In Deutschland leben mehr als 13,6 Mio. Kinder weit unter der Armutsgrenze. Armutsgefährdet sind zusätzlich noch mal ca 2,4 Mio. Kinder in der Bundesrepublik Deutschland. Politiker nutzen dieses brisante Thema gerne für den Wahlkampf und verabschieden teilweise absurde Pakte, oder bringen Argumente, bei denen sich den betroffenen Kindern und deren Eltern die Nackenhaare sträuben. Die Medien tun ihr Übriges dazu, Kinderarmut und soziales Abseits noch zu dramatisieren und Betroffene noch mehr in die soziale Isolation zu drängen.

Kinderarmut bedeutet Isolation (Bild: Pixabay)

Kinderarmut gab es schon in der Vergangenheit - Erinnerungen an die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts

Das Thema an sich ist so alt wie die Menschheit. Schon immer gab es arme Kinder und reiche Kinder. Früher wurde das in den Medien nur nicht so publik gemacht. Da sah das Leid dieser Kinder in Armut aber nicht viel anders aus.

Ich kann mich an Zeiten auf dem Schulhof erinnern, in denen Kinder, deren Eltern nicht so gut betucht waren, gehänselt und auch verprügelt wurden, weil sie keine Turnschuhe mit drei Streifen oder einer Wildkatze trugen.

Gleicher Ort, anderes Beispiel: Es gab endlich mal neue Schuhe und stolz trug man diese auch (man hatte ja keine anderen). Kaum erkannten die anderen Kinder, dass es neue Schuhe gab, wurden solche Kinder von einer großen Meute festgehalten und die neuen Schuhe wurden zerkratzt. Gleiches Beispiel mit anderen Klamotten. Wie oft gingen Kinder mit neuen Hosen in die Schule und kamen mit Löchern an den Knien zurück? Nur weil es keine Markenhose war? Bei Ausflügen gab es nur minimales, bis kein Taschengeld und der Rucksack wurde mit Leckereien von Aldi gefüllt.

Welch ein Graus und Grund genug für andere diese Kinder zu hänseln. Diese Kinderarmut hatte oft weitreichende Folgen von "Keine Lust zur Schule" über "habe Bauchweh" oder Schulsachen vergessen, damit man in der Pause nach Hause durfte, um diese zu holen. Kurz gesagt, schon damals trieb Kinderarmut die Kinder in die soziale Isolation.

Man kann den Kindern keine Vorwürfe machen. Sie kannten es nicht besser. Leider vergaßen die Kinder, dass deren Eltern schon damals beide arbeiten gehen mussten, um überhaupt für solchen Luxus, wie Dreistreifenturnschuhe, aufkommen zu können. Damals in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es aber auch noch genug Arbeit für alle. Es war damals auch keinesfalls selbstverständlich, oder nötig, dass beide Elternteile arbeiten gehen mussten.

Die soziale Abtreibung der Kinder in die Armut

Was damals als lächerliche Kinderstreiche angesehen wurde, hat heute eine viel größere Bedeutung. Soziale Isolation ist psychisch wie physisch schädlich für die Entwicklung der Kinder. Die Teilnahme an Veranstaltungen, Vereinsleben und anderen sozialen Einrichtungen ist wertvoller denn je. Auch die Kleidung und Ausstattung für Schule und Kindergarten wird noch immer unterschätzt. Dabei sind Kinder, die in Armut leben, genauso wertvoll wie die Kinder, deren Eltern einen gehobeneren Lebensstandard leben dürfen.

Mit dem Bildungspaket wurden bereits erste Schritte unternommen, um Kindern in Armut einen Weg in die Gesellschaft zu ermöglichen. Das darf aber keinesfalls das Ende der Fahnenstange sein, denn es ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Vergleichbar mit einem feinen Sprühregen mit dem man versucht einen Vulkan zum Erlöschen zu bringen.

Bildung hört nicht mit Wissen auf, sondern fängt damit gerade erst an. Neben den normalen Bildungsfächern ist auch soziale Bildung ein unterschätztes Gebiet. Kinder müssen soziale Kontakte haben, um sich ihren Platz im Leben zu sichern. Aber damit die Kinderarmut in Deutschland wirklich wirksam bekämpft werden kann, sind weitaus mehr Vorkehrungen nötig, als das Bildungspaket. Hiermit werden nur die Symptome bekämpft. Die Ursachen jedoch bleiben davon unberührt.

VdKTV: Kinderarmut - Ein Bericht über den Besuch bei einer normalen Durchschnittsfamilie

Kinder in Armut werden von den Medien weiter in die soziale Isolation getrieben!

