Maiglöckchen

Maiglöckchen (Bild: a.sansone)

Maiglöckchen oder Convallaria majalis

Sein botanischer Name "Convallaria" von lat convallis =holher Talkessel, hohe Talwände weist bereits auf seinen Lieblingsstandort hin: Tieflagen, Tallagen sommerwarmer Eichen- oder Buchenwälder oder Grasfluren.(Früher zählte das Maiglöckchen zu den Lilien und hieß Lilium convallium)

Majalis bedeutet dem Mai=Majus/Maius zugehörig, im Mai wachsend. Bis in die Höhe von 2.000 m ist es in ganz Europa anzutreffen. Weitere natürliche Vorkommen sind in Nordamerika und Kanada.

Botanisch zählt die Gattung Maiglöckchen (Convallaria) mit nur dieser einen Art Convallaria majalis nach den letzten Erkenntnissen zu den Spargelgewächsen (Asparagaceae). Die 6 Perigonblätter sind zu einem Glöckchen verwachsen. Die sechs gespitzten Zähnchen gucken vorwitzig hervor. Die zahlreichen Glöckchen sind in einer einseitswendigen Traube angeordnet. Die oberständigen Fruchtblätter bilden in der Reife rote hochgiftige süßschmeckende Beeren. Also Vorsicht, wenn sich Kinder in Ihrem Garten aufhalten.

Persönlicher Tipp: Blätter nach dem Verblühen und vor der Fruchtreife abschneiden.

Der Genuss von Maiglöckchenblättern (Verwechslungsgefahr mit dem Bärlauch! Bärlauch hat einen dreikantigen Blattstiel, jedes Blatt hat einen eigenen Stiel, Maiglöckchenblätter sitzen meist paarweise)  führt zu Vergiftungen; dennoch zählt es zu den Heilpflanzen. An die 30 hochwirksame herzwirksame Glykoside machen es zu einem heilkräftigen pflanzlichen Arzneimittel. Aber bitte nicht selbst damit experimentieren. Absolute Vergiftungsgefahr!

Wissenswertes und Kurioses zum Maiglöckchen

  • Der Legende nach ist das Maiglöckchen aus den Tränen Marias unter dem Kreuze Jesu entstanden. Es können aber auch die Tränen von Maria Magdalena nach der Auferstehung gewesen sein; so genau will man sich da nicht festlegen.
  • Schon seit dem Mittelalter hat sich das Wildpflänzchen in die Bauerngärten eingeschmuggelt. Vorwiegend wegen seines Duftes war es so beliebt.
  • Es ist seither Symbol für Glück, Liebe und Unschuld, Reinheit und deshalb fast unentbehrlich für den Brautstrauß bei Maihochzeiten.
  • Volkstümliche Namen sind: Augenkraut, Glasblümli, Herrenblümli, Maiblume, Maiblümchen, Maienlilie, Mairöschen, Maischelle, Maizauken, Marienglöckchen, Marienriesli, Niesekraut, Schillerlilie, Schneetropfen, Springauf oder Tallilie/Lily of the Valley.
  • Ab dem 16. Jhdt wurde es medizinisch als Herzmittel, aber auch um Brechreiz zu erzielen, eingesetzt.
  • Die Blüten wurden früher als Niesreizerreger dem Schnupftabak beigemengt. Pierer's Universal-Lexikon von 1862 schreibt über den "Schneeberger Schnupftabak":
    Das wurde aus den "Blüthen der Maiblumen (Convallaria majalis) (...) in Schneeberg selbst verfertigt". Ein erzgebirgischer Schnupftabak also, "welcher heftiges u. anhaltendes Nießen erregt u. daher als Schwindel vertreibendes, Gedächtniß, Augen u. Geruch stärkendes Mittel sonst viel gebraucht wurde". Sniffen, Koksen anno dazumal?
  • Stella McCartney hat ihrer verstorbenen Mutter ein Parfum gewidmet, das Parfum L.i.l.y. - Maiglöckchenduft ganz zart.

Aber wieder ernsthafter:

Hebe, Birke und Maiglöckchen - ein ...

Hebe, Birke und Maiglöckchen - ein Traum in Weiß (Bild: a.sansone)

Maiglöckchen im Garten

Schon die Wildart ist ein dankbares Pflänzchen, das am besten gedeiht, wenn man den Rhizomen die Freiheit gibt, zu verwildern. Allerdings wird man das Maiglöckchen auch kaum mehr aus dem Gartenbereich los, wo es sich festgesetzt hat. Am liebsten hat die "Lily of the Valley", so sein englischer Name, halbschattige Standorte, die gut gelockert sind.

Die Blüte erfolgt erst im 3. Jahr. Man kann Maiglöckchen aber auch in Töpfe pflanzen, wobei eine Mischung mit Vergissmeinnicht allerliebst ist.

Die Blüten kann man trocknen und dann für wunderbar duftende Pflanzenpotpourris verwenden.

Maiglöckchen-Sorten für den Garten

  • Vic Pawlowsky's Gold - mit gold gestreiften Blättern
  • Albostriata - gelblich weiße Längsstreifen
  • Pleniflora - gefüllte Blüten
  • Rosea - eine zart rosa blühende Sorte

Maiglöckchenblätter (Bild: a.sansone)

Zur Sicherheit: Unterscheidung Maiglöckchen - Bärlauch

Sobald der Bärlauch oder das Maiglöckchen blüht, gibt es keine Verwechslungen. Das Problem liegt beim Ernten der Blätter.

Einfache Unterscheidung der Blätter:
Das Bärlauchblatt ist einzeln lang gestielt Stiel dreikantig. Das Maiglöckchenblatt ist anfänglich gerollt und kommt immer im Doppel an einem einzelnen Stiel vor.

 

 

Wer Bärlauch ernten will und unsicher ist.

Im Zweifelsfall - stehen lassen, nicht pflücken; Hände waschen.

Kann man Maiglöckchen mit anderen Blumen verwechseln?

"Eigentlich, nein!", lautet die Antwort.
Dennoch gibt es ein paar wenige Blütenpflanzen, bei denen sich ein sehr unerfahrener Pflanzenkenner bei einem flüchtigen Blick auf die Blüte mal vergucken könnte.

  • Salomonssiegel/Wohlriechende Weißwurz (Polygonatum odoratum)
  • Wintergrün (Pyrola minor/rotundifolia))
  • Birngrün (Orthilia secunda)

Pyrola/Wintergrün (Bild: a.sansone)

Polygonatum odoratum (Bild: a.sansone)

Quellen

  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen, Verlag das Beste, 1980 Stuttgart
  • Heil-, Gewürz-, Nutz- und Giftpflanzen im Botanischen Garten der Universität Innsbruck, Bortenschlager/Vergörer, 2004 Innsbruck
  • Die Weltgeschichte der Pflanzen, Seidel; Eichborn, 2012 Köln

Interessante Themen rund um den Monat Mai

Adele_Sansone, am 02.05.2015
7 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Zierlauch bis Zwiebel - alles rund um Allium)
https://pagewizz.com/wie-mache-ich-einen (Wie mache ich einen Garten in Weiß?)

Laden ...
Fehler!