Wer ist Peter Steiner, der zum "Cool Man" wurde?

Peter Steiner wurde am 22.Januar 1917 in Walenstadt, Kanton Sankt Gallen, geboren und war, vor seiner Karriere als Werbeschauspieler, Landwirt und Musiker. Er wohnte, zwischenzeitlich, in San Bernardino, und lebte im Alter, bis zu seinem Tod, wieder in Walenstadt. Im Alltag fiel er im Straßenbild, durch seine weltoffene freundliche Art und durch seinen mächtigen Bart auf. Besonders bei jungen Leuten beliebt, war der seit weit mehr als 55 Jahren mit seiner Frau und Managerin Katharina verheiratete Vater der zehn Kinder Mario, Bernadetta, Arno, Andrin, Urs, Rea, Rita, Irene, Silvio und Patrik, durch die Verkörperung des liebenswerten, urigen und eigenwilligen Bergmenschen, der er auch im tatsächlichen Leben war. Peter Steiner starb im Alter von 90 Jahren.

Wie kam der Bergmensch in die Werbung?

Zur Werbung sei er gekommen wie die Jungfrau zum Kind, sagte Steiner in einem Interview bei einem Bartwettbewerb in Sigmaringen, in dem er in der Jury saß. Seine Tochter Bernadette hatte ihm 1994 das Casting bei der Schokoladenfabrik Milka vermittelt. Die suchten für einen Werbespots einen Mann aus den Bergen mit Bart. Beim Casting war Steiner vor der Kamera spontan so gut drauf, dass er prompt engagiert wurde. Stolz erwähnt Steiner, dass nach der Ausstrahlung des Spots Wildfremde auf ihn zu kamen und "Cool Man" sagten. Somit war der Name der späteren Kultfigur geprägt.

Peter Steiner hatte eine besondere Vorliebe für romanische, französische und italienische Lieder. Diese schmetterte er, in voller Lautstärke, vor dem Einschlafen, denn nach seiner Aussage lagen immer sieben oder acht Liederbücher auf seinem Nachttisch, so laut, dass die Wände zitterten. Mit dieser Begeisterung für die Musik und seine Heimat steckte er viele Leute an, denn seine ersten beiden Singles "It's Cool Man" und Geierwally, die 1995 in der Schweiz und in Deutschland veröffentlicht wurden, verkauften sich über eine Million Mal. Das bedeutete, dass er für jede Single eine goldene Schallplatte erhielt.

Die Werbewirksamkeit des "Cool Man", auch als Musiker, war groß, obwohl er, während seiner "Live"-Auftritte, vielleicht wegen seiner stillen Übersetzungen in die Hochsprache, sich den Text nur schwer merken und dem Playback nur ungenügend folgen konnte. Dem meist jungen Techno-Publikum gefielen die Auftritte, wahrscheinlich aus genau diesem und dem unergründbaren Grund zur Spaßbereitschaft, der Opas und Enkel viel Freude bereitet und sie oft untrennbar zusammenschweißt.

Die Milka Schokolade mit der lila Kuh

Schon das Wort Schokolade kann eine erotische Verführung sein.Nach Aussagen der Schokoladenfirma verkörpern Kühe, die Welt der Alpen und die Alpenmilch; schlussendlich die Herkunft und Besonderheit von Milka. Im Jahr 1901 war die Verpackung der Milka Schokolade, lila. Außen zierte sie eine schwarz-weiße Kuh, die auf einer Weide in den Alpen stand. Auf die Frage, wie die Kuh denn lila wurde wird geantwortet, dass sich die damalige Werbeabteilung vom Motto: das Fremde vertraut zu machen und das Vertraute zu verfremden, inspirieren lassen. Dabei wurde kurzerhand nicht nur die Verpackung der Schokolade, um einen optimalen Werbeerfolg zu haben, lila eingefärbt, sondern auch die Kuh.

Peter Steiner auch privat ein "Cool Man"?

