Dies ist bereits das fünfte Buch einer versierten Autorin, die zudem neun Jahre Innensicht der Verlagspraxis aufweisen kann. Sie hatte vorher schon alles durch: renommierte Sachbuchverlage, Bestsellerverlage und Eigenverlag. Nun also Book on demand und ihre Erfahrungen damit. Ein lehrreiches und amüsantes Protokoll.
Buch-Veröffentlichung - Tagebuch einer Autorin
von Arlequina
Gabriele Hefele hat ihr Buch „Wie der Herr so´s G´scherr“ erstmals über ein Book-on-demand-Portal erstellt.
Was ist Book on demand?
Das heißt wörtlich: „Buch auf Anfrage“ und funktioniert auch so: Erst, wenn eine Bestellung per E- mail eingeht, ob von der Buchhandlung oder direkt vom Leser über einen Online-Bookshop, geht der Befehl automatisch an die Digital-Druck-Maschine beim Hersteller und das Buch wird ausgedruckt, gebunden, verschweißt und versandt. Die Vorteile sind keinerlei kostspielige Lagerhaltung mehr, kein Risiko, weder für Autor noch für Hersteller. Der Autor erhält in der Regel eine bessere Marge als bei konventionellen Verlagen, die außerdem über das langwierige Entscheider-Nadelöhr Lektorat verfügen.
Inzwischen gibt es mehrere Book-on-demand-Hersteller, der in Deutschland älteste und erfahrenste auf dem Markt ist Books on Demand GmbH in Norderstedt, eine Tochter des Buchgroßhändlers Libri. Beliebt ist diese Art der Buchherstellung auch für private einzelne Geschenk- und Erinnerungsbücher, gebundene Fotoalben. Auch wissenschaftliche Veröffentlichungen lassen sich so kostengünstiger herstellen.
Mein BoD-Tagebuch
Oktober letzten Jahres: Ich mache eine Umfrage im Bekannenkreis: Soll ich als nächstes eine Fortsetzung von „Mein andalusischer Gärtner“, Alltags-Glossen einer Ausgewanderten, verfassen oder ein Tierbuch über die Streiche meiner Vierbeiner? Einstimmige Antwort: das Tierbuch!
November: Ich überlege, welcher Verlag es denn nun werden soll? Schon vor Jahren war mir auf der Buchmesse der große Stand von Books on demand aufgefallen. Doch rümpfte ich da noch die Nase, war ich doch gewohnt, dass man sein Manuskript professionellen Verlagen gibt, keine Kosten hat und auch noch das eine oder andere Autorenhonorar kassiert, die Hälfte sogar schon bei Abgabe des Manuskripts. Ich schmiss also den Prospekt zuhause weg. Nun erinnerte ich mich wieder daran, googelte, war angetan und neugierig.
Ende November: Anruf bei meiner Ex-Schwägerin, einer gelernten Buchhändlerin und Filialleiterin im südostbayerischen Raum. Sie empfiehlt: „Warum veröffentlichst Du es nicht bei Books on demand, wir haben gute Erfahrung damit und bestellen dort viel.“ Das überzeugt mich: Es wird ein erstes Book on demand von mir geben!
10-14. Dezember: Ich frage bei einem Schweizer Journalistenkollegen, dem ebenfalls Tierbesitzer Kurz Künzle an, ob er das Vorwort zu meinem Buch schreiben wolle. Ich sende ihm dazu bereits die ersten fertigen 30 Seiten. Schon vier Tage später mailt Kurt das Vorwort. Ich bitte ihn noch um ein Foto. (siehe links).
Kalenderwoche 52: Das Autorenhandbuch lade ich mir herunter. Außerdem starte ich bei obigen Ratgebern wieder die Umfrage, was sie denn von dem Titel „Wie der Herr so´s G´scherr“ hielten. Wieder einhellige Begeisterung. Erneuter Anruf bei meiner Buchhändlers-Schwägerin, sie möge doch recherchieren, ob es den Titel schon gäbe. Antwort: „Nein“ - hurra, ich kann ihn also verwenden.
