup auf der Hütte freuen, bevor es dann den Hang hinuntergeht. Und Frieren ist beim Schlittenfahren sowieso ein Fremdwort. Für richtige Rodler gehört das Aufsteigen einfach dazu. Dann hat man sich die Einkehr wirklich verdient.

Rodeln wird auch immer mehr entdeckt als kostengünstige und individualistische Alternative zum Massenbetrieb Skifahren. Im Mittelgebirge tut's da jede größere Wiese oder ein verschneiter Forstweg. Im Hochgebirge lassen sich auch Seilbahnen nutzen. Dort warten spektakuläre, kilometerlange Abfahrten. Hier sieben Tipps für einen Ausflug mit dem Schlitten. Wer dann noch Lust auf mehr hat, dem sei das Rodelbuch von Mattias Schelbert und Christian W. Huber wärmstens ans Herz gelegt. Denn die beiden Autoren haben die darin beschriebenen 61 Rodeltouren in den Alpen selbst ausprobiert, Christian Huber hatte oft seine kleinen beiden Töchter dabei. Insofern bietet das Buch jede Menge praktischer Tipps, gerade auch für das Rodeln mit Kindern.

Bevor es losgeht: Schlitten oder Rodel?

Was ist der Unterschied zwischen einem Schlitten und einem Rodel? Im Gegensatz zum starr verleimten Schlitten ist der Rodel flexibel gelagert, hat einen Lenkriemen und nach außen gestellte Kufen. Man sitzt also etwas tiefer, das gilt vor allem für den Sportrodel mit den noch stärker ausgestellten Kufen.

Man ahnt es schon: Der Rodel ist schneller und lässt sich besser lenken. Kurven lassen sich bewältigen, indem man einfach das Gewicht verlagert. Beim Schlitten muss man dagegen immer bremsen, um die Richtung zu ändern.

Leichte Holzschlitten wie der Davoser Schlitten oder die robusteren Hörnerschlitten sind schon ab 40 bis 60 Euro zu haben. Bei Tourenrodel geht es preislich ab etwa 130 Euro los.

Rodeltipp Nr. 1: Olympiaverdächtig – der Hirscheckblitz

Der Name ist Programm: Die Strecke für den Hirscheckblitz in Ramsau bei Berchtesgaden hat der frühere Rennrodler und Olympiagold-Gewinner Georg Hackl mitgeplant: Über 2,3 Kilometer geht es ständig bergab mit einem Gefälle von 16 bis 24 Prozent. Richtig ordentlich also, aber nie zu steil. Für Abwechslung sorgen 16 Kurven. Nach oben fährt eine Sesselbahn. Infos bei der Hochschwarzeck Bergbahn GmbH.

Rodeltipp Nr. 2: Allgäu spezial – ein ganzer Berg nur für Rodler

Früher brachte die Gondel nur Wanderer auf das Imberger Horn. Bis in den 80er-Jahren der Wirt der Berggaststätte die geniale Idee hatte, dass man von dort auch prima rodeln könnte. Heute ist der Berg bei Bad Hindelang im Allgäu ein reines Rodelgebiet. 3,5 Kilometer geht es hinunter, drei verschiedene Strecken stehen zu Wahl. Infos bei der Hornbahn Hindelang.

14 Kilometer bei Mondschein rodeln.

14 Kilometer bei Mondschein rodeln. (Bild: Wildkogel-Arena Neukirchen und Bramberg)

Rodeltipp Nr. 3: Mondschein-Rodeln am Wildkogel

Eine halbe Stunde Schlittenfahren am Stück: So etwas geht nur in den Alpen. 14 Kilometer lang ist die Rodelbahn am Wildkogel bei Neukirchen in Österreich, 1300 Meter liegen zwischen Start und Ziel. Und oben warten grandiose Ausblicke auf die Berge des Nationalparks Hohe Tauern oder die Kitzbüheler Skiberge. Das ganz Besondere: Man kann auch bei Mondschein rodeln, denn die Bahn ist abends bis 22 Uhr beleuchtet. Infos beim Tourismusbüro Neukirchen

Rodeltipp Nr. 4: Gleich noch mal – Rodeln überm Tegernsee

Es ist die klassische Gleich-noch-mal-Tour: Die Rodelstrecke am Wallberg oberhalb des Tegernsees in Oberbayern ist abwechslungsreich: Über 6,2 Kilometer verläuft sie ober entlang des Bergrückens – ein toller Blick über die Alpen inbegriffen. Dann geht es durch den Wald, relativ steil und mit engen Kehren, bevor die Route am Ende großzügig ausschwingt. Wer mal eine Pause braucht: Zwischendurch gibt es die Möglichkeit einzukehren. Unten angekommen, kann man gleich wieder in eine der kleinen Gondeln einsteigen. Infos bei der Wallbergbahn und der Tourist-Information Rottach-Egern.

