Herbstliches Spinnennetz

Herbstliches Spinnennetz (Bild: Pixabay.com)

Ein Spinnenleben am Beispiel der Kreuzspinne

Im Herbst beginnt und endet alles mit der Eiablage. Ein Spinnenweibchen baut bis zu 5 Eierkokons mit jeweils 40 - 50 gelblichen Eiern. Zu ihrer letzten Aufgabe gehört es, die Kokons sicher zu befestigen. Danach stirbt das Spinnenweibchen. Die Jungspinnen schlüpfen noch im gleichen Jahr, bleiben aber über Winter in dem Kokon. Ab April verlassen Sie den Kokon und bleiben den Sommer über in einem Gemeinschaftsnetz, um im Herbst flügge zu werden. Jetzt beginnt die Zeit, in der es von Spinnennetzen nur so wimmelt. Die Jungspinnen produzieren einen sogenannten Flugfaden, und lassen sich durch die Thermik an warmen Spätsommertagen oft kilometerweit wegtragen. Dabei können sie sogar mehrere tausend Meter hoch in der Luft fliegen, und wurden schon von Flugzeugen aus gefangen.

Haben Sie die Reise überlebt und landen an einem geeigneten Ort, stellen Sie ihr Netz her. Die Netze der Kreuzspinne bezeichnet man als Radnetz, die Spinnen als Radnetzspinnen. Diese Netze sind besonders eindrucksvoll, werden bestens gepflegt und können einen Durchmesser von bis zu 50 cm haben. Im ersten Jahr sind die Jungspinnen noch nicht geschlechtsreif und überwintern an einer geschützten Stelle.

Erst im zweiten Jahr erreichen Sie die Geschlechtsreife. Die Lebensdauer der Spinnen beträgt 2 bis 3 Jahre. Sind die Weibchen geschlechtsreif, warten Sie ab August in Ihrem Netz auf männlichen Besuch. Endeckt ein geschlechtsreifes Männchen eine entsprechende Dame, begibt es sich zu deren Netz und befestigt einen Werbe- oder Begattungsfaden. An diesem zupft es beständig, so dass das Weibchen über ihre Hörhaare von der Anwesenheit eines paarungswilligen Männchen informiert wird. Ist auch das Weibchen paarungswillig, begibt es sich zum Begattungsfaden und kehrt dem Männchen den Bauch zu. Das Männchen springt für wenige Sekunden auf, um den Samen zu übertragen, und entfernt sich sofort wieder. Der Vorgang von Werben und Paarung kann sich auch mehrmals wiederholen.

Der Kreislauf schließt sich mit der Eiablage, nach der das Weibchen sofort stirbt. Ein neuer Zyklus beginnt.

Weibliche Kreuzspinnen bei uns im Garten -

Gartenkreuzspinne (Bild: Susanne Edele)

Was hat nun der Altweibersommer mit Spinnen zu tun?

Wenn sich im Herbst tausende von Spinnen auf die Reise begeben, schweben unzählige Spinnfäden in der Luft, bleiben in Hecken und Bäumen hängen und erinnern im Sonnenlicht silber schimmernd, an silbergraue Haare, und werden somit mit "alten Weibern" in Verbindung gebracht.

Eine andere Legende besagt, dass die Fäden in der Luft dem Garn ähnelt, das früher von den "alten Weibern" am Spinnrad verwendet wurde. Der Begriff "alte Weiber" war damals nicht negativ behaftet und bezeichnete einfach alte Frauen.

Neben den fliegenden Spinnfäden werden im Herbst durch den Tau auch viele andere Netze sichtbar. So z.B. die Netze der Baldachinspinnen, die Bodennah ganze Wiesen bevölkern. Auch diese erinnern an graue Haare alter Frauen.

Spinnseide im Interesse der Forschung

Die Spinnseide, aus denen die Spinne ihr extrem dehnbares und reissfestes Netz herstellt, gab der Wissenschaft lange Zeit Rätsel auf. Der Versuch, künstliche Spinnseide herzustellen, scheiterte lange Zeit. Ebenso die Gewinnung von natürlicher Spinnseide in größerem Maßstab. Jetzt ist es Wissenschaftlern gelungen, mit Hilfe von Bakterien, Spinnseide künstlich herzustellen. Die Einsatzmöglichkeiten, die sich daraus ergeben, sind für die Industrie von größtem Interesse. So eignet sich das biologisch gut verträgliche Material sehr gut als Nahtmaterial bei Operationen.

Das Geheimnis der Spinnseide -

Auch bei der Herstellung von Schutzkleidung ließen sich die Eigenschaften der Spinnseide hervorragend verwenden. Laufmaschenfreie Strumpfhosen und Häuser aus Biostahl sind vielleicht bald keine Spinnerei mehr.

susivital, am 29.09.2011
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Bildquelle:
Kerstin Schuster (Vorsicht Unwetter - Tipps für richtiges Verhalten bei Gewitter in W...)

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