Aussterbende Sprachen

Eine Untersuchung im Jahr 2013 fand sogar 780 Sprachen und Dialekte in Indien, von der die seltenste Majhi nur noch vier Personen sprechen. (1) Durch die Globalisierung drohen immer mehr Sprachen auszusterben. Auf der Suche nach Arbeit lernen die Menschen die notwendige Sprache. Der ein oder andere fühlt sich minderwertig, wenn er nicht die angesagte Sprache spricht. Mit der Sprache der Minderheiten stirbt auch ihre Kultur, Tradition und Identität.

Wer begründete den Internationalen Tag der Muttersprache?

Der jährliche Gedenktag, der seit dem Jahr 2000 immer am 21. Februar gehalten wird, wurde von der UNESCO ins Leben gerufen. Sein Ziel ist die Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit. Die Hälfte aller in der Welt gesprochenen Muttersprachen sollen bereits vom Aussterben bedroht sein. Innerhalb nur einer bzw. weniger Generationen könnten so mehr als 3000 Sprachen sterben. Auch die Nutzung des Internets fördert die Vereinheitlichung der Sprache. Nur rund 60 Sprachen werden von der Mehrzahl der Erdenbewohner im Cyberspace genutzt. (2)

Mother Languages 2

Mother Languages 2 (Bild: Carole Stevens)

Historischer Hintergrund - warum dieses Datum?

Nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft führte die Teilung Indiens im Jahre 1947 zu zwei getrennten unabhängigen Staaten, Pakistan und Indien. Pakistan bestand bis zum Jahr 1971 wiederum aus zwei Teilen: West-Pakistan (heute Pakistan) und Ost-Pakistan (heute Bangladesch). Viel Leid und Elend folgte in den Jahren danach. 

Die Regierung Pakistans benannte im Jahr 1952 Urdu zur alleinigen Amtssprache, obwohl es in Westpakistan nur für 3 % der Bevölkerung Muttersprache war. Die Menschen in Ost-Pakistan sprachen fast ausschließlich Bengalisch. Dies führte zu Protesten in der Hauptstadt Dhaka, bei der die Polizei am 21. Februar 1952 auf Demonstranten schoss. Es gab Tote.

Die Unterdrückung von Sprache und Kultur in Ost-Pakistan führte am Ende Im Jahre 1971 zur Trennung des Landes und der Gründung des Staates Bangladesch. Der 21. Februar wird seit dieser Zeit in Bangladesch als Tag der Märtyrer gefeiert. Auf Antrag von Bangladesch im Jahre 1999 wurde der Tag im Jahr 2000 von der UNESCO zum Internationalen Tag der Muttersprache erhoben.

Languages Matter! Video der UNESCO

In Deutschland bedrohte Sprachen

Auch wir können uns hier an die Nase fassen. In meiner Kindheit war der heimatliche Dialekt oft in der Schule verpönt und wurde unterdrückt. Das führt dazu, dass man die Muttersprache versteht, aber immer seltener spricht, bis sie ganz verloren geht. Bei manchem Arbeitsplatz wurde ein ordentliches Hochdeutsch verlangt.

Manche Bundesländer sehen das flexibler. So wirbt die Landesregierung für ihr Land als Wirtschaftsstandort mit dem Slogan "Wir können alles. Außer Hochdeutsch." (3). Auch in Bayern pflegt man gerne die Muttersprache, obwohl ein bekannter Politiker gerne Hochdeutsch als alleinige Sprache im Wohnzimmer der Familien vorgeschrieben hätte. 

Zu den gefährdeten Sprachen in Deutschland gehören: Nordfriesisch und Saterfriesisch, Sorbisch, Bairisch oder Alemannisch, Moselfränkisch und Rheinfränkisch. Besonders gefährdet sind Jütländisch und Romani. 

Pflegen Sie Ihre Muttersprache!

Außergewöhnliche Sprachen wie z.B. Ägyptisch, Armenisch, Baskisch, Bengalisch, Bosnisch, Filipino, Finnisch, Hebräisch, Hindi, Indonesisch, Isländisch, Koreanisch, Lingala, Mongolisch, Nepali, Persisch, Punjabi oder Suaheli kann man lernen. Kostenlose Lektion mit den 30 wichtigsten Wörtern in 60 Sprachen. Die Aussprache kann auf dem MP3-Player, iPod oder Handy gehört werden.

Quellen:

  • (1) Von Narsi-Farsi, Koti und anderen Mundarten, n-tv.de, Siddhartha Kumar, dpa
  • (2) UNESCO
  • (3) Land Baden-Württemberg, Slogan von Scholz & Friends
Wie sieht es mit Ihrer Muttersprache bzw. dem regionalen Dialekt aus?
Reisefieber, am 18.02.2015
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