Das Bedürfnis an Alternativlösungen, bei denen die Daten geschützt sind und keine privaten Informationen weiterverkauft werden scheint stetig zu wachsen. Allerdings sind die Alternativen den meisten nach wie vor unbekannt. Viele scheuen sich auch, sich auf die Idee der Peer-to-Peer-Projekte einzulassen, da sie einen "Verlust ihrer Freunde" befürchten.

Dieser Bericht soll zeigen, dass diese Besorgnis unbegründet ist und die dezentralen Netzwerke durchaus eine echte Alternative zu Facebook, Twitter und Google+ darstellen.

Was sind dezentrale Netzwerke?

"Dezentrales Netzwerk" ist ein aus der Informatik stammender Begriff. Es beschreibt die Verbindung vieler einzelner Computer, die mehrfach miteinander verknüpft sind. Somit entsteht eine komplexe Vernetzung, die auch dann stabil ist, wenn einer der Server ausfallen sollte.

Die einzelnen Server werden von den Nutzern selbst eingerichtet. Wer dies nicht möchte, kann sich auch bei einem der bestehenden Server anmelden. Dadurch behält jeder Nutzer die Kontrolle über seine persönlichen Daten.

Facebook und Co. hingegen sind zentrale, von Konzernen betriebene Netzwerke, bei denen die Daten alle auf einem großen Server gesammelt werden. Dieses Sammelsurium dient vorrangig dem Verdienst jener Unternehmen.

Die kommerzielle Verwendung der Nutzerdaten, wie auch der löchrige Datenschutz im Allgemeinen, haben zur Entstehung der Alternativen beigetragen.

Einer der größten Vorteile der dezentralen Netzwerke ist zugleich der größte Nachteil. Gemeint ist die Masse der Nutzer. Facebook, Goggle + und Twitter sind bekannt. Sie werden nicht nur von Privatpersonen genutzt, sondern auch (und das vermehrt) von Firmen und Institutionen. Ein Unternehmer, der möglichst viele potenzielle Kunden erreichen möchte, kommt an sozialen Netzwerken nicht mehr vorbei. Dennoch erfreuen sich die alternativen Netzwerke wachsender Beliebtheit. Ein weiterer Grund dafür dürften beispielsweise die Statusmeldungen sein, die dort nicht geschrieben werden. Wen interessiert es schon ernsthaft, wann ein anderer zur Toilette geht, oder seine Mittagspause beginnt, bzw. beendet?

Die Kommunikation zwischen den Usern der dezentralen Netzwerke hat mit belanglosem Einheitsbrei wenig zu tun.

Die dezentralen Netzwerke verkaufen keine Nutzerdaten an die Werbeindustrie. Zudem bleibt die Privatsphäre stets gewahrt, da einzig der Nutzer selbst entscheidet, wer welche Informationen einsehen darf.

Diaspora* - Von Beginn an als echte Facebook-Alternative gedacht.

Im April 2010 wurde das Projekt Diaspora* von vier Mathematikstudenten der Uni New York auf der Plattform Klickstarter bekannt gegeben. Bereits nach zwölf Tagen war das erste Spendenziel von 10.000 US-Dollar erreicht. Einige Wochen später hatte das Unterfangen über 200.000 US-Dollar von über 6000 Spendern erhalten. Einer der Spender soll Mark Zuckerberg gewesen sein.

Mit diesem Startkapital entwickelten die vier Studenten einen Prototyp, den sie im November 2010 als Alpha-Version veröffentlichten. Nur kurz bevor im November 2011 die öffentliche Beta-Phase starten sollte, verstarb einer der Diaspora-Mitgründer im Alter von 22 Jahren.

Die Idee von Diaspora (kurz D*) ist mit einem dezentralen System den gleichen Leistungsumfang zu bieten, den man von Facebook gewohnt ist. Die Nutzer können ihre Daten auf persönlichen Servern, sogenannten Pods, ablegen und somit die Kontrolle über ihre privaten Daten behalten. Wer keinen eigenen Pod anlegen möchte, kann sich alternativ auch bei einem der öffentlichen Server anmelden. Für die Registrierung kann ein Pseudonym verwendet werden.

Da Diaspora ein dezentrales Netzwerk ist, sind die Benutzer auch nicht unter einer einheitlichen URL erreichbar. Einzige Gemeinsamkeit ist derselbe Open-Source-Code, der von den Nutzern auf dem eigenen Server hochgeladen wird.

Die Benutzernamen sind wie E-Mail-Adressen angeordnet, bspw. nutzer@pod-name.de, während im Stream die gewählten Nutzernamen angezeigt werden. Über die Pod übergreifende Suchfunktion kann man andere User finden.

