Heile Welt und Afrofrisur – typisch Bob Ross

Landschaften wie vom Fliesband

Im Juli 1995 erlag Bob Ross mit nur 52 Jahren seinem Krebsleiden. Doch noch Heute ist er bei Hobbykünstlern Ikone, Vorbild, Lehrmeister und Kultfigur zugleich. Genauso unverwechselbar wie seine Landschaftsbilder ist er selbst. Mit Afrofrisur, Vollbart und Palette stehend vor einem Ölbild, so kennt man Bob Ross von Fotos ebenso wie aus seiner Sendung »The Joy of Painting«, die auch in Deutschland nach wie vor läuft, zumindest auf BR alpha im Nachtprogramm. Wer malen lernen will, wird von ihm ermuntert, es einfach auch einmal zu versuchen und dabei gibt er in jeder Sendung handwerkliche Tipps. In der Tat erscheint es vielleicht eher wie ein Handwerk, das heißt Mechanik steht im Vordergrund, Inhalt hingegen wird nicht explizit thematisiert, aber vielen Hobbykünstlern geht es auch primär um ein "schönes" Bild. Und wenn der Lernwillige sieht, wie Bob Ross in nur 30 Minuten ein handwerklich perfektes Landschaftsbild malt, ist die Begeisterung groß und der Wunsch malen zu lernen wie das Vorbild erneut ein Stück größer geworden.

Sicher, etwas eigenwillig wirken diese Sendungen schon, um nicht zu sagen, sie können sich einer gewissen Comic nicht erwehren. Auch erinnern sie doch sehr stark an diverse Infomercial-Sendungen. Das wiederum verwundert natürlich nicht, denn schließlich sollen ja auch die entsprechenden Malutensilien von der Marke Bob Ross gekauft werden. Dennoch, muss man Bob Ross zugestehen, mehr als nur der Präsentator einer Verkaufs-Sendung zu sein. Schließlich ist es ihm gelungen weltweit Anhänger zu finden, die nur eines wollen: malen lernen wie ihr Vorbild.

Bob Ross – Maler oder Prediger

Mit sanft(mütig)er Stimme den Zuschauer das Malen lehren

Bob Ross schlicht als Verkäufer abzutun wäre sicherlich ungerecht. Ihn als großen Künstler zu betrachten ist natürlich ebenso Ansichtssache, aber eines ist er auf alle Fälle: ein Phänomen.

Einst ein Soldat der US-Air-Force, der, so seine eigenen Worte, hart und gemein seine Untergebene anbrüllen musste, wirkt er in seinen Sendungen geradezu wie ein Prediger, der seiner Gemeinde Mut zu positiven Gedanken macht und seine Anhänger aufmuntert, indem er stetig predigt, dass jeder das Zeug zum Künstler hat. Er selbst wollte dabei Vorbild sein und produzierte Sonnenuntergänge, warm beleuchtete Häuser, unzählige Bäume und Landschaften wie am Fliesband. Nun könnte man mit dem Vergleich der Fliesbandmalerei schon wieder einen kleinen Seitenhieb vermuten, doch Technik zu vermitteln gelingt ihm, etwa wenn er seine » criss-cross«-Pinselstriche erklärt und was man damit in wenigen Minuten erschaffen kann. 

Für den, der malen lernen will, ist es sicherlich auch faszinierend, mit welch einfachen Mitteln und in welcher Geschwindigkeit es möglich ist, ganze Gebirge und Hügellandschaften in Öl auf die Leinwand zu bannen. Für jeden der Angst hat, beim Malen etwas falsch zu machen, gibt es dann regelmäßig die aufmunternden Worte, dass es keine Fehler gibt, nur fröhliche kleine Unfälle und dass man ja wieder alles übermalen kann. Außerdem erschafft sich jeder beim Malen seine eigene Welt » make it a happy one«. Gut, das klingt in der Tat nicht nach Guernica von Picasso und auch nicht nach der Hölle von Hieronimus Bosch, aber darauf kommt es in der Regel seinen Anhängern die malen lernen wollen auch nicht wirklich an.

Und welcher Geschmack nun gut oder schlecht ist, soll jeder für sich entscheiden. Die Frage, ob die Gemälde und die Maltechnik von Bob Ross nun Kitsch oder Kunst ist, ist eigentlich auch schon entschieden – wird hier aber garantiert nicht verraten …

 

Und jetzt ran an den Pinsel!

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