Sei es, dass Sie sich endlich leisten können, ihren Kindheitstraum zu erfüllen, sei es dass Sie mit ihren Kindern mit dem Reiten anfangen oder dass sie einfach einen gesunden Ausgleich für den Feierabend suchen: Immer mehr Menschen beginnen als Erwachsene zu reiten, träumen von Galloppaden am Strand oder gemütlichen Waldritten. Tierliebende Menschen finden in der Reiterei eine perfekte Möglichkeit abzuschalten. Anders als bei vielen Sportarten, können auch Erwachsene das Reiten noch sehr gut erlernen.
Reiten anfangen als Erwachsener
von Alice_Alphabet
Im mehr Menschen lernen erst im Erwachsenenalter zu reiten. Doch erwachsene Reitanfänger haben andere Bedürfnisse als Kinder. Diese sollten unbedingt berücksichtigt werden.
Reiten lernen als Erwachsener?
Reiten gehört zu den Sportarten, die man bis ins hohe Alter gut und auf hohem Niveau ausüben kann. Josef Neckermann hat seine sechs Olympiamedaillen im Dressurreiten zwischen dem 48. und dem 60. Lebensjahr gewonnen und Österreichs Parade-Springreiter Hugo Simon zählt mit seinem 69 Jahren noch immer zur Weltspitze. In welcher anderen Sportart wäre dies möglich? Ich selber habe einen Reiter gekannt, der bis Mitte achtzig täglich mit seiner Stute ins Gelände ritt. Wenn die älteren Damen und Herren gegenüber den Jüngeren körperlich auch im Nachteil sein mögen, sie machen dies durch Erfahrung, Besonnenheit und Pferdeverstand wieder wett.
Doch wer sich im Erwachsenenalter zum ersten Mal aufs hohe Ross wagt, sollte die Anforderungen an die körperliche Fitness nicht unterschätzen. Reiter benötigen eine gute Grundkondition, Beweglichkeit und eine Gefühl für Balance. Sicher hilft es, wenn Sie durch andere Sportarten fit sind, doch Reiten bedeutet sehr spezielle Belastungen für bestimmte Muskelpartien und ein Muskelkater ist fast garantiert. Erwachsene brauchen länger als Kinder, um neue Bewegungsabläufe zu erlernen, sind vielleicht auch nicht mehr so beweglich.
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Zudem lassen sich Erwachsene nicht so leicht wie Kinder vom Charme eines Wuschelponys von allen Risiken ablenken. Ihnen ist sehr wohl bewusst, dass es sich um große und starke Tiere mit einer gewissen Fallhöhe handelt. Erwachsene sind oft wesentlich vorsichtiger im Umgang mit Pferden, haben nicht selten auch Angst. Reitunterricht für Erwachsene sollte auf diese Besonderheiten unbedingt Rücksicht neh- men. Achten Sie auch selbst darauf, zwar die sportliche Herausforderung anzunehmen, sich aber anfangs nicht zu überfordern. Ein völlig erschöpfter und unerfahrener Reiter lernt nichts mehr und hat ein höheres Verletzungsrisiko.
Western oder klassisch?
Bis vor wenigen Jahrzehnten war in den meisten Gegenden nur die klassische deutsche Reitweise, die korrekt eigentlich "englische" Reitweise genannt wird, bekannt. Doch inzwischen haben die Westernreiter Europa errobert und sich fest in den deutschsprachigen Ländern etabliert. Nun haben sie die Qual der Wal zwischen der noblen Eleganz der klassichen Reiterei und dem lässigen Chic der Westernreiter. Im unten stehenden Video führen zwei der besten Reiter Österreichs ihre Reitweise vor. Vergleichen Sie!
Den richtigen Reitstall finden
Während Kinder oft aus praktischen Gründen mit dem Stall Vorlieb nehmen müssen, den sie mit dem Fahrrad erreichen können, lohnt es sich für Erwachsenen mitunter, einen längeren Anfahrtsweg in Kauf zu nehmen, um den wirklich passenden Stall zu finden. Reitbetriebe unterscheiden sich in ihrer Philosophie, dem Umgang mit Mensch und Pferd, den Methoden und auch dem Preis erheblich. Ob Sie nach der Hallen-Reitstunde noch ein gepflegtes Gläschen im Reiterstübchen zu sich nehmen wollen oder ob Sie die Ausgeglichenheit naturnah gehaltener Pferde schätzen und dafür auch einmal mit Gummistiefeln durch den Matsch stapfen: Das Umfeld, die Pferde und die Menschen, mit denen Sie zukünftig Ihre Freizeit verbringen, sind wichtig und sollten zu Ihnen passen. Beobachten Sie auch ruhig einmal eine Unterrichtseinheit: Die klassische Sportreiterei, wie sie in Deutschland üblich ist, hat ihre Wurzeln in der Kavallerie und manche Reitlehrer und Reitlehrerinnen führen ihren Unterricht auch heute noch recht zackig. Es ist nicht jedermanns und jederfraus Sache, sich nach Feierabend anbrüllen zu lassen.
