Allerheiligen ist auch für viele Menschen ein wichtiger Tag, die nicht gläubig sind oder die etwas vom Glauben abgefallen sind. Denn jeder wünscht sich, dass verstorbene Freunde und Angehörige auch nach dem Tod in irgendeiner Form weiterleben. Man gedenkt denen, die man liebte und die verstorben sind sowie allen anderen Toten und Heiligen.

Doch warum genau ist der erste November der Tag, an dem man den Toten gedenkt? Alles über die Entstehung, Geschichte, Bedeutung und den Traditionen von und um Allerheiligen.

Rose am Grabstein

Wozu ein Fest aller Heiligen?

Jeder Heilige, der von Rom heiliggesprochen wurde, hat einen eigenen Gedenktag. Dieser ist der Sterbetag des Heiligen, soweit dieser bekannt ist. Man feiert einen Heiligen deshalb an seinem Sterbetag, weil er, im Falle eines Märtyrers an diesem Tag für seinen Glauben verstorben ist und weil wir annehmen, dass er am Tag seines Todes zu Gott in das Himmelreich aufgefahren ist und somit seine Belohnung erhalten hat.

Doch nicht alle Heiligen sind uns bekannt. Es gibt auch viele, die Gutes getan haben und sich für andere aufopferten, von denen aber keiner etwas weiß. Nur Gott weiß, dass auch dieser Mensch heilig ist. Für all diese Menschen dient der Tag Allerheiligen als Gedenktag.

Die Entstehung von Allerheiligen

Um zu den Wurzeln von Allerheiligen zu gelangen, müssen wir in die Epoche der Antike zurückgehen. Das Römische Reich war damals in seiner Blütezeit und größer als die heutige USA. Rom war der Mittelpunkt der Welt und beherrschte fast ganz Europa sowie alle Gebiete rund um das Mittelmeer.

Kaiser Hadrian hatte im zweiten Jahrhundert das Pantheon wieder aufgebaut und dort einen sogenannten "Ort des Respekts und der Verehrung" geschaffen. Dort durften alle Götter verehrt werden, ganz gleich welcher Religion. Damit schaffte man im antiken Rom Ruhe unter den sonst eher unterdrückten verschiedenen Völkern.

Um 680 weihte Papst Bonifaz IV das Pantheon zu einer christlichen Basilika. Um das Bauwerk vollkommen in einen christlichen Ort zu verwandeln, wurde um 830 das erste Mal ein Fest der Heiligen und Märtyrer im Pantheon gefeiert. So wurde aus einer Stätte für heidnische Götter eine Stätte für den christlichen Gott und so entstand auch Allerheiligen.

Das Pantheon in Rom (Bild: Foto von Roberta Dragan)

Später wurde der Termin von Allerheiligen durch Papst Gregor IV für die ganze Westkirche auf den 1. November festgelegt und wird seither jährlich an diesem Termin gefeiert.

Tradition an Allerheiligen - Besuch der Gräber

In den Tagen vor Allerheiligen werden die Gräber von verstorbenen Angehörigen oder Freunden schön gestaltet, bepflanzt und mit Kränzen und Kerzen geschmückt. Die brennenden Kerzen auf dem Grab bedeuten, dass der tote Mensch in den Herzen der Angehörigen noch weiter lebt, und sind mit der Bitte verbunden, Gott möge ihn in das ewige Licht geleiten.

Am Nachmittag des erstAllerheiligenen November besucht man einen Gottesdienst und geht anschließend mit einer Prozession zum Friedhof. Dort geht jeder zum Grab des Menschen, der einem am nächsten stand und einem am wichtigsten war. Der Priester segnet die Gräber und man betet gemeinsam, dass Gott die Verstorbenen in den Himmel aufnehme.

Anschließend geht man zu weiteren Gräbern in denen Menschen liegen, die man kannte, und gedenkt auch ihnen.

Traditionell folgt auf den Grabbesuch ein Treffen von Verwandten zum Kaffeetrinken, bei dem man über die Toten sprechen kann.

Der Allerheiligenstriezel

Im Süden Deutschlands und in Teilen Österreichs ist der Brauch des Allerheiligenstriezels bis heute verbreitet. Früher gingen arme Leute von Haus zu Haus und bekamen von den Wohlhabenden einen selbst gebackenen Hefezopf. In der heutigen Zeit bekommen Kinder einen solchen Allerheiligenstriezel von ihren Paten.

In Linz hat diese Tradition sogar Orakelcharakter. Gelingt der Hefezopf zu Allerheiligen bedeutet das Glück, geht der Zopf aber nicht auf und missglückt, ist das ein Zeichen für Unglück und Tod.

Diese Tradition kommt ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert, als man sich zum Ausdruck der Trauer die eigenen geflochtenen Zöpfe abschnitt.

Der Newweling

Eine Mainzer Tradition ist es, an Allerheiligen an den Gräbern der Verstorbenen Newwelings anzuzünden. Ein Newweling ist eine Kerze, die rein aus spiralförmig gedrehten Dochten, die mit Kerzenwachs überzogen sind, besteht. Es werden verschiedenfarbige Dochte für die kegelförmigen Newwelings verwendet, da dadurch ein schönes Muster entsteht.

Die Tradition kommt von einer Frau aus Mainz, die vor ihrem Tod verordnet hat, dass jedes Jahr zu ihrem Gedenken eine Kerze gegossen oder ein Newweling gedreht werden soll, um ihrer zu gedenken.

Ein Newweling und Kegel zur Herstellung (Bild: kandschwar)

Der Name Newweling bedeutet nebelig und kommt aus dem Mainzer Dialekt. Newweling bezieht sich wohl auf die typisch nebligen Tage im Herbst und an Allerheiligen.

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