Wie ein Konzern die eigene Zukunft verbaut - Die Buchhalter haben gewonnen....

Die Meldung rauschte heute wie ein Tsunami durch das Internet: HP gibt WebOS auf! Als ich dies heute auf Golem.de las, reagierte ich entsetzt. Nur ein Jahr nach der Übernahme des Handyherstellers Palm hat der US-Konzern Hewlett-Packard (HP) das Ende des Betriebssystems WebOS angekündigt. Die Besitzer der Smartphones HP Veer, HP Pre 2 und des Tablets HP Touchpad dürfte diese Entscheidung wie ein Blitzschlag getroffen haben. Ich persönlich bin ziemlich entsetzt über diesen Schritt der offenbar kurzfristig denkenden Konzernmanager. Die intern gesetzten Ziele für die WebOS-Geräte seien nicht erreicht worden.

Das Tablet HP Touchpad und das Smartphone HP Veer sind erst seit wenigen Monaten auf dem Markt. Das HP Pre 3 soll erst gar nicht zum Verkauf angeboten werden. Die Firmenleitung überlegt WebOS zu verkaufen oder Lizenzen zu vergeben. Die Anwender zeigen sich überwiegend begeistert von der innovativen Benutzerführung des Betriebssystems. Im Gegensatz zu Google Android und Apple iOS können nämlich mehrere Apps gleichzeitig geöffnet sein.

Das Mulitasking beherrscht WebOS wie kein anderes Betriebssystem und ist vor allem für User interessant, die zum Beispiel während dem Schreiben einer Nachricht nebenbei Musik hören oder wissen möchten wie das Wetter wird. Wenn ein Anrufer klingelt, so wird der User dezent informiert und die aktuell laufende Anwendung nicht unterbrochen. Eine weitere erstklassige Innovation ist, dass mehrere Apps in Karten zusammengefasst werden können. Die Schließung einer App erfolgt indem diese einfach nach oben gewischt wird. Auf der virtuellen Tastatur kann angenehm getippt werden und der Mailclient wurde in drei Fenster aufgeteilt. Die drahtlose Datenübertragung mittels Berührung zwischen zwei WebOS-Geräten ist ebenfalls ein Meilenstein. Ein echt starkes Betriebssystem was HP bzw. Palm da entwickelt hat.

Das schnelle Ende von WebOS kommt sehr überraschend vor allem weil es bislang als der größte Konkurrent zu Apple iOS galt. Begründet wird die Entscheidung der HP-Manager mit den hohen Entwicklungskosten und weiteren Milliardenausgaben zur Etablierung der WebOS-Geräte. Es hätten zusätzliche Milliarden investiert werden müssen, damit das HP Touchpad und die Smartphones erfolgreich werden aber dieses Geld will der Computerhersteller nicht ausgeben.

Das Computergeschäft soll außerdem verkauft und die Konzentration verstärkt auf Software erfolgen. Da hat der Konzern mal ein wirklich innovatives Produkt und wieder einmal trifft die Vorstandsetage eine falsche Entscheidung. So besiegelt HP mehr oder weniger sein eigenes Ende. Bei Netbooks hat das Unternehmen den Markt ebenfalls falsch eingeschätzt und brachte für das leistungsstarke Netbook HP Mini 311 keinen Nachfolger heraus obwohl es sich sehr gut verkaufte.

Zu den Verkaufszahlen des HP Touchpad schweigt der Hersteller bislang aber die vor wenigen Tagen beschlossene Preissenkung von 100 Euro scheint zu bedeuten, dass sich das Tablet nicht so gut verkauft. Beim HP Veer wurde der Preis sogar fast halbiert und zwar auf 179 Euro. Wenn HP klug ist, dann sollte das Betriebssystem WebOS verkauft werden damit die Tablets und Smartphones doch noch eine Zukunft haben.

Die Entwickler wurden mit der Einstellung von WebOS negativ überrascht, denn vor ein paar Wochen noch hatte der Konzern die Wichtigkeit des Betriebssystems betont. Die Anzahl der WebOS-Apps ist derzeit sehr überschaubar aber deren Anzahl wäre mit der Zeit größer geworden, wenn HP richtig entschieden und die Entwickler früher ins Boot geholt hätte.

Nun hat ein gewisses Unternehmen aus Cupertino wieder freie Bahn. Leider. Es wäre zu schön gewesen denn WebOS hätte echt das Zeug gehabt Apple die Stirn zu bieten. Ich wollte mir eigentlich das HP Touchpad und das HP Pre 2 kaufen. Ich werde an der Entscheidung festhalten, da ich glaube dass das Betriebssystem WebOS doch noch eine Zukunft hat.

Update 22.08.2011
Das HP Touchpad, HP Veer und HP Pre 3 sind nun auch in Deutschland zu Schleuderpreisen erhältlich. Die Preise belaufen sich auf 99 Euro, 59 Euro und 79 Euro aber zum Großteil sind die innovativen WebOS-Geräte leider schon ausverkauft. Nach Berichten im Netz haben sich einige Großeinkäufer eingedeckt.

Zur Zeit wird das HP Touchpad bei Ebay für 200 bis 500 Euro angeboten und auf dem Kleinanzeigenmarkt des Onlineauktionshauses ebenfalls. Die Verkäufer haben das HP Touchpad überwiegend im Media-Markt erworben und verkaufen es nun meistbietend. Laut Hewlett-Packard (HP) soll heute oder morgen eine offizielle Pressemitteilung zu der rapiden Preissenkung veröffentlicht werden.

Der Marktanteil des Betriebssystems WebOS dürfte durch die erfreulich gestiegene Nachfrage auf 10 Prozent gestiegen sein. Es gibt bereits Berichte nach denen Android-Entwickler das Betriebssystem Google Android auf das Tablet portieren wollen. Ich konnte bisher leider weder ein HP Touchpad noch HP Pre 3 zu den Schnäppchenpreisen kaufen aber das Tablet und Smartphone werde ich aber auf jeden Fall erwerben.

Infoblogger, am 19.08.2011
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Bildquelle:
samscreatives (Mac Pro 3.1 zerlegen und reinigen)

Autor seit 5 Jahren
70 Seiten
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