"Heilige Nacht", ja da klingen die Glöckchen...

Jeder kennt "Stille Nacht", "O Holy Night" (unvergessen interpretiert von dem einmaligen Nat King Cole (Erfinder der musikalischen Gänsehaut) und die deutschen, eher etwas sperrigen Weihnachtsevergreens wie "Es ist ein Ros' entsprungen" oder "O du fröhliche".

Doch immer, wenn ich außerhalb meines Familienkreises anrege, doch auch einmal "Heil'ge Nacht o gieße du" anzustimmen, ist kollektives bedauerndes Kopfschütteln die Folge. "Meinst du 'Stille Nacht'? Keine Sorge, die kommt noch."

Nein, die meine ich nicht. Ich meine das Leib- und Seelenlied meines Großvaters, ohne das eine Weihnachtsfeier in der Keller-Linie nicht zu denken gewesen wäre. Da wäre Weihnachten nicht Weihnachten gewesen, trotz echtem Tannenbaum und tropfenden Wachskerzen.

Bis vor wenigen Jahren ahnte ich gar nicht, dass dieses Lied ein Geheimtipp ist und sozusagen ein Markenzeichen unserer Familienfeier war. Mein Opa, ein begnadeter Sänger mit tiefem Bass, wurde dabei mit voller Inbrunst von meinen drei Onkels begleitet, die seine Stimmgewalt vererbt hatten, und wir anderen hörten andächtig zu, wenn uns nach der ersten Strophe der Text und die Puste ausgegegangen war. Unverwechselbar und toll interpretiert, war die Variante unserer Familie für mich die ergreifendste; besonders, weil mein Opa nicht gläubig war und dieses Lied doch mehr für ihn bedeutet hat als nur das Absingen von Noten.

Heute, nach dem Tod meines Großvaters und dem Ende großer Feste unter Verwandten, bedauere ich es, dieses Ereignis nie aufgenommen zu haben. Auf Youtube brächte mir das eine Menge Klicks ein, da bin ich sicher.

Woher kommt die heil'ge Nacht?

Als ich merkte, dass dieses Lied hierzulande eher als Exot unter den klassischen Weihnachtsliedern gilt, machte ich mich ein wenig im Internet schlau. Dort heißt es in einer Quelle, Beethoven habe die Melodie komponiert und das Stück "Hymne an die Nacht" betitelt; eine andere besagt, dass es sich um ein portugiesisches Volkslied handelt, das gar kein Weihnachtslied ist, sondern den Naturwundern des Sommers huldigt. Das wäre ein bisschen eigenartig, denn soweit ich weiß, hat keiner von uns in dieser Linie diesbezüglichen Einschlag geschweige denn portugiesische Ahnen. Da mein Großvater die deutsche Kultur sehr hoch hielt, zu der ja auch ein gewisser Ludwig van Beethoven gehört, scheint mir die erste Auskunft plausibel. Vielleicht haben sich deutscher Komponist und ein portugiesischer Pfarrer ja auch zusammengetan. Im Zuge meiner Recherche tauchte auch die Vermutung auf, dass es als Soldatenlied populär geworden sei. Man scheint sich wirklich sehr uneinig zu sein über die Heil'ge Nacht.

Es ist sehr schade, dass ich meinen Opa nicht mehr fragen kann, wie dieses ungewöhnlich schöne Lied Einzug in unsere jährliche Tradition gefunden hat und warum wir es immer zu Weihnachten sangen.

Hymne an die Nacht - Von Beethoven oder nicht - schön ist's

Himmelsfrieden und Harfentöne - klingt das nicht weihnachtlich?

1. Heil'ge Nacht, o gieße du
Himmelsfrieden in dies Herz!
Bring dem armen Pilger Ruh,
Holde Labung seinem Schmerz!
Hell schon erglühn die Sterne,
Grüßen aus blauer Ferne:
Möchte zu euch so gerne
Fliehn himmelwärts!
2. Harfentöne, lind und süß,
Weh'n mir zarte Lüfte her,
Aus des Himmels Paradies,
Aus der Liebe Wonnemeer.
Glüht nur, ihr goldnen Sterne,
Winkend aus blauer Ferne:
Möchte zu euch so gerne
Fliehn himmelwärts!

Christine, am 12.11.2011
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