Symbole und Metaphern haben eine große Bedeutung bei Dr. House...

Als die neuen Bilder für die achte Staffel publik wurden, liefen die Spekulationen über ein mögliches Ende des beliebt-berüchtigten TV-Doktors schnell auf Hochtouren. Eines zeigte sein Team in dunkler Kleidung vor einer überdimensionalen Röntgen-Aufnahme des Hauptdarstellers Hugh Laurie, das in der Aufmachung an ein Beerdigungsfoto erinnert. Sofort wurden Mutmaßungen über ein schreckliches Ende von Dr. House laut. Dagegen sprachen diverse Promofilme, die Dr. House im Brautkostüm (!) und verschmiertem Make-Up zeigen, wie er lachend einen Blumenstrauß hinter sich wirft. Was jetzt? Hochzeit oder Tod? Heirat mit dem Tod? Oder geht er endlich den Bund der (Homo)-ehe mit seinem langjährigen Freund und Dulder Dr. James Wilson (Robert Sean Leonard) ein? Viele Fans würden sich das tatsächlich wünschen, ist Wilson doch derjenige, der mal mehr oder weniger gutmütig Dr. House'  derbe Schwulenwitze an sich abprallen lässt, obwohl sie meist auf seine Kappe gehen. Aber darf es Dr. House mit einem Happy End geben? Wäre das nicht zu banal, zu soapish für eine der anspruchsvollsten Tv-Serien der letzten Jahre, in der keiner der Hauptdarsteller sein Glück mit einem anderen Menschen findet, selbst wenn er noch so sehr danach strebt?

Selbst Dr. House hat es in der siebten Staffel mit Klinikchefin Dr. Lisa Cuddy (Lisa Edelstein) versucht, und ist kläglich an seinem Egoismus und der Besessenheit für seine Arbeit gescheitert.

Dr. House Promobild 8. Staffel (Bild: http://neoseeker.com/)

Junkie, Egoist, manipulierender "Bastard"...

Während der Serie muss Dr. House sämtliche düstere Prophezeihungen über sein zukünftiges Leben über sich ergehen lassen, sofern er nicht bereit ist, sich zu ändern. Besonders hervor tun sich dabei die beiden Moralapostel der Serie, Dr. Allison Cameron (die das Team nach der sechsten Staffel endgültig verlassen hat) und sein Busenfreund, der gutmenschelnde Onkologe James Wilson.

"You'll wind up alone" oder "There's no way back for you" sind eher die harmlosen Varianten. Und in der Tat entwickelte sich nicht nur Dr. House, sondern die gesamten Figuren in seinem Dunstkreis zum Negativen. Die letzten Staffeln wirken sehr düster im Vergleich zu den zwar oft dramatischen, aber mit der richtigen Prise Humor gewürzten Anfängen.

Der Zuschauer verliert die anfängliche Sympathie zu Dr. House, der mittlerweile nicht einmal mehr versteckte Gefühle zeigt, sondern viel lieber das Ekel markiert, sinnlose Kindereien ausheckt und dem man gerne mal in den Hintern treten würde, um ihn wieder zur Vernunft zu bringen.

Einer steht jedoch immer zu ihm: James Wilson. Manchmal möchte man ihm deswegen ebenfalls die Fresse polieren. Dann wiederum kann er kalt und unbarmherzig agieren, wenn Dr. House in Not zu sein scheint. Doch im Ernstfall weiß dieser, dass er sich auf Dr. Wilsons Loyalität verlassen kann. Etwas, das Dr. Wilson sicher nicht umgekehrt von sich behaupten würde.

Und trotzdem: nach all den Jahren, in denen man als Zuschauer Höhen und Tiefen von Dr. House mitverfolgt hat, erkennt man doch einen letzten Rest Menschlichkeit in der Figur, der es rechtfertigen würde, ihm ein wenig Happiness zu gönnen.

Everybody lies...

Das Motto der Serie "Everybody lies" wird in der letzten, finalen Folge clever zu einem "Everybody dies". Dies und auch das Promofoto, auf dem der gehbehinderte Dr. House triumphierend seinen Stock zerbricht, heizen die Spekulationen mächtig an. Zudem werden von der Produktionsfirma FOX Gastauftritte aller ehemaligen Ensemblemitglieder angekündigt (mit Ausnahme von Lisa Edelstein, die man nicht zurück gewinnen konnte). Was liegt da näher, als zu glauben, dass Dr. House die Schwelle zum Jenseits überschreitet und nun endlich erfährt, ob es dort einen gleißend weißen Bus gibt, der ihn - plötzlich schmerzfrei und körperlich fit - in die Ewigkeit befördert?