Weihnachtswoche: Ich schreibe weiter zwischen den Artikeln für meine Zeitung, die SUR deutsche Ausgabe, dem Jahresabschluss unserer Firma, der Weihnachtspost und dem Pferdestallausmisten. Außerdem kalkuliere ich über das Programm des Herstellers, welche Papiersorte, wieviel Seiten es werden, wie hoch die Kosten sein werden, wie der Endverkaufspreis. Mit einem Klick gibt dieses Programm am Bildschirm alle Zahlen mit allen Variationen bekannt. Dennoch habe ich einige Fragen, die ich nicht im Internetmenü finde und rufe die Hotline an. Ein netter Mann erklärt mir die Sache mit der Umschlagfarbe und die Zahlungsabwicklung.
Weihnachten: Mein Mann schenkt mir die Grundkosten von 39.90 Euro und die erste Auflage von 200 Büchern zu Weihnachten! Eines der schönsten Geschenke für mich als leidenschaftliche Autorin. Damit macht er mir mehr Freude als mit einem Brilli, sorry: So ein kleines Stückchen Kohlenstoff kann man ja verlieren, ein Buch aber ist etwas für die Nachwelt! Wie heißt es so schön im chinesischen Sprichwort: „Man sollte in seinem Leben einen Baum gepflanzt, einen Sohn gezeugt und ein Buch geschrieben haben“. Da ich das mittlere Vorhaben ausließ, kompensiere ich es durch unzählig gepflanzte Bäume auf unserem Grundstück und mehrere Bücher!
Während der Feiertage: Es wird in die Tastatur gehämmert, was das Zeug hält, da das Telefon weniger stört. Ausserdem stelle ich auch noch die Fotoseiten zusammen, denn Tierbilder sind etwas Wunderbares.
Vorsicht bei Foto-Urheberrechten
6. - 10. Januar: Jetzt probiere ich verschiedene Schrifttypen aus. Es soll nicht zu klein und gut zu lesen sein. Es geht auch ans Überschriftenlayout, an die Zwischenüberschriften. Mir kommt meine Erfahrung von neun Jahren im Verlagswesen und als Chefredakteurin einer Jugendzeitung mit enger Zusammenarbeit mit professionellen Grafikern zugute. Die Fotoseiten muss ich alle neu bearbeiten und auf den gewünschten dpi-Standard bringen. Eines ist nicht aus unserem privaten Fundus, sondern von einer Profifotografin. Eine Reiterfreundin gibt mir die Telefonnummer, es ist die falsche. Aber jener Fotograf ist sehr nett und findet den Namen der Kollegin heraus. Ich erhalte umgehend die Abdruckerlaubnis von Carola Toischel, ausserdem möchte sie mein Buch bekannt machen in ihren Kreisen. Auch mit dem „falschen“ Fotografen stehe ich seitdem in nettem E-mail-Kontakt, er wird uns Anfang Mai besuchen. So kommunikativ kann Bücherschreiben sein !
11.- 22. Januar: Ich drucke die ganzen 128 Seiten inclusive 14 Fotoseiten aus und zwar gleich als Doppelseite, um das Layout beurteilen zu können, rechts die neue Version, links die alte. Schließlich habe ich ja dank Göttergattes Technikverständnis zwei Bildschirme vor mir. Jetzt kommen die Korrektur-Durchgänge, nicht nur der Flüchtigkeits- und Stilfehler, jetzt wird gefeilt, in vier Durchgängen.


oben: Anfang und Ende einer Titelbearbeitung
23. und 24. Januar: Diese Tage gehören der Gestaltung des Buchtitels (siehe links) mit passendem Foto, Schrift, Untertitel, Autorennamen, dem Buchrücken, dem Rücktitel mit Klappentext und weiterem Foto. Dazu hält das Programm auch eine Kalkulationsseite vor mit Beschnitt- und Buchrücken-Berechnung. Ich probiere herum, bis mir die Augen flimmern.
Frauen und Technik? Ein Hoch auf die Hotline!
