Older cowboy - Vaquero; Boquete, Panamá

Older cowboy - Vaquero; Boquete, Panamá (Bild: Lon&Queta / Flickr)

Wirklich fit im Alter: Alte Menschen in südamerikanischen Millionenmetropolen

Wir Menschen in den so genannten westlichen Industrienationen, in den reichsten Ländern dieser Erde, können uns gar nicht vorstellen, wie das Leben der Menschen in vielen Metropolen dieser Welt ausschaut. In Deutschland ist die Luft auch in Großstädten vergleichsweise sauber, das Trinkwasser ist keimfrei und chlorfrei, wir haben täglich Zugang zu frischen Lebensmitteln, im Winter frieren wir nicht, weil wir eine Heizung und eine gut isolierte Wohnung haben. Mit spätestens 67 Jahren ist es Zeit, in Rente zu gehen. Dann können wir uns zurücklegen und unseren endgültigen Feierabend genießen. Die Generation 50+ hat eigentlich allen Grund, fit im Alter zu sein. Auf der anderen Seite der Erde sieht das Leben jedoch ganz anders aus, zumindest für einen großen Teil der Bevölkerung. Großstädte in Südamerika wie Santiago de Chile, Buenos Aires, Sao Paulo oder Caracas leiden unter viel größeren Umweltbelastungen, die Luft ist besonders im Sommer oft schlecht, Smog ist ein großes Problem. Wer das Verkehrschaos in solchen Städten nicht gewohnt ist, ist bereits gestresst, wenn er zwei oder drei größere Straßen überquert hat. Die Metropolen Südamerikas sind verglichen mit europäischen Hauptstädten gigantisch, die Wege sind weit und die Menschen laufen täglich viele Kilometer zu Fuß, schon alleine deswegen, weil man mit dem Bus oder Taxi im täglichen Verkehr viel zu langsam vorankommt. Das Leben in den Straßen ist schnell, laut und für unser Empfinden hektisch. Die Menschen jedoch wirken alles andere als gestresst. Was vor allem erstaunt, sind die vielen alten Menschen, die noch völlig fit im Alter sind und sich ganz alleine und ohne Hilfe im Straßenverkehr zurechtfinden. In jedem Straßencafé sieht man Senioren in kleinen Grüppchen zusammen sitzen und sich angeregt unterhalten. In den Parks spielen die Männer zusammen Schach oder Boccia, wenn sie nicht gerade etwas mit ihren Enkelkindern Unternehmen. Oft, wenn ich mich mit alten Menschen in diesen Ländern unterhalten habe, habe ich mich sehr gewundert, wie fit im Alter doch sehr viele sind.

old ladies chatting (Bild: UwePhilly / Flickr)

ältere Männer beim Schach in Venezuela

Chess Players at Boulevard de Sabana Grande, Caracas, Distrito Federal, Venezuela (Bild: Krzysztof Dydynski / AllPosters)

Wie sieht es mit der Ernährung aus, was macht uns fit im Alter?

In Argentinien und Japan ist der Anteil alter Menschen, die noch sehr fit im Alter sind, recht hoch (diese Aussage treffe ich ausschließlich aufgrund eigener Beobachtungen und nicht anhand statistischer Daten). Ich habe diese beiden Beispiele ausgewählt, weil sich die Ernährungsweise in beiden Kulturen grundlegend unterscheidet. Die japanische Küche wird uns immer als Vorbild empfohlen. Viel Obst und Gemüse, Fisch, wenig tierische Fette und leichte Kost gelten als gesund und sollen dafür sorgen, dass wir fit im Alter bleiben. Die argentinische Küche jedoch dürfte jedem Ernährungsexperten die Haare zu Berge stehen lassen. Das Grundnahrungsmittel Argentiniens ist Rindfleisch, wobei die fetten Teile des Rindes bevorzugt werden. Das magere Rinderfilet ist eher etwas für die Upperclass oder für den Export. Fleisch wird in vielen Teilen Südamerikas vor allem in Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay in gigantischen, für uns unvorstellbaren Mengen, verzehrt. Gemüse spielt eine untergeordnete Rolle und kommt höchstens als Beilage auf den Tisch. Gleichzeitig wird viel Zucker konsumiert und viel geraucht, wobei die Light-Welle auch vor diesen Ländern nicht halt gemacht hat. Trotz dieser Ernährungsweise wirken die Menschen erstaunlich fit im Alter. Viele sind auch mit über 70 noch berufstätig, wohl auch, weil die staatliche Rente, wenn überhaupt, nur sehr klein ausfällt. In Argentinien sieht man ältere Menschen im Fußballstadion ebenso wie nachts beim Tango Tanzen.