Am Schamserberg in Graubünden.

Am Schamserberg in Graubünden. (Bild: Yannick Andrea)

Rodeltipp Nr. 5: Für Genießer – eine Pause machen im Tipi-Zelt

Vier Rodelstrecken hat der Schamserberg in Graubünden zu bieten – zusammen mehr als 13 Kilometer. Das Schöne in der Schweiz: Man kommt bestens ohne Auto aus. Von Chur aus ist das Rodelgebiet gut per Bahn und über die gelben Postautos, also Busse, erschlossen. Zwei der Strecken führen über eine Waldlichtung, auf der am Wochenende ein Tipi samt Lagerfeuer warten, auf Bestellung sogar mit Fondue. Also eine Genießertour. Das Tipi hat samstags bis 22 Uhr geöffnet, dann ist die Abfahrt nach Lohn und Mathon sogar beleuchtet. Infos bei der Gästeinformation Viamala.

Rodeltipp Nr. 6: Die Wettersteinhütte – nur für wirklich Geübte

Schmale Wege, enge Kurven und ein ordentliches Gefälle: Die Rodelstrecke an der Wettersteinhütte in Leutasch in Tirol ist nur etwas für wirklich Geübte. 3,3 Kilometer, die für einen kräftigen Adrenalinstoß sorgen dürften. Man sollte seinen Schlitten gut im Griff haben, denn auf der Strecke ist immer damit zu rechnen, dass einem aufsteigende Rodler entgegenkommen. Apropos Aufstieg: Es geht um 520 Höhenmeter zu Fuß. Oben angekommen ist eine Einkehr in der Wettersteinhütte auf 1717 Metern dann dringend angesagt. Infos: Tourismusverband Olympiaregion Seefeld.

Rodeltipp Nr. 7: Schwarzwald pur – mit dem Pistenbully nach oben

Von drei Seiten ist das Bernauer Hochtal im Schwarzwald von Bergen abgeschirmt. Schwarzwald-Genuss pur also. Die Krunkelbachhütte, von der aus die 3,5 Kilobmeter lange Rodelbahn Richtung Tal führt, ist allerdings an keinen Skilift angeschlossen. Da bleibt nur, die 400 Höhenmeter zu Fuß zu überwinden – oder aber das Pistenbully-Taxi zu nutzen. Es nimmt seine Passagiere auf seiner Ladefläche huckepack. Wer statt eines Schlittens im knallbunten Reifen nach unten rutschen will, ist beim Snowtubing im Loipenhaus richtig. Infos: Tourist-Information Bernau im Schwarzwald.

Rodeln mit Kindern: Ersatzkleider sind immer dabei

Im Schnee toben, auf der Hütte Pommes mit Ketchup futtern und dann mit Schwung den Hang hinunter: Schlittenfahren ist ein tolles Wintervergnügen für Kinder. Nur können die Kleinen die Risiken einer Strecke nicht einschätzen. Vor der ersten Abfahrt sollten Erwachsene ihnen die Möglichkeit geben, sich auf leichtem Gelände mit dem Schlitten vertraut zu machen. Ein Muss ist die trockene Ersatzkleidung im Rucksack, weil Kinder beim Toben schnell verschwitzt sind. Gleichzeitig müssen sie auf dem Schlitten warm eingepackt sein, vor allem, wenn sie sich über längere Strecken ziehen lassen. 

Familien sollten sich unbedingt an Streckenempfehlungen von Experten halten. Denn es hat schon seinen Grund, wenn abgeraten wird, Kinder da hinunterfahren zu lassen. 

Außerdem nützlich (nicht nur für Kinder) sind eine Skibrille, die vor aufwirbelndem Schnee schützt, und Manschetten, um keinen Schnee ins Hosenbein zu bekommen. 

Das Bernauer Hochtal.

Das Bernauer Hochtal. (Bild: Tourist-Information Bernau im Schwarzwald)

Mondstein, am 19.08.2014
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