Montag. 25. Januar: Heute wird das Programm angewählt mit dem Klick zum „Buch veröffentlichen“. Das Bildschirmmenü führt einen in Echtzeit idiotensicher, pardon, benutzerfreundlich, durch das Zuladen erst der Buchseiten, dann des Buchtitels in pdf-Dateien. Bis zu 400 Megabyte könnte ich hochladen, bei mir sind es nur 19 Megabyte. Dankenswerterweise erhält man erst eine Druckvorschau, bevor man auf den OK-Button drückt. Plötzlich kommt automatisch eine ganze Seite hoch mit dem Hinweis, dass mindestens acht meiner Fotos nicht 300 Dpi aufweisen, sondern nur 299! Wie kleinlich vom Computer! Ich gebe die Druckvorschau trotzdem frei. Ganze sechsmal halte ich das Programm an und vergewissere mich bei der Hotline. Immer gerate ich an andere Berater, zwei der Damen sind etwas patzig, die zwei Herren geduldiger, so nach dem Motto: „Frauen und Technik!“ Aber ich wollte auf Nummer sicher gehen. Beim nächsten Buch brauche ich das sicher nicht mehr.
Nachmittags: Ich erhalte eine email-Bestätigung für den Eingang der Dateien, einen Autorenvertrag und Vertriebsvertrag und Passwörter, um den Stand meines Projekts zu verfolgen oder mit anderen Autoren zu chatten.
Freitag, 29. Januar: Eine mail meldet: „Ihr Buch ist jetzt lieferbar, in ein paar Tagen in allen 1.000 bookshops und wenig später über alle Buchhandlungen.“ Ich kontrolliere es bei der Homepage und bestelle erst mal für mich allein ein Musterexemplar.
Banges Warten bis 12. Februar: Mein Buch „Wie der Herr so´s G´scherr - Die Streiche meiner Tiere“ liegt endlich im Postfach. Aufreissen des Umschlages: Ich bin begeistert von der Qualität des Papiers, des Umschlags, des Fotodrucks! Jetzt werden Freunde und Presse von mir per E-mail benachrichtigt und meine eigene Autorenauflage bestellt. Jetzt geht es eben an die eigene Vermarktung mit Lesungen (siehe unten) und Interviews, das muss man schon selbst machen, aber da kommen mir meine Tätigkeiten und Kontakte als langjährige Pressechefin bei der Langenscheidt Verlagsgruppe zugute.



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Fazit
Mein folgendes Buch, das sechste, (siehe Foto unten links) habe ich gerade wieder bei Books on demand veröffentlicht. Ich werde außerdem mein erfolgreiches Karrierefrauen-Buch, das vergriffen ist, aber deren Rechte wieder bei mir sind, überarbeiten und neu auflegen auf diese Art. Und beide werden zugleich als E-Book herauskommen, das ist neu in meiner Autorenkarriere. Muss ich unbedingt auch ausprobieren.
Außerdem biete ich mich nach dieser Erfahrung als Beraterin und freie Lektorin für Autoren an, die längst ein Buch veröffentlichen wollten, aber entweder nicht wussten wie oder durch hochnäsige Verlage frustriert oder unverschämt zur Kasse gebeten wurden! Ich erlebe nämlich in meinen beruflichen Interviews immer wieder Leute, die herrlich erzählen können, aber nicht wissen, wie sie es gut zu Papier bringen sollen. Die dann die üblichen Anfängerfehler machen und auch mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuß stehen. Und wo es oft nur weniger Tipps von mir bedarf, dass ein ordentliches Werk daraus wird. Denn: „Man sollte doch unter anderem ein Buch in seinem Leben geschrieben haben!“
Bildnachweis: Wilfried Zeckai, Sabine Künzle, Natascha Michnow, Books on demand, Gabriele Hefele

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Kommentare
Danke, das habe ich gerne gelesen. Es macht Mut. Bäume hab ich schon viele gepflanzt, mit dem Sohn hat es auch geklappt und irgendwann wird es auch ein "richtiges" Buch, also nicht nur ein eBook, sondern eins, dass man richtig in den Händen halten kann, so eins mit weißem Papier und Buchstaben drauf. Bis dahin werde ich noch an vielen Texten feilen.
