Die Handlung, "Der Geizige" von Moliere

Die Hauptperson des Stücks ist Harpagon, ein reicher, misstrauischer Geizkragen der sein ganzes Geld in einer Kassette im Garten vergraben aufbewahrt. Er ist förmlich davon besessen. Damit ihm auch seine beiden Kinder keine Kosten mehr verursachen plant er sie möglichst reich zu verheiraten. Seine Tochter Élise ist verliebt in den jungen Valére, soll aber den alten und wohlhabenden Witwer Anselme ehelichen. In Harpagons Augen die perfekte Partie da dieser auf eine Mitgift verzichtet. Für seinen Sohn Cleanthe ist eine reiche Witwe vorgesehen. Cleanthes Begeisterung hält sich allerdings sehr in Grenzen, schließlich liebt er die hübsche, mittellose Marianne. Sein Vater jedoch möchte sich selbst mit Marianne vermählen - das Glück seiner Kinder ist ihm gleichgültig.

Täuschungen und Verwirrungen

Valére hat eine Stelle bei Harpagon angenommen um sich sein Vertrauen zu erringen und um in der Nähe von Élise zu sein – und tatsächlich: es klappt! Valére schmeichelt sich derart bei Harpagon ein so dass er ab sofort auf Élise aufpassen darf. Cleanthe, der unter dem Geiz seines Vaters leidet, will sich durch einen Vermittler Geld ausleihen und gerät dabei an einen Wucherer – seinen eigenen Vater! Es kommt zu einem heftigen Streit zwischen den beiden.

 

Inzwischen hat Mariannes Mutter auf anraten der Kupplerin Frosine einer Heirat Ihrer Tochter mit Harpagon zugestimmt. Doch anstatt Frosine für Ihre Bemühungen angemessen zu entlohnen lädt er sie und Marianne lediglich zu einem kargen Verlobungsessen ein.

 

Der Sohn erpresst seinen Vater

Harpagons Ärger über seinen Sohn ist wie weggeblasen als plötzlich seine Geldkassette verschwindet. Er ist außer sich: "Man hat mir die Kehle durchgeschnitten" jammert er hysterisch. Sofort verständigt er die Polizei und beschuldigt jeden im Haus des Diebstahls.

 

Mein Geld, mein "Schatz"

Nicht zu Unrecht. Es war LaFlèche, Cleanthes Diener, der heimlich die Schatulle ausgrub. Aber nicht um sich zu bereichern, er bemerkte Cleanthes Verzweiflung und verschaffte ihm somit ein wirkungsvolles "Druckmittel" gegen seinen Vater. Sofort willigt Harpagon ein, zugunsten seines Sohnes auf Marianne zu verzichten wenn er ihm seine Geldkassette – sein "Leben" - wieder beschafft. Ähnlichkeiten zwischen Harpagons krankhafter Liebe zum Geld und erinnert ein wenig an den "Gollum" und seiner Bessensheit von seinem "Schatz". (Ob sich der Regiesseur der Herr-der-Ringe-Trilogie von Moliere inspirieren ließ, ist nicht bekannt.)

Auszüge aus dem Geizigen

Jacques (der Hausangestellte): Wollt Ihr mit Eurem Kutscher sprechen, gnädiger [41] Herr, oder mit Eurem Koch? – Denn ich bin eins wie das andre.

Harpagon: Mit beiden.

Jacques: Aber mit welchem zuerst?

Harpagon: Mit dem Koch.

...

Jacques: Ihr seid die Fabel und der Kinderspott der ganzen Stadt und heißt bei den Leuten nicht anders als der Geizteufel, der Knicker, der Filz und der Pfandwucherer.

Harpagon: schlägt ihn. Und du bist ein Esel, ein Schurke und ein unverschämter Schlingel!

Jacques:  Da haben wir's! Hatte ich nun nicht ganz recht? Ihr habt mir nicht glauben wollen. Ich wußte wohl, Ihr würdet zornig werden, wenn ich die Wahrheit sagte.

Harpagon: Ich will dich reden lehren!

Das überraschende Ende der Tragikomödie von Moliere

In all der Aufregung trifft Anselme ein. Als er seine Heiratspläne mit seinem zukünftigen Schwiegervater besprechen möchte erlebt er eine Überraschung: Er erkennt in Valere und Marianne seine verschollenen Kinder! Mariannes Mutter ist seine von ihm für tot gehaltene Ehefrau. Eine Heirat mit Élise kommt natürlich nicht mehr in Frage.

 

Harpagon – überglücklich als ihm Cleanthe seinen Besitz zurück gibt – stimmt einer Heirat von Élise mit Valére und Cleanthe mit Marianne zu. Allerdings verlangt er von Anselme für diese Hochzeiten aufzukommen, ihm selbst einen neuen Anzug zu kaufen und die Polizei für Ihre Arbeit zu bezahlen. Somit sind alle zufrieden: Anselme, der seine Familie wiedergefunden hat, Cleanthe, Élise, Valére und Marianne über ihr Liebesglück und Harpagon mit seinem Reichtum...

 

Erläuterungen zu "Der Geizige"

Obwohl Der Geizige eine herrliche Komödie ist, sind durchaus tragische Züge darin zu erkennen. Harpagon ist so besessen von seinem Geld und Geiz, dass er jeden Sinn für die Freuden des Lebens verloren hat. Er verhökert seine Kinder an den Meistbietenden und - um allem die Krone aufzusetzen - beabsichtigt er auch noch die Frau zu heiraten, die er seinem Sohn aufgrund des fehlenden Mitgift verwehrt. Seinen Kindern bleibt nichts anderes übrig als Ihren Vater zu hintergehen und sogar zu erpressen.

 

Moliere selbst ließ sich für sein Stück von dem römischen Dichter Plautus und seinem "Aulularia" inspirieren.

Verfilmungen

Verfilmt wurde der Stoff als Parodie unter dem Titel "Louis der Geizkragen" mit Louis de Funés in der Rolle des Harpagon. Eine spritzige Komödie mit einem de Funés in Hochform!

Grace, am 08.03.2013
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Bildquelle:
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