Die Queen mit dem berühmten Kochtopf

Es heißt, der Kopfbedeckung sei – vor allem im Mittelalter – eine besondere und bedeutende gesellschaftliche Symbolik zugekommen. Diese Einschätzung indessen hat sich wohl in Dunstkreis der britischen Krone bis zum heutigen Tage erhalten. In Westminster, bei der "Hochzeit des Jahrzehnts", wurde es erneut bewiesen. Ein paar Beispiele nur: Die Queen, man ist es gewohnt, trug den von ihr bevorzugten rumgedrehten Kochtopf mit leicht nach unten gesenkter Krempe, was immer an heruntergezogene Mundwinkel erinnert. Obwohl sie ab und an lächelt. Die Brautmutter vor fünf Jahren, attraktiv – kein Wunder bei dieser Tochter -, hatte sich mit einem leicht schräg gestellten hellblauen Ufo geschmückt, auf dem in der Mitte oben ein zartes Gebilde steckte, das an ein zusammengeknülltes Tempotaschentuch erinnerte. Camilla trug eine Art leichten Autoreifen, der erstaunlicherweise das Gesicht freiließ – obwohl der stets lästernde Prinz Philip in der Nähe war. Die Herzogin von Kent, deren Hutmode berüchtigt ist, hatte sich mit einer Kopfbedeckung geschmückt, deren breite Krempe so weit heruntergezogen war, dass sie während der Trauungszeremonie wahrscheinlich nur ihre Fußspitzen inspizieren konnte. Ähnlich ausladend, wenn auch mit größerer Rundumsicht, hatte sich Victoria von Schweden verziert. Keck gab sich "Society-Girl" Tara Palmera Tonkinson: Ihre in die Stirn gezogene Kopfbedeckung ähnelte einem dieser Schiffchen, die Kinder aus Zeitungspapier basteln. Ihr Schiffchen war blau.

Die Fernsehschüssel als Kopfschmuck

Es war, so schwärmten die Fernsehreporter, vor fünf Jahren die Hochzeit des Jahrzehnts. Eigentlich eine Brüskierung all jener Tausender von Brautleuten, die an eben diesem Tag in aller Welt ebenfalls den Bund fürs Leben schlossen. Aber die hoheitliche Hochzeit in London hatte hutgemäß einen zusätzlichen Aspekt. Solche Events haben häufig Trendcharakter. Und so geschah es, dass hier, im Angesicht von Katy und William, nicht wenige der geladenen Damen – sie stammten allerdings vorzugsweise aus bürgerlichem Umfeld -, Neues wagten. Und so darf gefolgert werden, dass ab sofort der Damenhut in Form einer über der Stirn senkrecht gestellten Fernsehschüssel in Mode kommen wird. Eine Schüssel, ein Schild, das keinen Gegenwind verträgt. Zumeist in Schwarz, in Hellgrau, in Hellblau gehalten und ohne die Aufschrift "Sat 1". Und da dahinter der Kopf frei blieb, wurde er zumeist mit einem zarten Gebilde aus lichten Schleifchen geschmückt, auch aus kleinen Blumensträußchen, Ranunkeln ähnlich, die der Hagelschlag getroffen hat. Den Gipfel aber bildete ein Hut in der Form einer Artischocke. Allerdings nicht grün, sondern schwarzblau.

Der Untergang des Hutes in Deutschland

In einer Untersuchung, die vor Jahren in der Fernsehsendung "Planet Wissen" veröffentlicht wurde, heißt es, in Deutschland habe der Untergang des Hutes als Teil der Bekleidung in den 1960er Jahren begonnen. "So, also keinen Hut zu tragen, ist also das Modernste", hatte zuvor schon der Komiker Karl Valentin in einer Szene im Hutladen gefragt – und sich daraufhin keinen gekauft. Das dürfte sich derzeit wieder ändern, besonders zu festlichen Anlässen. Kaum hatten sich nämlich Katy und William das Jawort gegeben, schossen im Internet die Anbieter "englischer Hutmode" wie die Pilze aus dem Boden. Man kann sie alle erstehen, die Hüte von Westminster Abbey: Ausgeliehen ab 25 bis 40 Euro, gekauft zu Preisen, zu denen kaum ein Kopf passt.

 

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