Na ja, als direkt "Hobby"-Autorin oder schreibende Hausfrau (nichts gegen die außerdem, da schlummern viele Talente!) verstehe ich mich nicht. Die letzen 3 Bücher basieren auf meiner regelmäßigen 14tägigen Print-Kolumne seit 2007 bzw. Hörfunkglossen und sind sowas wie die Zweitverwertung von vorher einigermaßen ordentlich bezahlten Glossen. Anfangs brachten mich meine Hörer/Leser darauf, nach dem Motto: "Wann kann man das denn in einem Buch nachlesen?" Natürlich müssen die Anekdoten für ein Buch anders aufbereitet wrden, ich kann dann auch vieles ergänzen, was vorher dem Printzeilen- oder dem Radio-1´30-Zwang zum Opfer fiel. Von daher stelle ich natürlich alles in allem gerechnet so einen Band in vier Wochen her.
Netter Beitrag!
Und nett ist nicht abschätzend gemeint!
Mir gefällt die Grundeinstellung. Als Hobbyautor(in) schreibt man ein Buch, einen Artikel nicht um Geld zu verdienen. Es geht darum sich mitzuteilen, etwas von sich für andere zu hinterlassen. Wer mit dem Schreiben vorrangig Geld verdienen möchte, muss anders und in anderen Bereichen arbeiten.
Ein paar gute Tipps. Danke für den Beitrag. Daumen hoch!
Ich finde schon den Artikel herrlich zu lesen - man fühlt richtig mit.
Danke Euch Merlin, Alma, Textdompteuse. Ich finde es eben herrlich hier, dass man ungeschminkt seine Erfahrungen austauschen kann.
Ein sehr interessanter Erfahrungsbericht! Vielen Dank dafür. :o)
Das ist ja eine tolle Sache. Ich selbe habe die Erfahrung auch gemacht. War schon gut, aber die Selbstvermarktung kann nur gelingen mit den richtigen Kontakten. Sonst nicht.
Alma
@Arlequina, dafür müsstes Du eigentlich noch nen Daumen bekommen, aber dann muss ich wieder Liegestützen machen oder ums Haus laufen.
Ich bin auch eher pragmatisch, das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.
LG Merlin
@Angela, unter uns Klosterschwestern: Es hat sich gezeigt, dass ich vom Bücherschreiben nie und nimmer leben könnte! Aber ich betrachte es mal so:
1. Es ist ein tolles Erlebnis, etwas Gedrucktes von sich in Händen zu halten.
2. Immer noch gilt das etwas in unseren Breitengraden: "Oh, Sie haben Bücher geschrieben".
3. Ganz praktisch: Mindestens 1 Jahr lang habe ich keine Probleme, was schenke ich zu Geburtstagen, Weihnachten, als Einladungsmitbingsel- egal, ob diejenigen ein Buch richtig herum halten können oder nicht! Und mit Widmung ist es immer sehr begehrt.
4. Ich habe bei der "Arbeit" richtig Spaß, auch Layout-Fummeln- klar, einen Stundenlohn darf man dabei nicht rechnen.
5. Und besonders Spaß habe ich bei den Lesungen,denn ich gebe es zu, ich bin eine richtige Rampensau ohne Hemmungen und genieße den Applaus! Dabei verkaufe ich übrigens die Hauptsache meiner Bücher. Die ziehen auch die älteren Themen gut mit. Nur das Hörbuch, das kann mit Büchern immer noch nicht mithalten. Die CD ist jetzt mit entsprechendem Aufkleber originell-individuelles Werbemittel unserer Erneuerbare-Energien-Firma, von der wir eigentlich leben! So viel wieder ausgepackt an Hintergrundinfos.
U
Gut, dass es so etwas heute gibt. Aber natürlich bleibt dann die ganze Arbeit, die eigentlich ein Verlag machen müsste, am Autor hängen. Bin mal gespannt, ob sich das finanziell später auch lohnt.
Viele Grüße und viel Erfolg mit dem Buch,
Angela