Wer ist eigentlich schuld an dieser Kalorienbombe?

Die Herkunft der Erdnussbutter ist nicht eindeutig geklärt. Als vermuteter Vater gilt der US-Amerikaner John Harvey Kellogg, hierzulande bekannter durch seine Kellogg's Cornflakes. Als Arzt führte er ein eigenes Sanatorium. Eines Tages dachte er über eine nahrhafte Kostform für zahnlose Menschen nach. Aus Experimenten mit feingemahlenen Erdnüssen, die mit einem Pflanzenöl, Zucker und Salz vermischt wurden, bis sie eine streichbare Masse ergaben, ging die Erdnussbutter hervor. Im Jahr 1895 erhielt Kellogg ein Patent für sein hierfür extra geschaffenes Erdnussmehl. Es spricht einiges dafür, dass auf diesem Weg über ein angesehenes Sanatorium die Karriere der Erdnussbutter ihren Lauf nahm. Dennoch sollen weitere infrage kommende Väter nicht verschwiegen werden. Bereits im Jahr 1884 erhielt ein Kanadier namens Marcellus G. Edson ein Patent für ein Erdnussbutterrezept. Außerdem ist ein George A. Bayle bekannt, der um 1890 herum sogenannte Nussbutter direkt aus einem Fass lose feilgeboten haben soll. 

Egal, wer schuld ist an dieser gaumenschmeichelnden Kalorienbombe: Zur Rechenschaft ziehen kann ihn nach über 100 Jahren seit der Erfindung niemand mehr, wenn sich rund um den Körper die Speckrollen stapeln, verbunden mit Kurzatmigkeit und weniger prallen Blutwerten. 

Erdnüsse sind zwar botanisch Hülsenfrüchte und keine Nüsse, enthalten aber wie Letztere reichlich eigenes Öl. Das in der Rezeptur für Erdnussbutter zugefügte Öl und der Zucker ergeben ein äußerst kalorienreiches Produkt – ganz im Sinne des Arztes Kellogg für seine kaubeeinträchtigten Patienten. 100 Gramm Erdnussbutter entsprechen mit circa 597 Kilokalorien (2000 Joule) in etwa einer 100-Gramm-Tafel Vollmilchschokolade. Also: kein Grund zur Panik! Ein maßvoller Genuss bewahrt vor katastrophalem Anschwellen der Körperfettzellen.

 

Bis nach Deutschland war es ein langer, weiter Weg

Rasch entwickelte sich die Erdnussbutter zu einem Klassiker auf amerikanischen Einkaufszetteln. In Deutschland blieb sie nahezu unbekannt. Vereinzelt berichteten USA-Touristen nach ihrer Rückkehr von diesem Nahrungsmittel. Daheimgebliebene vernahmen mit Staunen, dass die Amis diese aus Erdnüssen hergestellte Creme nicht solo auf ihre Weißbrotscheiben strichen, sondern doch tatsächlich diese Erdnussbutterschicht noch mit Traubengelee – dem Grape Jelly – überzogen! Vielleicht lag es an dieser vermeintlichen Geschmacklosigkeit, dass der Einzug der Erdnussbutter in den deutschen Lebensmittelhandel so lange auf sich warten ließ? Noch in den Sechzigern waren Reisen in die USA ein teurer Spaß. Der Dollarkurs war hoch und die Flugpreise betrugen ein Mehrfaches der heutigen Tarife. Da machte sich selten mal jemand ein eigenes Bild vor Ort.

Dies änderte sich erst, als Schüleraustauschreisen zwischen den USA und Deutschland zunehmend erschwinglicher und populärer wurden. Die ersten Erdnussbuttergläser wurden an die Familien daheim geschickt oder als kulinarisches Souvenir mitgenommen. Ob mit oder ohne Marmelade, das Zeug schmeckte einfach zu gut. Wer noch eins draufsetzen wollte, sprach statt von Erdnussbutter von Peanutbutter – selbstverständlich lässig und überdeutlich als "Peanutbu-dd-er" mit D statt T und extra klangvollem Schluss-R, ganz so, wie es im Amerikanischen üblich ist. Wer angibt, hat schließlich mehr vom Leben! 

