Vorgeführte Hässlichkeit

Prostituierender Vorher-Nachher-Effekt

"Extrem Schön – endlich ein neues Leben" mag vordergründig als eine Art Lebenshilfe erscheinen, doch was steckt hinter dieser Reality-Doku? Gut, es gab auch zuvor bereits diverse Schönheits -OPs im Fernsehen, doch so zelebriert um nicht zu sagen mangelnde Attraktivität als Hässlichkeit herausgestellt wurde dabei selten. Das Grundprinzip von "Extrem schön" ist jemanden (eine Frau!) zu präsentieren die möglich viele "optische Makel" hat und zutiefst unglücklich mit ihrem Leben ist, weil sie sich Hässlich findet. Dann kommt der Onkel Doktor schnippelt ein bisschen hier, saugt ein bisschen Fett da, biegt die Nase gerade, pumpt den Busen auf, verpasst der Kandidatin ein neues Gebiss und zum Abschluss gibt's Make-up und eine neue Frisur. Am Ende wird dann aus dem "hässlichen Entlein" der "schöne Schwan".

Kennen wir das Prinzip nicht schon? Doch! Verschiedenen Sender machen sich seit Langem Konkurrenz mit Vorher-Nachher-Dokus und reißen Bruchbuden ein um dann ein schönes neues Haus in wenigen Wochen zu errichten, zerlegen die Wohnungseinrichtung damit kreativ gestaltete Möbel Platz finden usw. Nun gut, das mag manchen noch ein wenig für eigene Vorhaben inspirieren, doch kann das nicht Ziel von "Extrem schön" sein. Während man bei Germany's next Topmodel möglichst schön sein sollte, hat man bei "Extrem schön" höhere Chancen als Kandidatin genommen zu werden je hässlicher man ist, und dieses eigentlich respektlose Wort muss in diesem Fall erlaubt sein, ist es doch genau das, was die Fernsehmacher vermitteln möchten.

Pro Sendung werden von RTL2 jeweils zwei Frauen begleitet und ausführlich dargestellt um nicht zu sagen bloßgestellt. Zunächst werden sie nur mit Slip bekleidet von allen Seiten nackt gefilmt und diese Sequenzen immer und immer wieder eingespielt, so dass auch noch der Dümmste endlich kapiert "Mensch ist die hässlich!". Aber dank der Schönheitschirurgie und RTL2 gibt es ja schon bald "endlich ein neues Leben".

Extrem Schön – ein "Highlight"

Endlich ein neues Leben

Extrem schön – extrem irreführend

Das klingt doch toll: endlich ein neues Leben anstelle des bisherigen armseligen Daseins. Doch bekommen die Kandidatinen wirklich ein neues Leben? Sicherlich verändert sich manches, doch in erster Linie eigentlich nur eines. RTL2 schenkt den Frauen auch nur wieder einmal einen neuen (in der Regel größeren) Busen, eine kleinere Nase und gerade Zähne. Mit einem neuen Leben hat das gänzlich wenig zu tun. Dabei ist zu bedenken, dass die medizinische Betreuung nur während der Zeit der Aufnahme besteht, danach gelten die Frauen für den Sender als "extrem schön" und gewisser maßen durch das neue Leben als von ihrem Schicksal "geheilt".

Silikon ist ein Irrweg
Starke Frauen
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Einzige Ausnahme: Langwierige kieferorthopädische Behandlungen machen eine Betreuung auch nach der Sendung noch notwendig. Doch eine psychologische Betreuung, die sicherlich wichtiger als alles andere wäre, ist nicht vorgesehen. Damit führt diese Sendung die Kandidatinnen komplett in die Irre. Es wird vorgegaukelt, dass jeder glücklich werden kann, es bedarf nur ein paar Schönheits-OPs, die selbstverständlich völlig risikofrei sind und schon heißt es "endlich ein neues Leben".

"Extrem schön"

wo bleibt die Ethik?

Die Verwandlung der Kandidatinnen ist in der Tat "extrem", daher sollte die Sendung vielleicht besser "Extreme Umwandlung" anstatt "extrem schön" heißen. Es findet ja nicht nur eine harmlose Typ-Veränderung etwa durch anderes Make-up oder eine neue sportlichere oder elegantere Frisur statt. Noch treffender wäre vielleicht "Extremer OP-Marathon" oder ähnliches schließlich findet bei manchen Frauen geradezu ein "Komplettumbau" statt, so dass man sich fragen muss, "was bleibt eigentlich von der Persönlichkeit noch übrig?". Teilweise finden über 20 Operationen an einer einzigen Person während des Drehs statt! Dass da nicht mehr viel vom ursprünglichen Aussehen übrig bleibt scheint nahe liegend und ein wenig bekommt man Angst. Unwillkürlich fällt einem ein Name ein: Frankenstein.

Stellt sich nur noch eine abschließende Frage: Was sind das für Ärzte, die eine solche Bloßstellung mit ihrer Berufsethik vereinbaren können?

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