Wer ein Buch über das Abnehmen liest, erwartet ein Werk, in dem er eine Lösung für die Entsorgung der meist am eigenen Leibe fest hängenden überflüssigen Pfunde findet. Ein erprobtes Konzept soll auf den eigenen Körper übertragen werden und auch hier auf wundersame Weise Pfunde zum Schmelzen bringen.

 

Der Markt ist voll von Büchern mit Erfolgsgeschichten, die eingepfercht zwischen zwei Buchdeckeln immer auch Ratschläge für andere Betroffene enthalten. Voller Hoffnung erprobt man den oft gleich mitgelieferten Ernährungsplan und merkt dann, dass es mehr Zeit braucht, als man sich zu nehmen vorstellte. Bei Bernd Stelter ist das anders. Typisch männlich eben.

Ausgiebige Sportberatung

Den hoffnungsvollen Leser erwarten zunächst seitenweise Abhandlungen über das Laufen. Es wird vom Kauf teurer Funktionssportwäsche berichtet, die sich ein Normalverdiener ohnehin nicht leisten kann, und minutiös erklügelte Laufpläne vorgestellt. Langsam auftretende Ermüdungserscheinungen können auch durch die wenigen ansatzweise witzigen Passagen nicht ganz vermieden werden. Wer es geschafft hat, sich durch den ersten Teil des Buches zu kämpfen, der wird erfahren, dass es Bernd Stelter trotz massivem Übergewichts gelungen ist, zu einem motivierten Jogger zu werden, auch wenn man sich schon beim Lesen Sorgen um seine Gelenke macht. Dafür gebührt ihm große Anerkennung.

Doch dann der Schock! Anstatt durch diese körperliche Betätigung, auf die der Körper vorher jahrelang verzichten musste, abzunehmen, haben sich weitere Kilos auf die Hüften geschlichen und die Waage zeigt utopische Zahlen an. Ein herber Schlag für jeden Leser, der gerade beschlossen hat, seinen eigenen Schweinehund in Zukunft mehr zu zügeln.

2008 vor Beginn seines Sportprogramms
nach Ernährungsumstellung 30 Kilo weniger

Sport allein hilft nicht beim Abnehmen

Der zweite Teil des Buches verläuft wesentlich flotter. Das Laufen ist nun nicht mehr das alleinige Thema, Bernd Stelter entdeckt auch andere Sportarten. Und er entdeckt, dass er unbedingt seine Ernährung umstellen muss. Gemeinsam mit seiner Frau schmiedet er Pläne für eine neue Lebensweise. Das heißt, er überlässt seiner Frau den Hauptanteil daran, denn diese möchte natürlich auch ihre Kilos loswerden. So fallen dann Begriffe wie "Schlank im Schlaf" und weniger Kohlenhydrate. Wer jetzt eine genaue Anleitung erwartet, wie es denn Bernd Stelter zu seiner neuen Figur gebracht hat, der wird vergebens suchen. Der zweite Teil ist voll des Eigenlobes über die erreichten Erfolge und hier erkennt man dann auch den Unterschied zu einer typisch weiblichen Erfolgsgeschichte. Die wirklich entscheidenden Punkte, die dann letztendlich von den Pfunden befreit haben, werden nur kurz und knapp abgehandelt. Ellenlang dagegen die sportlichen Höhen und manchmal auch Tiefen. Die im Einband angekündigten "allerhand praktische Tipps zum Selberausprobieren" fallen bei der Lektüre kaum auf.

Bernd Stelter profitiert vom Promi-Bonus

 Natürlich gebührt Herrn Stelter große Anerkennung für die beachtliche Leistung. Das muss man erstmal nachmachen. Wer ein großer Fan des Künstlers ist, wird sein Buch auch mit einem Schmunzeln gelesen haben. Aber wenn man ehrlich ist, hätte die Welt so ein Buch nicht gebraucht. Hier hat der Autor mit großer Sicherheit auf seinen Promi-Bonus gebaut.

Doch wenn gerade durch diesen Promi-Bonus der eine oder andere stark Übergewichtige dazu angestachelt wird, es seinem Idol nachzumachen, dann war das Schreiben doch die Mühe wert.

Spannend bleibt, ob Herr Stelter sein Gewicht auch über die nächsten Jahre halten kann. Zu wünschen wäre es ihm.

Bernd Stelter liest aus seinem Buch
Heischu, am 30.09.2011
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Bildquelle:
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