Bei Regen rennen um trocken zu bleiben oder lieber zügig gehen?

Wer zum Beispiel in seiner Mittagspause, bei Regenwetter, kurz zum Bäcker will, steht vor zwei Fragen:" Wie bleibe ich möglichst trocken?" und:"Wie komme ich schnell ins Trockene?"

Forscher, die das menschliche Verhalten in so einem Moment beobachteten, stellten fest, dass viele Menschen, ob mit oder ohne Regenschutz, möglichst schnell durch den Regen laufen. Wenn sie dann doch patschnass ans Ziel gelangten, stellen sich viele die Frage, ob das die richtige Entscheidung war.

Mit Regenschirm und mit „Köpfchen“ trocken bleiben

Wer in einer regenreichen Gegend wohnt kann schnell in die Situation kommen unverhofft einen Regenschutz zu benötigen. Eine Vorsorge für diesen Fall:

  • Immer Mobiltelefon, Geld und Rufnummer einer Taxizentrale dabei haben

Praktisch denkende und kreative Menschen haben es bei der Beantwortung der Frage was bei Regenwetter zu tun ist, relativ leicht. Sie ziehen bei schlechtem Wetter eine Regenjacke an, nutzen einen Regenschirm, falten sich einen Hut aus Zeitungspapier, stülpen sich eine Plastiktüte über den Kopf oder funktionieren eine Mülltüte als Regenponcho um. Andere sind nicht schüchtern, fragen Passanten höflich, ob jemand sie mit unter den Schirm mit nimmt, springen frohgemut von Unterstand zu Unterstand oder rennen, zielgerichtet, durch das Nass. Ein eher nicht ernst gemeinten Ratschlag ist, sich nackend auszuziehen und alle Sachen in einer Plastiktüte an einen trockenen Ort zu transportieren und sie dort wieder an zu ziehen.

Manchmal ist Regen auch schön

Sich dem Thema Schutz vor Regen wissenschaftlich nähern

Viele Menschen denken bei der Frage erst einmal an einen Scherz oder einen Kreativtest. Je intensiver sie sich mit dem Thema beschäftigen erfassen sie die Komplexität des Ganzen und bekommen einen Reiz, das Ergebnis zu erfahren.Erstaunt sind sie, das Physiker und Mathematiker die Frage erstaunlicherweise mit ja beantworten. Wie kommen sie zu diesem Ergebnis?

Wissenschaftler gelangen durch Studien und Forschungen zu ihren Erkenntnissen. Manchmal sind diese Feldforschungen langwierig oder gar gefährlich und einige Daten können nicht korrekt ermittelt werden. Um Aussagekräftige Fakten zu ermitteln, werden darum von Testlaboren, zum Beispiel des ADAC, gefährliche Situationen nachgestellt. Allessandro Angelis, vom Physikalischen Institut Udine machte eine Regenstudie im Labor. Als Ersatz für eine Testperson, diente ein rechteckiges Parallelepiped, das einer handelsüblichen Cornflakes-Schachtel ähnlich sieht. S. A. Stern experimentierte an der Universität in Texas mit einem quadratischen, ebenen Element. Diese Körper haben den Vorteil, dass sie immer wieder verwendbar sind und die Versuche beliebig oft wiederholt werden können.

Was beeinflusst das Endergebnis in Feldversuchen?

Physiker stellten zum Beispiel fest, dass eine Person die im Regen läuft, zuerst von den Tropfen nass wird die von vorne auf ihn treffen. Erst danach nässen ihn die von oben fallenden Tropfen. Wer daraus Schlüsse zur weiteren Forschung schließt, hat es versäumt, die unterschiedlichen Umweltbedingungen mit einzubeziehen. Zum Beispiel wenn der Regen nicht schnurgerade nach unten fällt, sondern vom Wind schräg gegen die Person gepeitscht wird.