Doch zunächst kommt es ganz anders: Dr. Wilson erkrankt. Überraschenderweise, aber wie sich das für einen zünftigen Onkologen gehört - an Krebs. Was für ein Schock! Dr. James Wilson, der Gutmensch, der loyale Freund, der "Nicht-Nein-Sagen-Können-Typ". Der, der es allen recht machen will und dafür sein eigenes Leben hintan stellt.

In der jüngst ausgestrahlten Folge "Post Mortem" erkennt Wilson sein Dilemma und kämpft mit einer Sinnkrise. Aber - man höre und staune - auch Dr. House verändert sich, indem er sich darum kümmert. Die Folge könnte kitschig sein und bedient gewiss einige Klischees und Fan-Fantasien, doch ich war wider Willen gerührt von der Idee, die beiden in einer knallroten Corvette auf einen Roadtrip zu schicken, bei dem Wilson endlich mal so richtig die Sau rauslässt.

Vom flotten Dreier (nicht mit Dr. House, der sich besorgt erkundigt "Shouldn't we try a twosome first?"), Steakwettessen und einer makaber übergezogenen Gummiglatze (House' Idee)  wird nichts ausgelassen. Besonders einprägsam war die Szene, in der sie einen Beerdigungsconvoy mit hundertachtzig Sachen johlend überholen, bevor Wilson einen Zaun durchbricht und den teuren, gemieteten Sportwagen in den Acker setzt.

Hut ab vor allem für Robert Sean Leonards Leistung, die in den letzten Staffeln sträflich vernachlässigt wurde.

So sieht eine "Bromance" aus - Szenen aus "The C-Word" und "Post Mortem"

"I think I'm gonna puke..." (Bild: http://www.fox.com/)

Aber eigentlich ist das gar nicht Dr. Wilson...

Der wilde Roadtrip findet dank eines verwirrten Ömchens, das auf den (nicht kommenden) Bus mitten in der Pampa wartet, ein jähes Ende: Wilson hat Mitleid und hilft ihr, sicher nach Hause zu gelangen. Auf dem Heimweg gesteht er Dr. House von seiner Teenagerliebe zu einer Mitschülerin, die aussah wie Julie Christie in "Dr. Schiwago", und ihn fragte, ob es in Ordnung sei, wenn sie mit Kyle ausginge anstatt mit ihm. Kyle war der wilde, unkonventionelle Tunichtgut, der sogar einen Schnurrbart vorweisen konnte. Ein toller Hecht eben. Dessen Identität hatte der brave, biedere Dr. Wilson während seiner Ausschweifungen angenommen, weil er einmal so sein wollte wie er. Und Julie Christie ins Bett kriegen.

Dr. House reagiert erstaunlich sensibel auf das Geständnis, indem er Dr. Wilson versichert, dass Kyle ganz bestimmt die Oma böse von der Bank gestoßen hätte. Und wahrscheinlich auch ihn - House. Das ist schon wieder manipulativ und selbstsüchtig, aber auch irgendwie rührend. "I can live without Kyle" war wohl so eine Art Liebeserklärung an seinen Freund, die schon lange fällig war. Und irgendwie lernt der Zuschauer nebenbei auch etwas für sein eigenes Leben.

 

Wie es mit den beiden ausgeht, darüber kann man im Moment nur spekulieren. Aufgrund der vielen Sherlock Holmes-Referenzen vermuten einige, Dr. House inszeniere sein eigenes Ableben nach Wilsons, um auf den Fidschi-Inseln wie die literarische Vorlage inkognito Bienen zu züchten. Für Dr. Wilson gibt es nach dem aktuellen Stand der Dinge wenig Hoffnung. Und weil der Dr. House' einziger Freund ist, sieht es auch für Dr. House nicht allzu rosig aus. Schade eigentlich. Aber man kann sich ja immer noch überraschen lassen...

Autor seit 4 Jahren
77 Seiten
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