Wenn nicht irgendein Fototermin an-stand kümmerte sich der "Cool Man" hobbymäßig, um seine Kühe und Ziegen, und besuchte Viehausstellungen. Gerne sang er auch den Tieren etwas vor, denn, nach seiner Aussage, sind sie ein dankbares Publikum. Auf seine langjährige Ehe und deren Geheimnis angesprochen, erklärte der sympathische Mann, dass seine Frau und er das Eheversprechen, auch wenn sie einmal nicht miteinander zufrieden waren, sehr ernst genommen hätten. Sie hätten sich nie eingebildet, dass etwas Besseres nachkommen würde. Er betonte, dass sie es jetzt im Alter sogar noch schöner miteinander hätten, als in jüngeren Jahren. Darüber befragt, ob hinter dem "Cool Man" der echte Peter Steiner zu finden sei, erklärte dieser, dass er kein Schauspieler und darum alles echt sei.

Der Coolman privat, mit seiner Frau Katharina und einer Moderatorin
Der Coolman privat, mit seiner Frau ...

Der Coolman privat, mit seiner Frau Katharina und einer Moderatorin (Bild: Monika Hermeling)

Auftritte des "Cool Man", die zu Freundschaften führten

Nach Aussagen des "Cool Man" ist, seit der ersten Milka Werbung, am 11. April 1994, viel Wasser durch den Bodensee geflossen. Nach Sigmaringen und in die Jury zum Bartwettbewerb kam der "Cool Man" aus Freundschaft zu Willi Chevalier und der gemeinsamen Vorliebe, den Bärten. Im Interview in Sigmaringen betonte er, dass sein Bart ihm gut gefalle und Bärte in früherer Zeit ein Zeichen für Mannbarkeit waren. Er pries an, dass er früher, als er sich noch rasierte, immer früher aufstehen musste. Heute wasche er sich jeden Morgen den Bart mit Babyshampoo und sei dann für den Tag gerüstet. Mehr habe er auch nicht gemacht um an einer Bartmeisterschaft in Deutschland teil zu nehmen.Willi Chevalier

Foto: Willi Chevalier
Im Bodenseekreis erlebte der "Cool Man" seither, nach eigenen Angaben, viele schöne Sachen. Voller Stolz erwähnte er die Einweihung des Latschenbrunnens mit Skulpturen, bei dem ihn sein Sohn Patrick, mit seiner Frau Esther Seidel, begleitete. In Salem-Neufrach hatte es dem "Cool Man" die Besenwirtschaft von Sigi und Lisi angetan. Dort zog es ihn immer wieder mal hin.

Der Coolman und Willi Chevalier

Der Coolman und Willi Chevalier (Bild: Monika Hermeling)

Wie fanden der "Cool Man" und die Techno-Musik, zueinander?

Der "Cool Man" wurde auf die Produktion einer CD im Techno Stil angesprochen. Er bekannte, dass er auf das Ansinnen erst einmal negativ reagierte. "Mit diesem Krach kann i nichts machen", war seine spontane Aussage. Als er sich dann, bei einem Auftritt in Singen, spontan zu einem Mini Rap hinreißen ließ und er die begeisterte Reaktion seiner jungen Fans erlebte, war es für ihn ein klarer Fall. "Da muss was gemacht werden." Das war die Art, wie junge Leute heute ihre Gefühle zum Ausdruck bringen und da wollte er mitmachen.

Dieses erste Technovideo von Peter Steiner, ein Dance-Remix, wurde in einem Düsseldorfer Studio produziert. Die Story spielt in einem überdimensionalen grünen Kühlschrank. In dessen Eisfach geht eine megascharfe Technoparty ab. Zwischen Riesentomaten und XXL-Ketchupflaschen treten eingefrorene Technokids, ein Kinderchor, der dressierte Bulle Varus, Akkordeonspieler und ein Pizzaboden auf.

