Eine kleine Geschichte

Aggressives KindDer 11jährige Tom rast wie ein Wilder durch das Gebüsch hinter dem Haus. Selbst durch die geschlossene Wohnungstür im 3. Stockwerk ist sein Toben zu hören. An sich nichts Ungewöhnliches, wenn es eben nicht Tom wäre. Tom ist aggressiv. Seine Aggressionen richten sich auf Menschen, Tiere und Gegenstände. Dieses Mal tobt er nicht einfach durchs Gebüsch und reist Grasbüschel aus, sondern schlägt mit einer schweren Eisenstange wie ein Verrückter um sich. Ich beobachte ein Weilchen und beschließe dann, einzugreifen. Schließlich spielen noch andere Kinder da und die dort lebenden Tiere, unter anderem viele Eichhörnchen und ein paar Wildhasen, stürmen schon aufgeregt und vor Angst quiekend davon. Meine Worte helfen nicht, sie dringen gar nicht bis zu Tom durch. Immer wieder sagt er nur, ich solle aufhören, zu schimpfen, dabei bin ich weder laut noch schimpfe ich. Ich bitte ihn lediglich, damit aufzuhören. Dabei drischt er weiter mit dem Knüppel auf alles in seiner Umgebung ein. Ich gebe auf und klingele bei seinem Vater, bei welchem der Junge über die Ferien zu Gast ist. Diesem fällt nichts besseres ein, als dem Jungen damit zu drohen, die Polizei zu holen. Auf diese Androhung reagiert Tom erwartungsgemäß mit Widerstand. Dann schlage er eben die Wohnung kaputt, wenn er hier draußen nichts darf.

Dieses Erlebnis beschäftigt mich nun schon einige Tage lang und immer wieder stelle ich mir folgende Fragen: woher kommt diese Aggressivität? Warum reagiert dieses Kind so aggressiv? Ist es krank oder hat es etwas Schlimmes erlebt? Oder ist er einfach nur schlecht beziehungsweise gar nicht erzogen? Und nicht zuletzt natürlich: wie würde ich als Mutter reagieren, wenn mein Kind ein derartiges Verhalten aufzeigen würde?

Fotoquelle © I.Friedrich  / pixelio.de

Aggressive Kinder - ist es Veranlagung?

Bei meinen Recherchen über Kinder mit großen Aggressionen kristallisierte sich sehr stark heraus, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt, aber niemals der Hauptgrund ist. In Forschungen wurde festgestellt, dass die Anlage zu aggressivem Verhalten durchaus vererbbar ist, aber es sehr stark vom Verhalten der Eltern abhängt, ob diese Aggressivität ausbricht oder nicht. Aggressive Kinder haben oft einen aggressiven Elternteil. So viel steht fest.

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Die Eltern von aggressiven Kindern

Es liegt also viel an dem Verhalten der Eltern, wie ein Kind mit dieser Anlage umgeht. Schaffen es die Eltern, eigene Aggressionen in den Griff zu bekommen, sind sie ein gutes Vorbild für die Sprösslinge und die Kinder haben eine gute Chance, ein normales Verhalten an den Tag zu legen. Ein liebevoller Umgang kann also schon viel bewirken.

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Gründe für Aggressionen von Kindern jenseits der Genetik

Genetische Veranlagung jedoch können meiner Meinung nach niemals die einzigen Gründe für aggressives Verhalten bei Kindern sein, da ansonsten die Menschheit vermutlich schon lange dem Untergang geweiht gewesen wäre. Welche Gründe kann es also noch geben?

 

Ein weitaus größerer Risikofaktor ist die Umgebung des Kindes. Kinder passen sich an ihre Umwelt an, sie beobachten, schauen ab und übernehmen Verhaltensmuster. Wenn Sohnemann also wiederholt beobachtet, wie der Papa die Mama verprügelt, dann ist es durchaus denkbar, dass Sohnemann dies für ganz normal hält und später selbst das gleiche Verhaltensmuster an den Tag legt – zumal er erkennt, dass Papa mit dieser Aggressivität erreicht, was er möchte – Mama kuscht. Also liegt es nahe, dass das Kind unbewusst dieses Verhaltensmuster übernimmt. Wenn es dann durch seine gewalttätigen Handlungen das bekommt, was es möchte, dann ist dem aggressiven Fehlverhalten Tür und Tor geöffnet. Und so etwas verinnerlichen Kinder verdammt schnell.

 

Aber nicht immer sind Fehlverhalten und mangelnde Fähigkeiten der Eltern schuld am aggressiven Verhalten der Kinder. Eventuell liegt eine "Fehlschaltung" der Informationsverarbeitung vor. Diese Kinder können Situationen nicht richtig einschätzen. Aus Selbstschutz wird dem Gegenüber dann oft fälschlicherweise eine feindliche Haltung unterstellt – die gar nicht vorhanden ist – und das Aggressionspotential erhöht sich ungemein. In manchen Fällen (aber in weitaus weniger Fällen als angenommen) steckt ADHS dahinter. Leider ist es so, dass viele Eltern sich gerne hinter der Diagnose ADHS verstecken, obwohl einfach eine fehlende oder falsche Erziehung hinter dem Verhalten des Kindes steckt.