Wie bei Facebook und Google+ können die Nutzer auch bei Diaspora Nachrichten auf Pinnwände schreiben, Beiträge kommentieren, oder Bilder und Videos mit anderen austauschen. Manch einer wird optische Parallelen zwischen Diaspora und Google+ feststellen. Der Grund dafür ist einfach – der große Konzern hat bei der kleinen Alternative abgeschaut.

Wer kein G+Nutzer ist, kann sich zu Beginn von D* überfordert fühlen. Allerdings gibt es bei Diaspora Hilfeseiten, die einem Neuling den Einstieg erleichtern sollen. Zudem braucht sich niemand zu scheuen, die anderen User um Rat zu fragen, den bei D* trifft man auf eine hilfsbereite Community.

Wie funktioniert Diaspora?

Die einzelnen Server tauschen Informationen untereinander aus. Schreibt ein Nutzer auf einem Pod eine neue Mitteilung, oder stellt ein Bild in den Stream, können es all seine Kontakte sehen, auch wenn sie selbst auf einem anderen Pod angemeldet sind.

Dem Nutzer wird es mithilfe der Aspekte ermöglicht, seine Kontakte in unterschiedliche Bereiche zu gruppieren. Neben den bereits voreingestellten Aspekten, Familie und Arbeit, können weitere hinzugegeben, bearbeitet und gelöscht werden. Diese Aufteilung in Gruppen hilft dabei, Beiträge nur einem Teil der Kontakte zugänglich zu machen. Zudem kann der Nutzer seine Postings auch an bestimmte Interessengruppen richten. Dazu werden den Statusmeldungen sogenannte Hashtags hinzugefügt. Verfasst jetzt ein anderer Anwender einen Statement zum Thema Bundestagswahl und baut den entsprechenden Hashtag ein, wird der Beitrag jedem, der diesem #Tag (#bundestagwahl) folgt angezeigt.
Auf diese Weise erfährt man automatisch, wer die eigenen Interessen teilt und kann somit gezielt nach neuen, zu einem passenden Kontakten suchen.

Mittlerweile besteht auch die Möglichkeit, sein Diaspora-Profil mit seinen Accounts bei Facebook, Twitter und Tumblr zu verbinden. Auf diese Weise kann Diaspora dazu genutzt werden, seine Mitteilungen bei D* zu verfassen und gleichzeitig auf den verknüpften Netzwerken anzeigen zu lassen. Jedoch werden andersherum die Nachrichten aus diesen Diensten nicht bei Diaspora angezeigt.

Finanziert werden die einzelnen Pods durch freiwillige Zuwendungen der Nutzer. Jeder kann den aktuellen Kontostand einsehen, wie auch eine detaillierte Auflistung sämtlicher Einnahmen und Ausgaben.

Video: Wie Diaspora* funktioniert

Diaspora hat auch Kritiker

Inzwischen ist die Kritik an Diaspora immer lauter geworden. Hauptgrund dafür ist das nicht eingehaltene Versprechen, den Nutzern eine einfache Peer-to-Peer Anwendung zu ermöglichen. Um einen Diaspora-Server installieren zu können, wird ein Linux- oder Mac-OS-Server mit Ruby, RubyGems, Bundler, MySQL oder PostgreSQL, SQLite3, OpenSSL, libcurl, ImageMagick, Git und Redis benötigt. Eine leicht zu installierende Anwendung für den PC oder einen eigenen Server steht nicht bereit. Somit müssen viele zwangsläufig auf die öffentlichen Pods zurückgreifen und deren Betreibern vertrauen.

Seit dem 27. August 2012 werden die D*-Nutzer durch die Öffnung des Codes viel mehr in die Entwicklung mit einbezogen. Dadurch soll die Weiterentwicklung schneller vorangetrieben werden.

Friendica - Fast zeitgleich mit Diaspora* entstanden und dennoch viel weiter in der Entwicklung.



Wie Diaspora* ist Friendica Friendica Logoebenso ein dezentrales Open Source Netzwerk, auf dem die Nutzer ihre Server selber verwalten können und dürfen. Hier gibt es ebenfalls keinen kommerzorientierten Konzern im Hintergrund. Natürlich ist es auch bei Friendica erlaubt, sich bei einem öffentlichen Server anzumelden, wenn man keinen eigenen erstellen möchte.

Während viele bei Diaspora* den Eindruck haben, das Projekt würde auf der Stelle treten, hat sich Friendica verhältnismäßig rasant entwickelt. Es gibt einige Gemeinsamkeiten, wie beispielsweise die Transparenz, die eigene Entscheidung, welche Informationen man über sich Preis gibt. Die entsprechenden Einstellungsmöglichkeiten sind bei Friedica jedoch um einiges umfangreicher.