Die oft empfohlene Mittelmeerdiät oder Kreta Diät soll uns ebenfalls fit im Alter machen. Zwar essen die Menschen in Griechenland viel Gemüse und Olivenöl, aber sie rauchen und trinken auch sehr viel mehr als die Deutschen. Was ist also dran an den Ernährungsempfehlungen, die uns fit im Alter machen sollen? Ganz ehrlich, ich persönlich bin von den Ratschlägen der Ernährungsexperten und Anti-Aging Ratgeber überhaupt nicht überzeugt. Ich glaube, das Geheimnis von Fitness im Alter liegt ganz woanders.

Das Geheimnis von Fitness im Alter: niemals aufhören zu leben

Was ist nun das Geheimnis von echter Fitness im Alter? Ist es der soziale Zusammenhalt, das gebraucht werden, das niemals rasten, das die Menschen im Alter fit hält? Oder ist es die Gesellschaft, in der wir leben? Wie gehen wir miteinander um? Können Menschen in Deutschland noch aktiv am Leben teilnehmen oder werden sie zunehmend isoliert? Wie leben Menschen in Altersheimen? Welche Rolle spielt der Glaube? Haben wir in den Jahren unserer Berufstätigkeit alles aufgegeben, wofür wir in unserer Jugend mit Leidenschaft entflammt sind? Haben wir unsere Hobbys und Interessen weiterverfolgt oder war vielleicht durch den Beruf dafür keine Zeit? Was ist uns wirklich wichtig? Stimmt es, dass wir Deutschen leben um zu arbeiten? Dies sind Fragen, die wir uns stellen sollten, wenn es darum geht, wie wir fit im Alter bleiben. Mit solchen Fragen lässt sich jedoch nicht viel Geld verdienen. Das Geheimnis von Fitness im Alter ist komplex, es liegt aber ganz sicher nicht in teuren Pülverchen, Pillen, Fitnessprogrammen oder besonderen Ernährungsempfehlungen.

Angela Michel

 