Jetzt wurde endlich den Kaufleuten in der Lebensmittelbranche klar, dass hier eine Marktlücke bestand. Warum sollten sie eigentlich ein offenbar lukratives Geschäft einigen wenigen US-Lebensmittel-Importeuren überlassen, die eine vergleichsweise profane Essware zu horrenden Liebhaberpreisen per Versandhandel anboten? Die ersten importierten Gläser der bekannten US-Marke Skippy zogen zaghaft in die Regale ein und fanden reißenden Absatz. Der Nachbarstaat Niederlande bot Unterstützung mit seinem Pindakaas – der holländischen Erdnussbuttervariante, die ebenfalls rasch ihre Fans fand. Andere Firmen zogen nach, häufig aus den USA oder Großbritannien. Der Naturkosthandel erfand seine eigenen Rezepturen, die mal mehr, mal weniger den amerikanischen ähnelten. 

Inzwischen hat es sich dazu herumgesprochen, dass Erdnussbutter nicht einfach Erdnussbutter ist. Neben der homogenen weichen Creme existieren solche mit beigegebenen Erdnussstückchen. Die Varianten tragen daher die Bezeichnungen "creamy" oder "crunchy". Natürlich ist Erdnussbutter auch als Light-Variante erhältlich. Für Hardcore-Schleckermäuler gibt es sogar Sorten mit Honig-, Karamell- oder Kakaobeigaben.

Leckereien mit Erdnussbutter

Das Blitzrezept ist das bereits erwähnte Erdnussbutter-Sandwich. Auf Weißbrotscheiben oder die ebenfalls längst auch in Deutschland erhältlichen American-Sandwich-Scheiben Erdnussbutter streichen – fertig. Damit lässt es sich gehaltvoll und unkompliziert in dem Tag starten zusammen mit dem persönlichen Lieblingsgetränk. Erdnussbutter verträgt sich mit praktisch allen infrage kommenden Getränken. Und was das Gelee-, Konfitüren- oder Marmeladentopping betrifft: Einfach mal ausprobieren! Schmeckt besser, als es scheint – ob stilecht mit in Deutschland eher seltener erhältlichem Traubengelee oder einer anderen Sorte. 

Die erdnussbutterverliebten Amis schwören außerdem auf mit dieser Creme gefüllte Schokoladentafeln und Pralinen. Ebenfalls von ihnen gern gekauft werden auch Doppelkekse mit Erdnussbutterfüllung. 

 

Weiter geht es gleich mit einem Knaller in mehrfacher Hinsicht, dem sogenannten "Elvis".

The Elvis

Jawohl, dieses Sandwich-Rezept wurde nach Elvis Presley benannt, der nicht genug davon bekommen konnte. Es ist eine Kalorienbombe par excellence und schmeckt überwältigend. Vorsicht: Suchtgefahr! Verschwiegen werden soll nämlich nicht, dass genau dieser Imbiss neben anderen Dingen mitverantwortlich für Elvis Presleys vorzeitiges Ableben war.

Zutaten für 1 Portion:

2 Scheiben Weißbrot • 1 Banane • 3 Streifen Bacon bzw. Frühstücksspeck * + ** • 20 g Erdnussbutter • 20 g Butter

Zubereitungszeit 10 min - Gesamtzeit 15 min:

Eine der Weißbrotscheiben einseitig mit Erdnussbutter bestreichen. Banane schälen, in Scheiben schneiden und auf der Erdnussbutterschicht verteilen. Danach die Speckstreifen auflegen. Mit der zweiten Scheibe Weißbrot bedecken und diese von außen mit der anderen Butter bestreichen. In einer geräumigen Pfanne bei mittlerer Hitze auf beiden Seiten vorsichtig braten, bis die Brotscheiben eine goldbraune Farbe annehmen und die Erdnussbutter geschmolzen ist. Insgesamt dauert der Bratvorgang gut 4 Minuten.