Stern zeigt zum Beispiel in seiner Analyse, dass sich durch schnelles gehen, die Zahl der von oben treffenden Tropfen zwar verringert, der Regen von vorne aber stärker wird. Im Klartext bedeutet dass: Je schneller man bei Regen geht, desto weniger Tropfen treffen einen von oben, dafür trifft der Regen die Vorderseite verstärkt. Um dem Regen vorne eine möglichst geringe Fläche zu bieten, beugt man sich möglichst weit nach vorne. Unpraktisch aber wirkungsvoll wäre es, schnell seitwärts zu schreiten.

Der italienische Physiker Franco Bocci schreibt im Fachblatt "European Journal of Physics", das, wenn man den laufenden Menschen nicht, wie in den ersten Studien, als Quader oder Zylinder modelliere, diese Forschung komplizierter als gedacht sei. Wenn er zum Beispiel lange im Regen laufe, werde er, weil pro Sekunde immer die gleiche Menge Regen pro Flächeneinheit vom Himmel falle, schnell nass. Um möglichst trocken zu bleiben, müsse er schneller zu seinem Ziel laufen. In einem Interview mit SpiegelONLINE bekennt er, dass es keine allgemeingültige Lösung gibt, da die bisherigen Berechnungen nur für ein Quader und eine Fläche gemacht wurden. Überraschungen seien dann gewiss, wenn andere Formen herangezogen würden. Andrea Ehrmann von der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach, die das Problem ebenfalls untersucht hat, kam zu einem übereinstimmenden Ergebnis.

Wenn Regen zu Langeweile führt

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Ein Blick hinaus aus dem Labor in den Regen

Teste im Labor gehen von gleichmäßigen Bedingungen und von gleichmäßig großen Regentropfen, die von oben oder vorne kommen, aus. In der Wirklichkeit sind die Umweltbedingungen sehr unterschiedlich. Aus den Überlegungen heraus wurde die Größe der Regentropfen im Labor probeweise verändert. Das Ergebnis: Bei größeren Regentropfen treffen zwar weniger auf den Körper, diese verursachen aber mehr Nässe. Weitere Forschungen betrafen die Frage, wie sich die Bedingungen ändern, wenn Sturm von hinten oder der Seite kommt. In diesen Fällen muss der Schutzsuchende einen Ausgleich vornehmen, in dem er schneller rennt. Wenn ihm das gelingt, bleibt er, rechnerisch gesehen, vier Mal trockener. Bei all diesen Denkübungen wurde bisher der gesundheitliche Aspekt des Regenläufers nicht bedacht. Hat er das passende Schuhwerk an, um ungefährdet so schnell wie nötig laufen zu können? Kann er überhaupt schnell laufen? Für eher bedächtige Menschen stellen sich diese Fragen erst mal nicht. Er überlegt meist:Ist dieser Sprint unbedingt notwendig oder warte ich den Regenschauer lieber ab?

Regeln für den Alltag für das durch den Regen laufen

Junge mit RegenbekleidungWer möglichst trocken durch den Regen gelangen will:

  • Läuft so schnell es seine Gesundheit zu lässt
  • Er passt sich, wenn der Regen von hinten kommt, der Horizontaltgeschwindigkeit des Regens an. Das heißt er beschleunigt seinen Schritt
  • Kommt der Regen von vorne, wird der Schritt auch beschleunigt, zusätzlich die Angriffsfläche vorne, durch vorbeugen, verkleinert

Gibt es Regenschauer bei denen Menschen theoretisch trocken bleiben können?

Um wirklich trocken durch den Regen zu kommen, müssten ideale Wetterbedingungen herrschen. Das sind:

  • Der Regen wird vom Wind in die Horizontale gepeitscht
  • Er verläuft parallel zum Boden, in Schrittgeschwindigkeit

Nur unter diesen Bedingungen kann, rechnerisch gesehen, kein Regentropfen den Körper treffen und nass machen, denn von oben kommt kein Wasser  und der Passant schreitet so eben mäßig voran, dass ihn weder ein Tropfen  von vorne oder  von hinten erreicht. Fazit: Er kommt trocken durch den Regen.

Das Problem entsteht in diesem Fall genau dann, wenn der Regenwanderer an seinem Ziel angekommen ist. Er drosselt seine Geschwindigkeit oder bleibt gar stehen, um in den rettenden Unterstand zu gelangen und wird klatschnass.

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