ultimapalabra, am 27.07.2011

Kommentare


   Einloggen
KatharinaZ vor 11 Tagen
Ich glaube, ein wesentlicher Punkt, um gesund alt zu werden, ist sich immer noch nützlich und gebraucht zu fühlen. Und deswegen stimmt es wohl, dass das Leben im Abseits der Gesellschaft, z.B. in Altersheimen, sicher nicht gesund ist und glücklich macht. Also, arbeiten und ein nützlicher Teil der Gesellschaft sein solange es geht! Das plane ich zumindest... ;)
Reisefieber am 10.12.2013
Ich stimmte damit überein, dass uns wahrscheinlich Neugierde und Lebensfreude im Alter fit halten. Wir sollten mehr miteinander leben, als allein irgendwo nur von Technik umgeben. In Deutschland scheint man sich zu sehr über die Arbeit zu definieren, nach dem Motto, nur wenn ich arbeite, stelle ich etwas dar. Dabei zählt doch eigentlich der Mensch. Wenn man sich dann nicht auf die Rente vorbereitet, fällt man in ein tiefes Loch. Man sollte frühzeitig lernen, auch mit Freizeit umzugehen.
cuchulainn am 31.08.2012
Ich denke, eine ganz wichtige Sache ist, dass man nicht alt wirkt. Damit meine ich folgendes: Meine Oma war früh alt. Ich erinnere mich daran, dass sie oftmals den ganzen Tag am Fenster gesessen und rausgestarrt hat, statt irgendetwas zu tun. Sie war zwar lange noch körperlich so weit in Ordnung, aber sie hat selten etwas getan. Ich habe im Nachhinein den Eindruck, dass sie wirklich aufs Sterben gewartet hätte - damals war ich noch ein Kind und habe nicht so sehr darauf geachtet, aber im Nachhinein kommt es mir wirklich so vor. Ich kann mich natürlich auch täuschen. Ein Bekannter von mir geht jetzt auch auf die 70 zu. Aber ihm merkt man das nicht an. Er war Dolmetscher Deutsch-Russisch, arbeitet immer noch gelegentlich als Dolmetscher für richtig große Firmen (z.B. BWM) und dolmetscht auch auf großen Konferenzen. Er hält sich also geistig fit, indem er etwas tut. Und das empfinde ich als sehr wichtig. Und er ist auch immer noch viel mit dem Fahrrad unterwegs - zwar ein E-Fahrrad als Zugeständnis ans Alter, aber immerhin. Statt dessen kenne ich 30-jährige, die viel älter wirken: Sie bewegen sich ungerne, möchten nichts neues lernen, nutzen jede Möglichkeit, sich das Denken von irgendwelchen Handys oder sonstigen Geräten abnehmen zu lassen. Das wirkt meiner Meinung nach viel älter als sie in Wirklichkeit sind. Was ich damit sagen möchte: Man muss etwas tun, seinem Körper und seinem Gehirn auch mal ein bisschen Anstrengung und Mühe gönnen - gerade in jungen Jahren. Das ist meiner Meinung nach ein erster wichtiger Schritt. Man kann natürlich nicht alles auf diese Art beeinflussen, aber auf jeden Fall einen Teil. Und dann kann man mit 70 noch Schach spielen. Wenn man mit 30 natürlich schon Gehirn und Körper auf Sparflamme laufen lässt, was soll dann noch daraus werden? Und in Ländern wie Argentinien (für Japan gilt natürlich das Gegenteil) ist die Technisierung noch nicht so weit fortgeschritten. Da nimmt die Technik den Menschen nicht jeden Denkvorgang ab und man muss sich auch noch selbst bewegen. Ich denke schon, dass das auch eine Rolle spielt. So, das war jetzt genug wirres Geschreibsel ;)
cuchulainn am 31.08.2012
Ich halte von den ganzen Ernährungsratschlägen irgendwelcher selbst ernannter Ernährungsfachleute, die ihre Tipps ohne jeden wissenschaftlichen Hintergrund und ohne Quellenangabe geben, sowieso nicht viel. Wie Grace schon geschrieben hat: DIE gesunde Ernährung, die für jeden Menschen richtig ist, gibt es nicht. Wir sind ja alle unterschiedlich, jeder Organismus reagiert anders. Man sollte sich so ernähren und so leben, so dass man sich wohl fühlt. Das ist wichtig. Ich esse z.B. nicht viel Fleisch, aber nicht weil ich das für besonders gesund halte, sondern weil ich unglaublich gerne Gemüse und Obst esse und Fleisch mich manchmal einfach nur nervt. Das wird dann wohl die richtige Ernährung für mich sein. Aber ich käme nie auf die Idee, jemand anderem die gleiche Ernährung vorschreiben zu wollen. Und wenn ich Lust auf Fleisch verspüre, esse ich auch welches - aber eben nicht jeden Tag. Auf jeden Fall stimme ich deiner Meinung in den Artikel voll und ganz zu. Du nennst die wirklich wichtigen Fragen, um die wir uns Gedanken machen sollten. Und man darf sich nicht von dieser ganzen Geldmacherei (denn nichts anderes sind die meisten sogenannten "guten Ratschläge") verleiten lassen. Außerdem steigt bei uns die Lebenserwartung von Jahr zu Jahr. Und die Leute leben heute nicht mehr nur länger als früher, sondern werden auch später "unfit". Vielleicht gibt es Länder, in denen die alten Menschen noch fitter sind, aber letztendlich können wir auch nicht alles falsch machen, denke ich.
Grace am 14.08.2012
@Maria: Einfach als Autor anmelden und das Bild im Profil hochladen. :-)
Maria am 14.08.2012
wie kann man denn hier so ein Bild von sich in den Kommentar rein bekommen?
Maria am 14.08.2012
Das stimmt schon alles was hier geschrieben wird, Diabetes und dessen Auswirkungen steigen wohl auch durch den Wohlstandskonsum. Wenn Du in Argentinien, Uruguay oder auch Paraguay warst hast Du sicher bemerkt, dass dort fast nur der Mate mit viel Zucker oder zuckerhaltige Gaseosas getrunken wird.
Mike am 14.08.2012
Der Kommerz und der Konsum im Westen führen wohl zu einem Verschleiß, der in den angesprochenen Regionen nicht in dem Maße vorhanden ist. Der Verkehr in den Städten in Südamerika nervt aber auch viele der dort lebenden Menschen.



Bildquelle:
Bildautor: dhester - morgueFile (10 praktische Tipps, die euch glücklicher, erfolgreicher und attrak...)

Autor seit 3 Jahren
938 Seiten
Pagewizz auf Facebook
Laden ...
Fehler!