* Idealerweise sollte es gekochter Frühstücksspeck sein, der in Deutschland jedoch schwer erhältlich ist. Die hiesigen Varianten funktionieren auch, alternativ gehen auch statt 3 Baconstreifen 1 – 1,5 Scheiben gekochter Schinken. Außerdem dürften sich auch Experimente lohnen mit Mortadella, Jagdwurst, Bierschinken oder Leberkäse. Elvis wird verzeihend von oben zusehen und sich höchstens ärgern, dass er das nicht auch mal ausprobiert hat.

** Vegetarier sowie alle Skeptiker von Bacon in Verbindung mit Erdnussbutter können diesen Bestandteil weglassen. Das Sandwich schmeckt auch ohne.

Erdnussbutter-Muffins

Bei einem so beliebten amerikanischen Gebäck wie Muffins wäre es ein Wunder, wenn es keine mit Erdnussbutter gäbe. Natürlich fehlt diese Version nicht. Bitte sehr:

Zutaten für 12 Portionen:

200 g Mehl • 2 Teelöffel Backpulver • ½ Teelöffel Natron • 150 g gehackte Erdnüsse, ungesalzen • 125 g Zucker • 1 Ei • 125 g Erdnussbutter, zimmerwarm • 60 g Rapsöl • 250 g Buttermilch • evtl. Fett zum Einfetten der Förmchen

Zubereitungszeit 20 min - Gesamtzeit 45 min:

Das Mehl in einer Schüssel mit dem Backpulver, Natron und 80 g der gehackten Erdnüsse gründlich mischen. In einer weiteren Schüssel das Ei leicht verquirlen. Zucker, Erdnussbutter, Rapsöl und Buttermilch zugeben und alles gut miteinander verrühren. Anschließend die Mehlmischung aus Schüssel 1 zur Mischung in Schüssel 2 fügen und so lange zusammenrühren, bis der trockene Zutatenanteil – die Mehlmischung – durchgängig durchfeuchtet ist. Danach den Teig in die Muffinförmchen verteilen. Sind diese nicht antihaftbeschichtet oder aus Silikon, müssen sie vorher eingefettet werden. Zum Schluss mit den restlichen gehackten Erdnüssen bestreuen und im Backofen bei circa 160° C in 20 – 25 Minuten fertigbacken. Die fertiggebackenen Muffins in den Förmchen vor dem Herauslösen noch 10 Minuten ruhen lassen.

Indonesische Satay-Sauce

Auf Grillpartys und häuslichen Feierlichkeiten sind sie ein Hit: Saté-Spießchen. Beide Schreibweisen – Satay oder Saté – bezeichnen dasselbe: kleine kurzgebratene oder gegrillte Fleischspießchen, die bevorzugt mit Erdnusssauce serviert werden und ursprünglich aus Indonesien stammen. Indonesien war einst Niederländisch-Ostindien, was erklärt, dass ausgerechnet in den Niederlanden ebenfalls eine Erdnussbutter der Marke Pindakaas erhältlich war, bevor sie in Deutschland populär wurde. Wer weiß, ob Kellogg da nicht doch abgekupfert hat? Noch heute finden sich in der niederländischen Küche indonesisch inspirierte Gerichte und dort ansässige Indonesier, so dass niemand nach Lokalen mit zum Beispiel der berühmten indonesischen Reistafel auf der Speisekarte lange suchen muss. Mit diesem Rezept für eine Satay- bzw. Saté-Sauce kann sich jeder ein bisschen indonesisches Flair nach Hause zaubern. Beim nächsten Grillen freuen sich die Gäste über die Abwechslung vom Ketchup-Einerlei. Auch als Fondue-Sauce ist dieses Rezept bestens geeignet.

Zutaten für 20 Portionen:

400 g Kokosmilch • 500 g Erdnussbutter, zimmerwarm • 3 – 5 Teelöffel Sambal Oelek • 750 ml Gemüsebrühe • 2 Esslöffel Zitronensaft

Zubereitungszeit 10 min - Gesamtzeit 15 min:

Alle Zutaten in einen Topf geben und bei nur geringer Wärmezufuhr zu einer homogenen Sauce miteinander verrühren. Die Sauce schmeckt warm und kalt.

Textdompteuse, am 13.06.2012
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