Leider werden diese immer noch zu wenig in den Medien gezeigt. Und wenn doch, dann verschämt auf einem Sendeplatz weit hinten, am Besten in der Nacht, wo eh keiner hinschaut.

Schlagzeilen wie "Hartz IV Eltern kümmern sich nicht um Ihre Kinder, sondern versaufen und verzocken das Kindergeld lieber" sind nicht selten in den Medien zu lesen und zu sehen. Fernsehsender bringen Dokumentationssendungen (ich sträube mich eigentlich dieses Wort dafür zu benutzen) mit reißerischem Inhalt, wie es in solchen Haushalten aussieht und vor allem wie es da zugeht. Für ein paar Euros bescheren diese Familien den Gaffern der Nation einen für mich sinnbefreiten Unterhaltungswert. Alles was das Publikum möchte, ist Unterhaltung. Ich nenn es Voyeurismus in anderen Wohnzimmern, denn wirkliches Interesse an den Schicksalen hat keiner.

Das Ergötzen am Leid anderer ist anscheinend die Lieblingsbeschäftigung der Deutschen, unter dem Deckmantel damit etwas Gutes zu tun, oder sich zu informieren. Die druckenden und sendenden Medien verdienen sich damit eine goldene Nase, durch Werbeeinblendungen. Was haben aber die wirklich Betroffenen davon? Nichts als noch mehr Ärger!

Was haben Kinder in Armut mit Talkshows und Quoten bringenden Sendungen zu tun?

Was hier oft vergessen wird, sind die Kinder, die unter solchen Sendungen und Zeitungsberichten leiden müssen. Wird denn nicht gerade durch diese unseriösen Unterhaltungsprogramme das Bild des arbeitsscheuen, zockenden und alkoholisierten Hartz IV Empfängers stigmatisiert?  Talkshows am Mittag, wo Verhältnisse mit dem …. aufgedeckt, Vaterschaftsuntersuchungen veröffentlicht werden und finanzielle "Unebenheiten" in der Familie dem breiten Publikum mitgeteilt werden, sind wenig förderlich um denjenigen zu helfen die es wirklich betrifft. Wen interessiert es wirklich, dass Frau M. nicht weiß wer von 20 infrage kommenden Männern der Vater von Kind Nummer 5 ist?

Die Frau ist gezeichnet fürs Leben und deren Kinder gleich mit. Doch nicht nur das, diese Frau symbolisiert für alle normalen Menschen den wahren Hartzler. Kürzlich las ich auf Twitter folgenden Spruch: "Die einen nennen so was Schlampe. Ich sag dazu öffentliches Verkehrsmittel". Das erklärt doch alles, oder? Wundert sich da noch jemand, wo Kinder ihre Grausamkeit herhaben?

Welche Folgen haben Sendungen und Zeitungsberichte auf das Leben der betroffenen Kinder?

Vor einigen Tagen konnte ich auf dem Spielplatz folgende Szene beobachten:

Zwei Kinder im Alter von ca.8 Jahren spielten friedlich miteinander, bis plötzlich ein Streit ausbrach. Die Mütter der beiden Kinder saßen in kurzer Entfernung zusammen auf der Bank und unterhielten sich. Aufgeschreckt durch das Geschrei der Beiden, hörten Sie erst fassungslos, dann peinlich berührt, dem Dialog der beiden zu.

Kind 1: Du darfst nicht mehr mit meinem Eimer spielen. Du bist asozial!

Kind 2: Was ist asozial?

Kind 1: Asozial ist, wenn Dein Papa keine Arbeit hat und Du Dir nicht so tolle Sachen kaufen kannst, weil Deine Eltern alles versaufen und in Drogen stecken! Das hat meine Mama gesagt und die hat es im Fernsehen gesehen!

Bums das hat gesessen!

Aber auf allen Seiten. Die Mütter wurden beide knallrot, entschuldigten sich und gingen mit Ihren Kindern vom Spielplatz weg. Die Frage ist hier für wen war es peinlicher? Für die Frau die diese Behauptung aus dem Fernsehen, ohne weiter nachzudenken, in die Welt geplappert hat? Oder für die Frau, deren Mann kürzlich seine gut bezahlte Arbeit verloren hat, weil der Betrieb nach 30 Jahren Insolvenz anmelden musste?

Kinder können so grausam sein! Oder sind es doch eher die Erwachsenen?

Autor seit 5 Jahren
19 Seiten
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