Man kann Pferde so halten ...
... oder so.
Wenn Sie einen Reitbetrieb besichtigen, werfen Sie natürlich auch einen Blick in Ställe und Weiden, denn die Laune der Pferde werden Sie bald unmittelbar unter ihrem Allerwertesten spüren.
Jede Art der Pferdehaltung hat ihre Vor- und Nachteile: Pferde, die vorwiegend in Ställen gehalten werden, sind meistens trocken, wenn Sie eintreffen, je nach Stall auch schon geputzt. Wenn nicht, lässt sich der Staub einfach ausbürsten. Die Tiere bekommen kein dichtes Winterfell, Sportpferde werden zum Teil im Winter sogar geschoren. Ein Pferd mit Winterfell schwitzt sehr schnell und erkältet sich in der feucht-kalten Winterluft. Stallpferde können das ganze Jahr über trainiert und geritten werden und für schlechtes Wetter steht oft eine Halle zur Verfügung.
Der Nachteil: Viele Stallpferde haben zuwenig Bewegung. Diese Pferd holen dies auch gern einmal unter dem Reiter nach und Pferde, die mehr oder weniger nur den Stall und die Reithalle sehen, sind wesentlich schreck- hafter als Pferde, die etwas von der Welt sehen, sei es, dass sie auf der Weide stehen oder regelmäßig ausgeritten werden.
Video links: Pferde, die zu wenig Bewegung haben, machen manchmal merkwürdige Dinge.
Pferde, die ganzjährig und bei jedem Wetter Auslauf haben, sind meistens ruhig und ausgeglichen, besonders dann, wenn sie in einem naturnahen Herdenverband leben. Dafür stehen sie dem Reiter nicht jederzeit zur Verfügung. Nasser Schlamm lässt sich nicht mit der Bürste entfernen und waschen kann man das Tier nur bei entsprechend warmen Wetter. Zudem sind Freilandpferde in der kalten Jahreszeit auf ihr dickes Winterfell angewiesen. Die Reitweise muss dann entsprechend angepasst werden, richtiges Training ist in den Wintermonaten oft nicht möglich.
Doch meistens müssen Sie sich nicht zwischen Luxusdomizil und Schlammpferden entscheiden. Die meisten Betriebe finden einen Kompromiss: Die Pferde stehen Nachts in Ställen, haben aber auch mehr oder weniger Auslauf auf einer Weide. Wenn das Wetter ganz schlecht ist, bleiben Sie auch einmal drinnen. Mein Tipp: Achten Sie darauf, dass die schönen, weiß umzäunten Weiden in Ihrem Reitstall auch genützt werden und nicht nur der Dekoration dienen. Und fragen Sie danach, ob auch Schulpferde auf die Weide kommen und nicht nur die privaten Einstellpferde. Sie wollen schließlich ein zufriedenes Pferd reiten.
Reiturlaub für Erwachsene
Ein Reiturlaub ist eine besonders schöne Methode, erste Bekanntschaft mit dem Pferd zu machen: Man verbringt viel Zeit auf dem Hof und kann auch den Umgang mit den Pferden ausgiebig üben. Durch den intensiven Unterricht stellen sich schnell Erfolge ein und man muss das neue Hobby zunächst nicht in den vollen Terminkalender zu Hause quetschen. Viele Betriebe bieten quali- tätsvolle Kurse für erwachsene Reitanfänger an.





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Kommentare
Ja, sie sind groß und muskulös und Respekt ist auf keinen Fall falsch. Aber nur selten haben sie persönlich etwas gegen Menschen. Wenn sich ein Mensch im Umgang mit Pferden verletzt, dann ist es meistens ein blöder Unfall und nicht deshalb, weil das Tier absichtlich beißt oder tritt. Und klar, wenn man nach Karotte oder sonst etwas Gutem riecht, wird man schon einmal angeknabbert. Das kann auch liebevoll sein, befreundete Pferde beknabbern sich ja auch gegenseitig. Wobei ein ausgewachsenes Pferd schon gelernt haben sollte, dass Menschen das nicht mögen.
