Yin und Yang Yoga (Bild: OpenClipart-Vectors / Pixabay)

Ein etwas anderer Blick auf Welt des Yogas: Yin- und Yang-Stile

Der Name Yin Yoga sagt schon eine Menge über Inhalte und Absichten dieses Yoga-Stils aus, indem er die Yoga-Welt in Yin und Yang aufteilt. Mit Yang sind die aktiven, bewegungsorientierten Stile gemeint, also z. B. Asthanga, Iyengar oder Bikram Yoga. Hier wird häufig viel Wert auf präzise Haltung und kraftvolle, fließende Bewegungen gelegt, die von der richtigen Atmung (Pranayama) unterstützt werden.

Yin Yoga geht einen anderen Weg. Der Praktizierende nimmt eine Asana so ein, dass er seine Muskulatur möglichst weitgehend entspannen kann. Über die Dauer der Übung hinweg versucht er dann, die Position auf sanfte Weise zu vertiefen.

Körper und Geist entspannen

Der Atem ist bei allen Asanas ruhig und fließend, er soll die fortschreitende Entspannung des Körpers unterstützen, gleichsam also ein "Hineinatmen" in die Dehnung.

Der Fokus der Aufmerksamkeit wird nach innen gerichtet. Viele Yogis praktizieren einen großen Teil der Stunde mit geschlossenen Augen. Alternativ kann man sich einen Fokuspunkt im Raum suchen, den man mit entspanntem Blick und weichem Fokus ansieht.

Im Yin Yoga wird großer Wert auf Achtsamkeit und Konzentration auf das Hier und Jetzt gelegt. Das lange Halten der Asanas verführt dazu, Geist und Blick schweifen zu lassen. Jenseits der Körperarbeit wird der Praktizierende daher vom Lehrer immer wieder angeleitet, sich auf nichts anderes als seinen Körper und seine Atmung zu konzentrieren. Besonders zu Beginne einer Yin Yogakarriere kann das eine große Herausforderung sein.

Asanas im Yin Yoga

Yin Yoga wird ganz überwiegend im Sitzen oder Liegen praktiziert. Viele der Asanas sind dem klassischen Hatha Yoga entlehnt, zum Beispiel Bhujangasana (Kobra), Kapotasana (Taube) oder Virasana (Heldensitz). Der Fokus liegt aber immer auf der Entspannung und sanften, aber fortschreitenden Dehnung des Körpers.

Sanft bedeutet allerdings nicht, dass Yin Yoga nicht anstrengend ist. Das lange Verweilen in einer Position ist besonders am Anfang ungewohnt und kann körperlich wie emotional fordernd sein. Besonderes beim langsamen Auflösen der Haltung, bei der es zum sogenannten "Rebound-Effekt" kommt und bei dem die gedehnte Muskelgruppe sehr stark spürbar wird, fühlt sich der eigene Körper fast ein wenig zerbrechlich an. Dieser Eindruck verschwindet aber nach wenigen Sekunden und weicht einem Gefühl tiefer und angenehmer Entspannung.

Hilfsmittel

Neben der Matte kommen im Yin Yoga auch Gurte und Blöcke zum Einsatz. Im Gegensatz zu anderen Stilen werden diese Hilfsmittel aber nicht genutzt, um mit Krafteinsatz auf eine möglichst ideale Haltung hinzuarbeiten. Das Ziel ist im Gegenteil, eine möglichst entspannte Position zu finden, die eine sanfte Vertiefung der Dehnung ermöglicht.

Positive Effekte des Yin Yogas

Einer Theorie nach ermöglicht das lange und entspannte Halten derselben Asana eine Entspannung und Dehnung des mit anderen Sportarten nicht erreichbaren, tieferliegenden Bindegewebes, das den ganzen Körper durchzieht. Yin Yoga wird deshalb gelegentlich auch als Faszien Yoga bezeichnet.
Es bietet sich damit als ideale Ergänzung zu den Yang-Stilen oder kraftbetonten Sportarten (z. B. Fitness, Kampfsport) an.

Darüber hinaus hat Yin Yoga aber auch eine tiefe Wirkung auf die Psyche. Die Fokussierung nach innen und das lange Halten der Asanas beruhigen den Geist, lehren Achtsamkeit auf das Hier und Jetzt und stärken die Konzentration.

Wer also noch keine Yin Yogaklasse besucht hat, sollte sich diese spannende Erfahrung nicht entgehen lassen.

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