Die älteste Geschichte der Welt – der Mythos von Gilgamesch

Das Gilgamesch Epos ist die älteste überlieferte Geschichte der Welt. Es handelt von einem König, der um 2750 v. Chr. die Geschicke der mesopotamischen Stadt Uruk lenkt. Man geht heute davon aus, dass bereits kurz nach dem Ableben einer historischen Gestalt erste Sagen aufkamen. Die ältesten Funde stammen aus der Zeit um 2100 v. Chr.: die in Sumerisch verfassten, voneinander unabhängigen Geschichten "Gilgamesch und Agga", "Gilgamesch und Huwawa", "Gilgamesch und der Himmelsstier" sowie "Der Tod von Gilgamesch". Die so genannte altbabylonische Version besteht aus elf Fragmenten aus der Zeit um 1700 v. Chr. und ähnelt bereits stark der bei Mossul gefundenen epischen Fassung. Um 1200 v. Chr. verfasste der Priester Sîn-leqi-unninni eine heute als Standardversion bezeichnete Überarbeitung, von der 73 Fragmente vorliegen und auf die moderne Übersetzungen zurückgreifen.

Die Entdeckung der Keilschriften bei Mossul und ihre Entzifferung

Der Engländer Austin Henry Layard begann 1844 in der Gegend der heutigen Stadt Mossul mit archäologischen Grabungen. Dabei stieß er auf die Paläste der assyrischen Stadt Ninive, in denen sich Tausende von Tontafeln befanden – Reste der großen Bibliothek des Königs Assurbanipal (668-627 v. Chr.). Diese wurden an das Britische Museum in London geschickt, 1853 unter anderem jene Tafeln mit Teilen des Gilgamesch. 1857 wurde die Keilschrift entziffert und als akkadisch identifiziert, aber erst 1872 stieß der Kurator George Smith auf ein Fragment mit der Sintflut-Erzählung. Vier Jahre später veröffentlichte er alle bis dato gefundenen und von ihm übersetzten Teile in einer Fachzeitschrift.

Inhalt des Gilgamesch Epos: Der König von Uruk und Enkidu

Zu Beginn ist Gilgamesch ein furchtbarer Tyrann – das Klagen seiner Untertanen dringt bis zu den Göttern, worauf die Muttergöttin Aruru den zu zwei Dritteln tierischen Enkidu als Gegenstück erschafft. Gilgamesch erfährt durch einen Fallensteller von dem unter Tieren lebenden friedlichen Hünen. Er schickt Schamchat, eine Dienerin der Liebesgöttin Ischtar, mit dem Auftrag ihn zu verführen. Enkidu erliegt deren Reizen. Danach fliehen die Tiere ihn, er beginnt die menschliche Sprache zu verstehen und begleitet Schamchat in die Stadt. Dort kommt es zum Kampf zwischen den Helden. Enkidu unterliegt und erkennt die Einzigartigkeit von Gilgamesch an. Die beiden werden Freunde – und Frieden kehrt in Uruk ein.

Gilgamesch und Enkidu töten Huwawa

Eines Tages jedoch will Gilgamesch in den Zedernwald ziehen und dessen monströsen Hüter Huwawa (auch Humbaba oder Humwawa) töten. Enkidu erinnert ihn daran, dass der Gott Enlil selbst Huwawa zum Schutz des Waldes geschickt hat. Er beschwört die Gefahren der Reise und die Stärke des Unholds, doch weder er noch die Weisen der Stadt können den König zurückhalten – diesen lockt der unsterbliche Ruhm. Gilgamesch lässt für sich und Enkidu mächtige Waffen fertigen, dann brechen sie auf.

Die Reise dauert viele Tage und Gilgamesch wird nachts von unheilvollen Träumen heimgesucht. Bei der Höhle Huwawas angelangt droht der sie zu bezwingen, nur mithilfe des Sonnengottes Schamasch überwältigen sie ihn. Das Ungeheuer bittet um Gnade: Gilgamesch zögert, doch Enkidu überredet ihn, Huwawa zu töten.

Die Liebesgöttin Ischtar und der Tod des Enkidu

Heimgekehrt will die Liebes- und Kriegsgöttin Ischtar Gilgamesch zu ihrem Geliebten machen. Der weist sie zurück: die Göttin schadete bisher im Nachhinein all ihren Liebhabern. Wutentbrannt eilt Ischtar zu Göttervater Anu, der ihr den Himmelsstier leiht. Doch die beiden Helden erlegen diesen und beleidigen die Göttin obendrein. Wie schon bei Huwawa zeigt Enkidu einen verhängnisvollen Hang zum Übermut, der nicht ungestraft bleiben soll – nach zwei Sterbeträumen erkrankt er schwer und stirbt. Gilgamesch reagiert erst ungläubig, dann mit tiefem Schmerz und Verzweiflung. Im Innersten erschüttert lässt er die Stadt hinter sich und geht in die Wildnis. Der Tod des geliebten Enkidu hat den Krieger auf eine neue Weise mit dem Sterben konfrontiert – Todesfurcht quält ihn fortan.

Die Suche nach Utnapischtim und der Unsterblichkeit

Er macht sich auf die Suche nach dem unsterblichen Utnapischtim und gelangt zu zwei Bergen, von denen ein Tunnel fortführt, den die Sonne bei ihrem Untergang beschreitet. Zwei bewachende Skorpionmenschen warnen den Suchenden: Er muss das andere Ende vor Sonnenuntergang erreichen, sonst wird ihn die Kraft der Sonne verbrennen. Es gelingt ihm und er trifft auf die Tavernenwirtin Siduri, der er sein Leid klagt. Sie schickt ihn zu Utnapischtims Fährmann Urschanabi. Gilgamesch zerstört sinnlos die aus steinernen Männern bestehende Besatzung des Bootes, doch Urschanabi verzeiht ihm und sie überqueren mithilfe von 300 Stangen die Wasser des Todes.

Die Sintflut im Gilgamesch Epos – interessante Parallele zur Bibel

Utnapischtim erzählt Gilgamesch auf die Frage nach seiner Unsterblichkeit von der großen Flut. Utnapischtim belauschte damals den von fünf Göttern gefassten Plan die Erde zu überfluten und ließ ein Schiff bauen. Nach der Flut erhoben die Götter ihn und seine Frau zu ihresgleichen.
Diese Geschichte erinnert stark an die biblische Passage von Noah und der Sintflut im 1. Buch Mose. Es ist davon auszugehen, dass der Text in abgeänderter Form in die jüngere Bibel übernommen wurde.

Das Ende des Mythos: Die Wurzel der Jugend und Heimkehr nach Uruk

Spöttisch stellt er Gilgamesch eine Prüfung: Er soll sieben Tage den Schlaf bezwingen, dann könne er vielleicht auch den Tod bezwingen. Gilgamesch scheitert kläglich. Utnapischtim will ihn fortschicken, doch hat seine Frau Mitleid mit dem Weitgereisten. Und so teilt der Alte ihm ein Mysterium der Götter mit: In den Wassern der großen Tiefe wüchse ein dorniger Busch, der Jugend verleihe. Gilgamesch gräbt die Wurzel aus und will sie nach Uruk bringen, doch unterwegs macht sich eine Schlange mit ihr davon. Seine Reise endet dort, wo sie begann – er muss einsehen, dass er keine Unsterblichkeit erlangen kann, die Vergeblichkeit seines Unterfangens und seine Grenzen akzeptieren.

ThomasSedlmeyr, am 15.01.2015
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Bildquelle:
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Mag.a Bernadette Maria Kaufmann (Farbspiel Band 1: Weiß)

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