Im Jahr 1993 gab es außerhalb der Hochschulen - im Klartext: im Buchhandel - nur die Slackware Distribution, der verfügbar war. "Mal eben" eine Distribution aus dem Internet herunterladen, war schlicht unmöglich. "Internet" war damals nur in bestenfalls ISDN-Geschwindigkeit und nicht eben billig verfügbar. Eine CD herunter zu laden, hätte ewig gedauert und wäre auch nicht wirtschaftlich gewesen.

Diese zu installieren, war damals ein kleines Abenteuer. Man hatte eine schon beachtliche Auswahl an Komponenten und Programmen, die man installieren konnte. Allerdings war nicht jede Kombination von Erfolg gekrönt. So musste man unter Umständen Pakete auch wieder deinstallieren, um andere installieren zu können.

Mein damaliger PC war - entgegen dem Mainstream - noch ein 80368 mit 40 MHz Takt und 80387-Koprozessor, sagenhaften 8 Megabyte RAM und SCSI-Festplatte. Üblich waren schon i486-Prozessoren mit 33 MHz oder sogar 50 MHz sowie IDE-Festplatten. Durch das SCSI-System konnte der Rechner aber gut mit den neueren Systemen mithalten und hatte den Vorteil, mit Linux gut klarzukommen. Dies war damals nicht selbstverständlich.

Mit Linux beschäftigt habe ich mich vor allem, da ich mich bereits mit Email-Netzen, vor allem dem Fido-Net auseinander gesetzt hatte. Ausserdem war ich offen für ein Experiment und auf der Suche nach einer Alternative für meinen DOS-Server. Ein wenig später kam das WWW so langsam in die Gänge, der NCSA Mosaic wurde für das XWindow-System (Unix) vorgestellt - und lief auch auf Linux. So reiften die Pläne, auf dieser Basis ein Internet-Café zu eröffnen.

Bildquelle: Larry Ewing, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:NewTux.svg

Apropos Slackware ...

Wikipedia schreibt: Slackware ist die älteste aktive Linux-Distribution und die erste, die große weltweite Verbreitung fand. Wegen dieses frühen Erfolges und des konsequenten Verzichts auf unnötigen Ballast nach dem KISS-Prinzip bildete Slackware die...

Damaliger Wettbewerb zu Linux:

Damals gab es als alternative Betriebssysteme für den PC nur MS-DOS und Derivate sowie den DOS-Aufsatz Microsoft Windows 3.1 bzw. den DOS-Aufsatz Windows für Workgroups 3.1. Während MS-DOS noch auf 8 Bit lief und mit 640 kByte Speicher glücklich war, lief das Windows-System schon auf 16 Bit (später gab es schon mehr schlecht als recht funktionierende 32-Bit-Extensions) und konnte mit mehr Speicher umgehen. Eine Anbindung per Netzwerk war aber mit Windows 3.1 oder DOS nicht ohne Weiteres möglich. Hier benötigte man entweder einen Novell-Server mit DOS-Client, einen OS/2-Server oder Windows für Workgroups, welches dann ein Peer-to-Peer-Netzwerk bedienen konnte. Ganz so wie heute jede Windowsversion Freigaben nutzen und anbieten kann.

Linux dagegen war aus technischer Sicht eine Revolution. Ein echtes 32-Bit-Betriebssystem, dass neben Allerei hervorragenden Funktionen, Multitasking auch noch mit Hilfe von freier Server-Software wie Samba eben auch solche Freigaben zur Verfügung stellen konnte.

Apropos Samba...

Samba ist eine freie Software-Suite, die das Server-Message-Block-Protokoll für Unix-Systeme verfügbar macht. Dieses Netzwerkprotokoll wird manchmal auch als Common Internet File System, LAN-Manager- oder NetBIOS-Protokoll...

Weitere Entwicklung:

Mit den immer komfortabler werdenden Distributionen, z.B. von SuSE oder Red Hat, wurde Linux immer weiter bekannt. Immer wieder sollte es gerüchteweise den Desktop-Markt erobern und Microsoft Windows den Rang ablaufen. Dazu ist es bis heute nicht wirklich gekommen. Auch die Verfügbarkeit der OpenOffice-Suite, die Initiative von IBM und auch ambitionierte Projekte in Großstädten, Linux statt Windows am Arbeitsplatz in der Vefrwaltung zu nutzen, haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Man könnte meinen, Linux wäre nach wie vor das Nischensystem für Hacker, Programmierer und Technikverliebte.

Das trifft bei Weitem nicht zu.

Sind Sie schon einmal mit Linux in Berührung gekommen?

Linux heute:

Tatsächlich kommt heute wahrscheinlich fast jeder, der technische Geräte im Alltag nutzt, mit Linux in Berührung. Man sieht es vielleicht nicht sofort, aber Linux hat sich verschiedene Märkte erkämpft und für sich eingenommen.

Ein populäres Beispiel hier sind die aktuellen Android-Smartphones. Das Betriebssystem Android basiert ebenfalls auf dem Linux-Kernel. Überlegen Sie einmal, wie viele Smartphones mit Android im Umlauf sind. Linux ist quasi in aller Hände.

Auch andere technische Geräte, wie z.B. Digital-Receiver, Media-Boxen und ähnliches Home-Entertainment, aber natürlich auch die meisten ADSL- bzw. VDSL-Router nutzen Linux ebenso wie fast alle Netzwerkkameras. Selbst die Programmsteuerung von Waschmaschinen basieren oft auf einem echtzeitfähigen Linux.

Damit hat Linux auf jeden Fall Windows in der Verbreitung erheblich übertrumpft.

Auch in der Welt klassischer Computeranwendung, den Servern, hat Linux sein Potenzial klar ausgenutzt. In der heutigen Finanzwelt beispielsweise geht nichts mehr ohne Linux-Systeme. Hohe Zuverlässigkeit und gutes Verhalten in zeitkritischen Transaktionen sind klare Vorteile.

Auch die Filmindustrie setzt verstärkt auf Linux-Systeme. Mit diesen lassen sich preiswert Clustersysteme aufbauen, die dann Animationen verteilt berechnen. Dies ist erheblich schneller und preiswerter, als eine einzelne, hochoptimierte Grafik-Maschine zu beschaffen.

Linux ist überall!

Man kann ganz klar sagen, das freie Betriebssystem hat sich heute klar durchgesetzt und seinen Platz in der Welt erobert.

Ein Desktop-System für die breite Masse ist leider nicht daraus geworden. Dafür vieles andere. Gespannt sehe ich dem 30. Geburtstag entgegen. Vielleicht ist es dann ja soweit, dass Linux den Desktop im Griff hat, nicht nur die Waschmaschinen und Handys.

Über den Autor dieses Artikels: Peter Dreuw

profkm, am 28.08.2011
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