Warum nimmt diese zwischenmenschliche Kälte so überhand?

Wir leben zu schnell. Wir haben keine Zeit mehr, uns mit unserem Nächsten eingehender zu befassen, denn die Zeit drängt - ständig, rücksichtslos. Doch wer und was steuert diesen Umstand?

Eine Mitschuld trägt sicherlich die Tatsache, dass wir so sehr auf Konsum gepoolt sind. Wenn zur Bekanntgabe eines elektronischen Gegenstandes die Verkaufsportale geöffnet werden, stürmen die Massen, wie bei einer beginnenden Schlacht, die Verkaufstempel.

Interessant, denn es geht nur darum, irgend einen 'idiotischen' (man möge mir verzeihen) Gegenstand zu ergattern - er verspricht offenbar Seelenheil. Wenn also die Gesundung der Seele anscheinend mit Besitz (in welcher Form auch immer) zusammenhängt, dürfen wir uns nicht wundern, dass für unsere Nächsten (im Sinne der Empathie) nichts mehr übrig bleibt.

Warum "brauchen" wir soviel?

Wir müssen die Großkonzerne füttern - ihre Aktionäre, ihre Vorstände und ihre Kleinanleger. Die Werbeindustrie bombardiert uns ständig mit der Botschaft von der ach so schönen Welt des Konsums und signalisiert uns gleichzeitig, dass wir "ohne" nichts sind, nicht dazugehören. 

 Wir plündern deshalb unseren Geldbeutel, machen Schulden und zerstören unseren Lebensraum. Wir schaffen immense Müllhalden, haben Klamotten ohne Ende, das neueste elektronische Gerät und die Küche strotzt geradezu von elektrischen Helfern - ohne die wir angeblich nicht leben können. Wir bestehen nur noch aus haben wollen...

 Wo nur "haben wollen" ist, schwindet die Empathie -

denn sie hat keinen Platz, keinen Freiraum. Wenn der Einzelne nur was darstellt, weil das neueste Automodell (oder einen der unzähligen anderen Gegenstände, die wir unbedingt benötigen) vor der Tür steht, sind wir eine arme Gesellschaft.

Arm im Geist und arm in der Seele -

das ist die Quintessenz, die daraus folgt. Denn wo nichts ist, kann auch nichts mehr werden. Kein "mitfühlen" mehr mit dem, der zu dem allem nicht fähig ist. Er wird zur "persona non grata", zu etwas, das 'selber schuld' und unserer Sympathie nicht wert ist. Und hier liegt der geistige Trugschluss: die Armut betrifft immer nur den Geist und die Seele, sie hat mit dem Geldbeutel nichts zu tun.

Darum - umdenken, umkehren und der Empathie wieder Platz einräumen -

das wäre die Entscheidung der Stunde. Geben wir uns selbst eine Chance und lassen wir der Empathie wieder Spielraum: sie wirkt befreiend, schafft Seelenfrieden und hilft "die Gelassenheit der Seele" zu erleben. Sie gibt Kraft, schafft inneren Frieden und macht mehr Freude als jeder Habengegenstand. Damit verlängert sie das Leben, denn innerer Frieden wirkt auf den gesamten Körper.

Das wahren ein paar Worte zum Jahreswechsel - denn "alles Gute" zu wünschen ist aus meiner Sicht zu wenig -

und ich hoffe, ich habe Ihre Nerven nicht allzu sehr strapaziert...

Autor seit 3 Jahren
11 Seiten
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