Umwelteinflüsse, Gesellschaft und Lebensweise

Ich komme nun zu einem Punkt, welcher nicht wissenschaftlich erwiesen ist, sondern meine höchstpersönlichen Gedanken zu diesem Thema darstellt.

Wie viel am aggressiven Verhalten von Kindern ist der modernen Gesellschaft und dem stressigen und hektischem Alltag zuzuschreiben, die diese mit sich bringt? Früher einmal bestand eine Kindheit aus Schule, spielen und gelegentlich ein bisschen mit helfen im Haushalt der Eltern. Heute jedoch werden schon die jüngsten Kinder gestresst, als gäbe es kein Morgen. Schon im Säuglingsalter haben manche Kinder einen Terminplan, welcher jeden Erwachsenen mit den Ohren schlackern lassen würde. Montag geht's zum Babyschwimmen, Dienstag zur Frühgymnastik, Mittwoch wird Zeichensprache gelernt, Donnerstag ist Termin in der pädagogisch wertvollen Krabbelgruppe und Freitag geht es noch zum Baby-Yoga. Leider hat die Woche nur fünf Werktage, sonst bliebe sicherlich noch Zeit für Pekip, Baby-Singen und Baby-Shiatsu. Diese Kurse finden natürlich alle nach einem 8-Stunden-Tag in der zweisprachigen Kinderkrippe statt (wie ich gestern erst hörte, ist gerade Chinesisch für Babies sehr beliebt). Lassen Sie sich diesen Wahnsinn einmal auf der Zunge zergehen. Wie würden Sie als Erwachsener auf so eine Woche reagieren? Ich vermute, ziemlich aggressiv.

 

Ein nicht zu vernachlässigender Punkt ist in meiner These die Ernährung. Wäre unser Körper dafür geschaffen, sich von Chemikalien zu ernähren, dann gibt es keinen Grund dafür, dass ein Großteil der Weltbevölkerung am Hungertuch nagt. Überlegen Sie einmal, welche Chemiebomben oft den Kleinsten schon zugemutet werden. Viele spezielle "Kinderprodukte" verdienen diesen Namen nicht einmal ansatzweise. Zusatzstoffe, künstliche Aromen, Konservierungsstoffe und sicherlich bald auch gänzlich im Labor hergestellte Lebensmittel sind das pure Gift für unseren Körper. Und noch mehr für die Körper der Kinder, welche sich noch in der Entwicklung befinden. Wer garantiert, das diese moderne Ernährungsweise nicht Spätfolgen nach sich zieht? Wer sagt mir, dass diese Lebensmittel nicht Zellen schädigen, Nerven zerstören und üble, körperliche und geistige Folgen nach sich ziehen? Nehmen Sie einmal die vielgepriesenen zuckerfreien Getränke her. Diese werden natürlich trotzdem gesüßt, vorwiegend mit dem Süßstoff Aspartam. Bei der Metabolisierung im Körper zerfällt Aspartam in die Bestandteile Phenylalanin, Asparaginsäure und Methanol. Das Methanol oxidiert dann in der Leber zu Formaldehyd. Sowohl Methanol als auch Formaldehyd sind extrem giftig und können zu hochgradigen Schädigungen führen. Und dies ist nur ein Beispiel aus unserer wunderbaren, modernen Ernährungswelt. Es ist also folglich nicht abwägig, dass die Ernährung viel mit aggressiven Verhalten zu tun haben kann.

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Der Umgang mit aggressiven Kindern

Tja, dazu kann ich nicht viel sagen. Ich bin keine Psychologin, keine Ernährungswissenschaftlerin und auch keine Pädagogin – sondern einfach nur eine Mutter eines nicht aggressiven Kindes. Trotzdem mache ich mir natürlich Gedanken, wie man an diesem Artikel sehen kann. Mein Fazit aus diesem Gedankenchaos ist jedoch eindeutig. Eltern können verdammt viel tun, um Aggressivität einzudämmen oder gar zu verhindern. Eine gesunde Ernährung, das Vorleben von Werten und Umgangsformen, ein liebevoller Umgang und eine unbeschwerte Kindheit tragen meiner persönlichen Meinung nach dazu bei, aggressives Verhalten bei Kindern zu verhindern. Hilft dies alles nichts, dann ist es angebracht, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen – zum Wohle des Kindes. Denn das Schlimmste ist Desinteresse und Hinnehmen der Situation.

