"Wir" haben ein Problem - Warum das Wörtchen "wir" Tabu ist.

Karlchen Küchenmeister ist ein toller Koch. Gerne möchte er seine Rezepte auf einer Webseite einem breiten Publikum zur Verfügung stellen. Also legt er los und stellt seine Rezepte online. Karlchen wundert sich, warum er kein Feedback bekommt und ist ganz traurig. Er weiß gar nicht, was er falsch gemacht hat. Betrachten Sie einmal Karlchens Rezepte:

 

Wir schneiden das Fleisch. Dann schneiden wir die Zwiebeln und dann braten wir beides in der Pfanne an. Danach kochen wir die Kartoffeln. 

 

Fällt Ihnen etwas auf? Wie fühlen Sie sich, wenn Sie diese Sätze lesen? Sicherlich drängt sich Ihnen die Frage auf, wer denn in aller Welt das "wir" ist. Eventuell fragen Sie sich auch, ob Sie dieses Rezept alleine kochen können oder ob Sie einen Mithelfer benötigen, da ja immer von "wir" die Rede ist. Vielleicht ist aber auch Karlchen Küchenfee nicht in der Lage, das Rezept allein zu bewältigen und braucht Hilfe?:

 

Das Wörtchen "wir" ist also definitiv nicht die richtige Ansprache an ein breites Publikum. Es suggeriert dem Leser Unmündigkeit und verunsichert.

"Ich" kann das - Warum das Wort "ich" nicht die richtige Ansprache ist

Karlchen bemerkt diesen Stilfehler nach kurzer Zeit zum Glück selbst und ändert seine Rezepte. Schließlich kann er richtig gut kochen und vor allem kann er es allein. Karlchen schreibt:

 

Ich schneide das Fleisch. Dann schneide ich die Zwiebeln und dann brate ich beides in der Pfanne an. Danach koche ich die Kartoffeln.

 

Okay, das klingt besser, meinen Sie? Gut, Karlchen scheint nun tatsächlich in der Lage zu sein, das Rezept ganz alleine zu kochen. Er kann das. Können Sie das auch? Sollen Sie das überhaupt machen? Karlchen schreibt nur darüber, dass er es tut. Noch immer bekommt Karlchen kein Feedback. "Zum Teufel nochmal, was ist da los?" fragt sich Karlchen. Ein kleiner Hinweis aus dem Freundeskreis bringt Karlchen die Erleuchtung.

 

"Nur weil ICH etwas tue, heißt es noch lange nicht, dass Andere das auch tun!" Vermeiden Sie, wenn möglich, das Wort "ich"!

Woman Sits with Her Pen in Her Mouth Whilst Thinking About What She Should Write in Her Letter (Bild: AllPosters)

"Man" ist geschlechtsneutral

In der traditionellen Grammatik bilden Indefinitpronomen eine Untergruppe der Pronomen. Sie dienen zur Kennzeichnung von Personen oder Sachen, die hinsichtlich ihres Genus oder ihrer Zahl unbestimmt sind.

"Man" tut etwas oder lässt es eben - "Man" - ein absolutes Unwort

Und wieder verändert Karlchen seinen Text zum vermeintlich besseren Stil. Um alle Leser anzusprechen, veröffentlicht er den Text nun so:

 

Man schneidet das Fleisch. Dann schneidet man die Zwiebeln und dann brät man beides in der Pfanne an. Danach kocht man die Kartoffeln.

 

Vereinzelt trudeln nun Kommentare auf Karlchens Kochseite ein, aber trotz allem ist die Reaktion nicht so, wie Karlchen sich das erwartet hat. Keiner hat bisher bekundet, dass er das Rezept wirklich nach gekocht hat. Karlchen wird immer verzweifelter. Was soll er denn nur noch tun? Was macht er falsch? Was Karlchen einfach vergessen hat ist, dass Menschen einen Ansporn und die direkte Aufforderung brauchen, um zu agieren! Und genau das ist der Knackpunkt:

 

Mit "man" sprechen Sie niemanden an und fordern schon gar nicht irgendjemanden zum handeln auf. Streichen Sie dieses Wort unbedingt aus Ihren Artikeln!

"Du" bitte nur bei Kindern - Bei seriösen Artikeln für Erwachsene hat "Du" nichts zu suchen.

Und schon wieder hockt Karlchen vor seinem PC und schreibt seine Rezepte komplett um:

 

Du schneidest das Fleisch. Dann schneidest Du die Zwiebeln und dann brätst Du beides in der Pfanne an. Danach kochst Du die Kartoffeln.

 

Zufrieden lehnt sich Karlchen zurück und lässt den Dingen ihren Lauf. Schon zwei Stunden später der erste Kommentar: "Liebes Karlchen Küchenfee, vielen Dank für das schöne Rezept. Aber leider kann ich das noch nicht kochen, weil ich noch nicht alleine an den Herd darf. Mama erlaubt das nicht." Bling, bling, Ein paar Stunden später kommt der nächste Kommentar: "Hallo Karlchen, ich hab Deine Rezepte gelesen und Mama gefragt, ob sie mir das auch mal kocht." In diesem Stil geht es weiter. Was ist hier passiert? Durch die Anrede mit "Du" hat Karlchen ungewollt die falsche Zielgruppe angesprochen. Schließlich veröffentlicht er keine Kinderkochrezepte, sondern möchte eigentlich vorwiegend Erwachsene ansprechen. Karlchen kennt diese Erwachsenen jedoch nicht. Es sind völlig fremde Menschen, die über das Netz zufällig seine Seite finden. Im wahren Leben würde er niemals eine fremde Person einfach duzen – es sei denn, es ist ein Kind.

 

Verwenden Sie die Ansprache "Du" nur, wenn Sie entweder Kinder mit Ihren Artikeln ansprechen wollen oder die Texte nur für Freunde und Bekannte gedacht sind!

Zielgruppen definieren

Mit "Du" ziehen Sie Kinder an.

Im Zweifelsfall "Sie"

Karlchen denkt nach und kommt zum dem Schluss, dass er seine Texte noch einmal, auf die Zielgruppe ausgerichtet, überarbeiten muss. Folgendes kommt dabei heraus:

 

Schneiden Sie zuerst das Fleisch. Dann schneiden Sie die Zwiebeln und danach braten Sie beides in der Pfanne an. Kochen Sie die Kartoffeln.

 

Nach wenigen Monaten ist Karlchens Kochseite sehr bekannt und beliebt im Internet. Denn neben seinen unschlagbar leckeren Rezepten hat Karlchen Küchenfee noch etwas mehr drauf: Er spricht seine Leser gemäß der Zielgruppe an und fordert Sie aktiv zum Handeln auf..

 

Versuchen Sie, durch die korrekte Ansprache Ihre Zielgruppe zu erreichen. Im Zweifelsfall liegen Sie mit "Sie" und aktiven Aufforderungen, etwas zu tun, immer richtig!

AlphaBeta, am 20.02.2012
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