Vor allem natürlich sind Pferde natürlich freundlich, wenn der Mensch einen Futterkübel hat, da muss ich Merlin Recht geben. Wobei ich natürlich nicht mit dem Futterkübel in eine Herde Mustangs spazieren will. In die Rauferei ums Futter will ich nicht einbezogen werden.
Also ich habe irgendwie einen ziemlichen Respekt vor Pferden. Ich halte vor denen immer etwas Abstand, seit mich mal eines als Kind versucht hat anzuknabbern. (muss wohl was leckeres auf der Stirn gehabt haben) Wunderschöne Tiere. Aber auch sehr groß und muskulös.
Toller Artikel jedenfalls.
Die sind auch lieb und sanftmütig wenn man mit dem Futtereimer kommt.
Ich hab mal einen Bericht über Mustangs gesehen. Dagegen sind die
Klitschko-Brüder Kuschelbären.
LG Merlin
Und ich wollt' grad was schreiben, was für liebe, sanftmütige Tiere das sind.
@Alice, wenigstens blieb der stehen, bis ich aus den Steigbügeln war. Meist war der schon zu Hause, bevor ich angehinkt kam. Und dann konnte der auch wieder ganz unschuldig gucken.
Ich sag Dir, die Viecher machen sich über uns lustig!
LG Merlin
Hallo,
Dragomir, ich merke, Pferde und Du, Ihr seid füreinander gemacht!
Merlin, fieses Grinsen ist wirklich unerhört. Stehen bleiben im Galopp ginge ja noch, aber fieses Grinsen, das ist zuviel!
Grace, probiers einmal mit Western, die Westernlehrer sind wirklich cool, tragen auch schönere Stiefel. Na, Spaß beiseite. Der Ton mancher Reitlehrer ist wirklich daneben, ich hab's als Kind so gelernt. Aber viele machen es heute auch anders, inzwischen sind auch für die englische Reiterei didaktische Konzepte jenseits des Anschreiens entwickelt worden. Konkurrenz belebt das Geschäft.
"Die klassische Sportreiterei hat ihre Wurzeln in der Kavallerie" - Das erklärt einiges, wenn ich mir Reitlehrerinnen so ansehe. Deswegen hatte ich irgendwann keine Lust mehr, Unterricht zu nehmen.
Ich würde es gerne wieder mal versuchen, aber privat und ohne Sattel.
@Merlin: Äh, ja. So in etwa ist mein Reitstil auch: Hauptsache oben bleiben, das Pferd macht eh, was es will. ;-)
Mein Reitstil hieß "oben bleiben", der von meinem Gaul hieß "runter werfen".
Der konnte im Galopp stehen bleiben, sich strecken und nachdem die Fliehkraft
gewirkt hatte, ganz fies grinsen.
LG Merlin
Pferde beißen und nehmen überhaupt keine Rücksicht auf MEINEN Reitstil, sie reiten IHREN Stil, wie ich leidvoll erfahren musste.
Vielen Dank für die netten Kommentare und die Daumen!
Zucker nehm ich auch, Merlin!
Conny, danke für Deine Erfahrungen! Ich bin mit Ende zwanzig das erste Mal in einen Westernsattel gestiegen, aber nachdem ich schon sechszehn Jahre regelmäßig englisch geritten bin. Glaub mir, unter diesen Voraussetzungen ist es nicht bequemer und sicherer. Ich habe mir ständig das Horn vorn in den Bauch rein gerammt und als mein ungezogener Fratz von Pferd meine Unbeholfenheit ausgenützt hat, um sich mit mir oben drauf in der Halle zu wälzen, bin ich nicht aus dem Sattel gekommen, weil wieder dieses Horn im Weg war. Ist nix passiert, ich habe ihn so angeschrieen, dass er vor Schreck gleich wieder aufgesprungen ist. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Westernreiterei wesentlich feiner ist als die englische Reiterei, wenn man gleich so anfängt.
Schokomonika, fang an!
Christine, das geht mir ähnlich. Ich bin wirklich sehr, sehr lange sehr viel geritten und jetzt reite ich nur mehr wenig. Natürlich geht es noch bis zu einem bestimmten Punkt, aber die Selbstverständlichkeit von früher hat es nicht mehr, ich bin auch viel vorsichtiger geworden.