 

Leider weiß ich nicht, weshalb Tom so aggressiv ist. Ich weiß nur, dass er mir unglaublich leid tut und ich für ihn hoffe, dass er genügend Hilfe, Liebe und Unterstützung bekommt, um aus dieser schlimmen Situation einen Ausweg zu finden.

AlphaBeta, am 03.04.2012

Kommentare


Hanna am 04.04.2012
Das habe ich bei meinem erstem Kind auch durchlebt. Leider. Ich bin einige Tage die Woche arbeiten gegangen, währen die Schwiegermama auf die kleine aufgepasst hat. Diese Schuldgefühle habe ich teilweise noch heute. Du hast Recht, Vater Staat möchte mehr Kinder in Deutschland. Es soll für die zukünftige Rente gesorgt werden. Doch zu was für einem Preis? Es gibt so viele "Minifamilien" die sich absichtlich gegen den Kinderwunsch entscheiden, weil sie wissen, das sie das Zeitlich nicht hinbekommen können. Und wenn doch, dann nur Einzelkind. Doch wo sind dann die Spielkameraden? Eine Kinderkrippe oder der Kindergarten können nicht die Geschwister ersetzen, die für eine gesunde soziale Einstellung von Vorteil sind.
AlphaBeta am 04.04.2012
Das ist ein Gedanke, den ich so ähnlich auch hatte. In einer Zeit, in der so viel Flexibilität von den Arbeitnehmern gefordert wird, bliebt die Flexibilität FÜR die Arbeitnehmer ziemlich auf der Strecke. Es gab Zeiten, in denen ich morgens um 6 Uhr aus dem Haus bin und erst um 7 Uhr abends wieder da war. In den zwei Jahren hat mich ganz arg das schlechte Gewissen geplagt, da ja höchstens noch eine Stunde fürs Kind drin war. Es ist traurig, der Staat hätte gern mehr Kinder, aber in der Hinsicht tut er nichts dafür, dass Eltern auch die Zeit haben, sich um die Kinder zu kümmern.
Hanna am 04.04.2012
Das würde wirklich die Länge sprengen, wenn man alle Gedanken nieder schreiben würde, die sich weiter spinnen. Es ist ein sehr heikles Thema. Leider ist es täglich wahrnehmbar im Umfeld, in der Famile, Kindergarten, Schule und Spielplatz. Überall fallen diese Kinder auf und es wird nicht weniger, im Gegenteil. Auch wenn ich jetzt vielleicht gesteinigt werde: Manche Eltern habe wirklich nicht immer die Zeit, die Kinder zu erziehen. Viele Alleinstehende Elternteile müssen arbeiten gehen, während die Kinder in Obhut gebracht werden. Teilweise sind Kinder von den Eltern über 8 oder gar 10 Stunden getrennt. Da stellt sich die Frage auf: "Wer erzieht die Kinder dann?" Antwort: "Die Gesellschaft?" Und die formt die Kinder nach ihren Vorstellungen. Ich verurteile nicht die Eltern. Sie geben oft ihr Bestes und gehen an Ihre Grenzen. Die Gesellschaft macht es manchmal unmöglich, das Eltern - einfach Eltern sind und ihr Kind nach den bestehenden/ individuellen Bedürnissen Erzihen! Zeit ist Geld.. leider leider zum Nachteil der keinen Schätze, die es wirklich brauchen um als beständige und ausgeglichene Persönlichkeiten gesund zu gedeinen. Upppsss... das war ein wenig lang. :) LG
AlphaBeta am 04.04.2012
Danke Hanna, das ganze Thema ist wirklich unheimlich komplex und kaum in einen Artikel zu fassen.
Hanna am 04.04.2012
Ein wirklich empfehlenswerter Artikel! Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt, warum manche Kinder extrem aus der Haut fallen und sich nicht mehr beruhigen lassen. Ich denke der Aspekt Zeit und Ernährung sind nicht zu unterwerten. Deiner Meinung kann ich mich nur anschließen. LG Hanna
AlphaBeta am 04.04.2012
Das Thema Schuld lasse ich sowieso außen vor. Würde niemals jemandem Schuldzuweisungen machen. Dieser Artikel sind nur meine Gedanken, wo so etwas herkommen könnte. Nicht, dass das falsch verstanden wird.
Immortelle am 04.04.2012
Ja, sprich mit ihm und lass das Thema Schuld außen vor, zeig Verständnis für die schwierige Situation und frag, was dem Jungen helfen könnte, damit er besser in Spiele integriert wird.
AlphaBeta am 04.04.2012
Ich denke, es ist das Beste, nochmals mit dem Vater zu reden-vielleicht bekommt der Junge ja schon Hilfe und es wäre ziemlich blöd, dann Öl ins Feuer zu gießen. Wenn da nix bei rumkommt, dann ich es mit meinem Gewissen gar nicht vereinbaren, einfach nur zu zuschauen.



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Bild: clker.com (Wer gute Beziehungen möchte, sollte "Giraffensprache" sprechen: Gew...)

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