Anfang 1995 stieg seine erste Single It is "Cool Man" in Deutschland, Österreich und den ersten 10 der Charts auf. Die zweite Single, Geierwally, erschien am Ende des gleichen Jahres und wurde ebenfalls ein Hit. Steiner gab damals als besonders von jungen Leuten beliebte Kultfigur, Autogrammstunden. Die Schweizer Illustrierte und die Jugendzeitschrift Bravo, widmeten ihm Beiträge. Spätestens zu diesem Zeitpunkt schien es dem "Cool Man" angebracht, sich einen wunsch zu erfüllen und Augen und Ohren seiner Fans auf seine eigenen Werke zu lenken. Als letzte bekannte Platte erschien das Album Ah - ein Stadtmensch (2001), für die er von seiner Plattenfirma als "ältester Pop-Star der Welt" angepriesen wurde: "Das Meisterwerk von Peter Steiner ist ein buntes Album für Generationen. Angekündigt wurde es "als Album verschiedener Stile und Titel; unter anderem mit wahren Geschichten aus dem Leben von Peter Steiner. "Schweißtreibende Rhythmen und die fetzigen Beats, welche sofort in die Beine fahren werden die europäischen Dancefloors nur so zum brodeln bringen und "Cool Man" Peter Steiner zu einem unvergesslichen Abenteuer machen." Das "Hammeralbum" verkaufte sich schlecht und läutete, wie im Rückblick klar ersichtlich, das Ende der Karriere des "Cool Man", als Musiker, ein. Irgendwann veröffentlichte BMG Ariola noch eine Videokassette mit von ihm gesprochenen Dialektgeschichten und das Schweizer Fernsehen widmete ihm eine eigene Sendung in der Reihe DOK.

Wie starb der "Cool Man" und wo wurde er beerdigt?

Sein Sohn Arno war es, der die Aufgabe übernahm den 85jährigen rüstigen Rentner, mit dem in Sölden in der Bergluft ein Video gedreht werden sollte, davon zu überzeugen, dass er nun als Prominenter nicht mehr alleine fahren brauche. Bis dahin zeigte sich der "Cool Man" immer entrüstet, wenn er nicht alleine fahren sollte. Die Logik seiner Prominenz und deren Folgen, war ihm aber eingängig und so fuhr er ab da nur noch selten alleine Auto.

Wie Katharina dem "Cool Man" die Ischiasschmerzen weg bügelte

Nach eigenen Angaben lebte Peter Steiner gesund und war selten krank. Als Kind sammelte er, wie er oft erzählte, Kamille und Pfefferminze oder Tausendgüldenkraut. Er sah aber auch den Sinn der Schulmedizin ein. Er aß mäßig, trank nur wenig Alkohol, aß zum Frühstück gerne Maisriebel und seine Frau kochte nie mit tierischen Fetten. Wie er der Journalistin Monika Hermeling in Sigmaringen, bei einem Bartwettbewerb, anvertraute, litt er als junger Mann einmal unter starken Ischiasschmerzen, die ihm seine Frau, auf anraten eines Arztes, wegbügelte.

Wie das genau passierte erklärte er in einem anderen Interview so: "Der Arzt hat meiner Frau geraten, mich mit einem Bügeleisen zu behandeln. Ich lag auf einem Tisch, zugedeckt mit dicken, alten Leintüchern. Dann ist meine Frau 20 Minuten lang mit dem warmen Bügeleisen über meinen ganzen Körper gefahren. Anschließend hat sie mir Rücken und Beine mit Grappa eingerieben. Die Schmerzen sind seit dieser Zeit wie weggeblasen."

Da er bei seinen Auftritten für sein Alter ungewöhnlich gelenkig und agil war, wurde er oft darauf angesprochen, ob ihn denn sein Alter nicht zu schaffen mache. Er lachte dann meist nur verschmitzt und gab zu, dass er mehr vergesse als früher, aber schon noch klar denken könne. Dabei spielte er auf seine Auftritte an, bei denen er oft, beim Spaß an der Freude, den Text vergaß oder sein Gesang nicht mit dem Playback übereinstimmte.

Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Peter Steiner als Gast in einer Fernsehsendung bei dem die größten Schweizer Hits vorgestellt wurden. Das war am 4. November 2007. Etwa eine Woche darauf, am 12. November, starb der 90jährige in Walenstadt. Er hatte einen Schwächeanfall und stürzte unglücklich. Peter Steiner, der "Cool Man" wurde am 14. November in Walenstadt beigesetzt. Quelle: Interview Monika Hermeling, bei der Sigmaringer Wirtschaftswoche 1995, Juli 2003 Interview: Regula Schneider Artikel | Gesundheits-Tipp 7+8/2003 Die Fotos entstanden beim Bartwettbewerb der Schwäbischen Zeitung, Sigmaringen.

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