Zusätzliche Probleme, die beim "Bossing" auftauchen - vielleicht hat der Chef ja doch recht

So schlimm Mobbing durch die Kollegen für den Betroffenen auch ist, beim "Bossing", also beim Mobbing durch den Chef, steht der Arbeitnehmer noch mal vor ganz anderen Problemen.

  • Da ist einmal die Tatsache, dass er kaum einen Kollegen finden wird, der ihm zur Seite steht. Derjenige müsste sich ja schließlich gegen den Chef stellen.
  • Dann ist da aber auch noch das Problem, dass es oft keine dem Chef übergeordneten Personen gibt, denen sich der Leidtragende anvertrauen kann.
  • Mitunter geht selbst der Betriebsrat auf Distanz, weil es ja schließlich auch möglich sein kann, dass der Chef sich nicht ohne Grund so verhält.
  • Das Perfide ist, dass der Vorgesetzte oft auch noch "Mitstreiter" findet, die ebenfalls in dieselbe Kerbe hauen. Sei es aus Sensationslust oder weil sie sich dadurch Vorteile erhoffen.

Die Formen der Bossing-Attacken können vielfältig sein. Sie reichen von ständigen Schikanen und Sticheleien über öffentliche Demütigungen bis hin zu (bewusst) falschen Anschuldigungen oder Gerüchten, die vom Chef in die Welt gesetzt werden. 

Dies endet nicht selten in einem Teufelskreis. Die Motivation des Arbeitnehmers sinkt, die Konzentrationsfähigkeit lässt nach und es passieren Fehler.

Das wiederum gibt dem Vorgesetzten wieder neuen Zündstoff.

Wenn man sich nicht früh genug zur Wehr setzt, führt diese Situation fast unweigerlich dazu, dass die ersten Krankheitssymptome auftreten. 

Krank durch Bossing (Bild: pixabay)

Was können Betroffene tun?

Wenn Sie das Gefühl haben, durch Ihren Vorgesetzten gemoppt zu werden, dann beginnen Sie damit, ein "Bossing-Tagebuch" zu schreiben.

Dokumentieren Sie darin alle Situationen und/oder Gespräche, die Ihnen dieses Gefühl vermitteln. Das hilft Ihnen erst einmal dabei, sich selber einen Überblick zu verschaffen, vor allem ist es aber auch später nützlich, wenn Sie in die Beweispflicht kommen sollten.    

Schreiben Sie ruhig auch die Emotionen und Gedanken dazu, die dabei entstanden sind (gegebenenfalls auf einem Extrablatt). Auch das kann später von Nutzen sein. Wenn nämlich Sätze fallen wie: "Das war doch halb so schlimm", ist es für Sie selbst hilfreich, wenn Sie sich die dabei entstandenen Gefühle noch mal ins Gedächtnis rufen können.

Fragen Sie vertraute Arbeitskollegen nach deren Eindruck. Sollten Ihre Kollegen derselben Ansicht sein, fragen Sie sie, ob Sie sich darauf berufen dürfen.

Geben Sie aber auf keinen Fall einen Mitarbeiter ohne seine Zustimmung als Zeugen an. Sollte dieser Kollege nämlich bei einer Konfrontation nicht mehr dahinterstehen, stehen Sie vor weiteren Problemen.

Ganz wichtig ist, dass Sie nicht anfangen, die Schuld ausschließlich bei sich selber zu suchen.

Natürlich können Sie, bzw. sollten Sie sogar überlegen, ob Sie vielleicht eine Mitschuld trifft.

Das hört sich im Moment zwar hart an, aber trotzdem sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie vielleicht etwas gesagt haben oder ein Verhalten an den Tag gelegt haben, das der Chef in den falschen Hals bekommen haben könnte.

Wenn Sie sich aber keiner Schuld bewusst sind, dann suchen Sie auch (bei sich) nicht weiter danach. Damit bringen Sie sich selbst erst recht in die Opferrolle.

An wen kann man sich wenden?

Natürlich sollte der erste Weg ein direktes Gespräch mit dem Vorgesetzten sein. Das ist zwar nicht unbedingt ganz einfach, aber vielleicht ist dem Chef sein Verhalten wirklich nicht bewusst. 

Wenn dieses Gespräch nichts bringt und sich die Situation nicht ändert, oder sich möglicherweise sogar verschlimmert, ist der nächste Schritt der Gang zum Betriebsrat, falls einer vorhanden ist.

Hilfe von außen

Sie brauchen auf jeden Fall jemand Außenstehenden, mit dem Sie reden können. 

Da es, wie bereits erwähnt, schwer sein wird, einen geeigneten Gesprächspartner unter den Kollegen zu finden, schauen Sie sich in der Familie oder im Freundes- oder Bekanntenkreis nach jemandem um, dem Sie Ihr Herz ausschütten können.

Scheuen Sie sich nicht davor, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn sich gesundheitliche Probleme einstellen. 

Ansonsten gibt es Beratungsstellen für Mobbing- bzw. Bossingopfer. Hier erfahren Sie auch, wie Sie am besten verfahren, wenn rechtliche Schritte unumgänglich sind.

Hilfreiche Seiten - hier finden Sie Informationen und Ansprechpartner bei Mobbing und Bossing am Arbeitsplatz

Mobbing-Zentrale
Die Mobbing-Zentrale bietet umfangreiche Informationen zum Thema Mobbing/Bossing. Außerdem findet man auf der Seite eine Telefonnummer zur ersten Kontaktaufnahme.

Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen
Hier finden Sie Adressen und Telefonnummern von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Mobbingopfer. Sortiert nach Bundesländern

monros, am 07.12.2012
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