Welche Möglichkeiten bietet Friendica seinen Nutzern?

Allerdings hat Friendica noch einiges mehr zu bieten.

Es ist übersichtlicher, wenn auch für Facebook gewöhnte zunächst ungewohnt. Jedoch findet man sich rasch zurecht und auch hier gibt es viele hilfsbereite Nutzer. Das mag daran liegen, dass ein Großteil sowohl auf Diaspora* und auf Friendica angemeldet sind.

Da die Plattform mit dem "gelben F auf blauem Grund" eine ganze Reihe von Verknüpfungen mit anderen Netzwerken ermöglicht, melden sich etliche User in mehreren sozialen Netzwerken an, verfassen ihre Kommentare aber überwiegend nur in einem. Neben D* können auch Libertree, Facebook, Twitter, StatusNet, Tumblr, Posterous und weitere Dienste mit dem Friendica-Profil verbunden werden. Zudem lassen sich auch Blogs, beispielsweise WordPress integrieren und von Friendica aus pflegen.

Darüber hinaus bietet Friendica ÜbersichtFriendica eine Besonderheit die andere soziale Netzwerke, insbesondere Facbook, missen lassen. Der Nutzer kann selbst entscheiden, wie sein Profil aussehen soll. Dazu stehen unterschiedliche Layouts zur Verfügung.

Außerdem können weitere Benutzerkonten eingerichtet werden. Ist ein Nutzer beispielsweise Musiker und möchte sein privates Profil von seinem Musiker Account trennen, kann er dies bei Friendica problemlos tun. Über den Menüpunkt "Profile" gelangt der Nutzer rasch zur Übersicht all seiner Profile, die einzeln bearbeitet werden können.

Ein wenig aufwendiger ist die Bearbeitung der Kontakteliste. Jedenfalls, wenn man diese in unterschiedliche Bereiche gruppieren möchte. Diese Aufteilung kann individuell bspw. nach Interessen erfolgen. Um die passenden Kontakte den jeweiligen Gruppen hinzufügen zu können, nutzt man die Drag&Drop-Funktion. Die Facebook-Kontakte können bei der Verknüpfung direkt mit in das Friendica Profil übernommen werden.

Diese Gruppierungen sind durchaus sinnvoll. Bei jedem neuen Statement kann der Nutzer entscheiden, wer diesen lesen darf. Ein öffentlicher Kommentar ist somit für alle sichtbar. Wird etwas geschrieben, was beispielsweise nur für die Facebook-Freunde gedacht ist, lässt sich dies mit einem kleinen Haken einstellen. Dadurch wird anderen eine Beitragsflut, an der sie kein Interesse haben, erspart. Nebenbei schafft sich jeder Nutzer auf diese Weise die Übersichtlichkeit, mit der er selbst am ehesten zurechtkommt.

Wie man es von Facebook kennt, können die Beiträge auf Diaspora und Friendica auch kommentiert, weitergeleitet und eigene Postings im Nachhinein editiert werden. Ob ein Kommentar anderen Nutzern gefällt, oder nicht gefällt, können sie mithilfe der entsprechenden Buttons zum Ausdruck bringen.

Wer sich nicht sicher ist, ob Friendica das richtige dezentrale Netzwerk für einen ist, kann es zunächst einmal ausprobieren. Dazu muss man sich mit einer gültigen E-Mail-Adresse anmelden. Anschließend kann sieben Tage lang getestet werden. Danach wird der Account automatisch geschlossen und nach spätestens fünf Tagen gelöscht.

Eigener Server bei Friendica

Wer sich bei Friendica auf einem öffentlichen Server anmeldet, muss unter Umständen mit einigen verringerten Nutzungsmöglichkeiten rechnen, bspw. Eine eingeschränkte Upload Größe bei Bilder Alben, bei der Theme (Layout) Auswahl, oder ob ein Chat verfügbar ist. Um diesen Einschränkungen zu entgehen, kann man sich einen eigenen Server einrichten. Dazu gibt es eine ausführliche Anleitung, die den User schrittweise bei beim installieren und einstellen begleitet. Fleißige Friendica-Nutzer haben sich die Mühe gemacht, diesen Leitfaden wie auch viele andere Hilfe-Bereiche aus dem englischen ins deutsche zu übersetzen.

Somit fällt eine sprachliche Barriere weg, wodurch es letztendlich viel mehr Leuten ermöglicht wird, einen eigenen Server einzurichten. Zumal dies auch mit einem PC durchführbar ist, während bei Diaspora ein Linux- oder Mac-OS-Server benötigt wird.

Diaspora und Friendica sind nicht die einzigen dezentralen Netzwerke. In einem folgenden Bericht werde ich über weitere Möglichkeiten schreiben.

Donnaya, am 15.07.2013
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