Eine wahre Grand Dame der literarischen Welt - Michaela Karl porträtiert Miss Parker

Sie muss eine eigenartige Frau gewesen sein. Klein, zierlich, ausgestattet mit braunen Rehaugen und großen Hüten, war sie doch gefürchtet für ihren beißenden Spott und ihre oft vernichtenden Theater- und Literaturkritiken. Ihre Karriere begann sie als Texterin für Bildunterschriften bei der Vogue. Bereits hier nutzte sie den wenigen Platz, der ihr zur Verfügung stand, um sich über die New Yorker Damenwelt zu mokieren. Später schreibt sie dann für die Vanity Fair Theaterkritiken und Buchbesprechungen. Diese sind so herzlich ehrlich und impulsiv, dass sie bis heute nicht Ihresgleichen finden. Darin gibt sie zum Beispiel in einer Rezension zu, dass sie ein Buch einfach nicht habe weglegen können. Sie habe es genüsslich in die Ecke feuern müssen. Auch in ihren eigenen literarischen Texten sticht immer wieder dieser Spott hervor. So richtet sie sich zum Beispiel in ihrem bis heute berühmten Erzählband "New Yorker Geschichten" gegen die High Society ihrer geliebten Heimatstadt. Dabei ist sie selbst eine entscheidende Persönlichkeit auf diesem "Jahrmarkt der Eitelkeiten".

 

Ohne dafür zu zahlen, lebte sie lange im Hotel Algonquin, wo sie jeden Tag mit ihren Freunden des Round Table zusammen saß. Ausnahmslos alle dieser Freunde gehörten zum intellektuellen Milleu, waren berühmte Regisseure, Schauspieler oder eben, wie Dorothy, Literaten. Hier traf sie unter anderem auf Ernest Hemmingway und F. Scott Fitzgerald. Mit vielen dieser Freunde unternahm sie zahlreiche Wochenendausflüge innerhalb Amerikas oder längere Reisen nach Europa. Nahezu alle bekamen ihren Spott zu spüren. Das unverbesserliche Lästermäulchen "Dottie" hatte die Angewohnheit sich in ihrer öffentlichen Kolumne über Bekannte zu äußern oder diese zu Figuren in ihren Geschichten umzuarbeiten. Niemand war vor der doppelten Zunge der Frau sicher, die immer zu allen höflich und freundlich war und an der als erstes ihre sanfte Stimme auffiel.

Miss Parkers Unglück - Alkohol, Depression und Verfall

Doch die Quelle dieses Zwangs zur Satire scheint, nach Michaela Karls Biografie zu urteilen, ein tief verankerter Hang zum Unglück zu sein. Dorothy Parker verfällt schon als junge Frau dem Alkohol, wird zur hoffnungslosen Trinkerin. Ständig verliebt sie sich in die falschen Männer. Ihr erster Ehemann kommt schwer traumatisiert aus dem ersten Weltkrieg zurück. Er ist es der Dorothy zum Alkohol bringt, da auch er schwerer Alkoholiker ist. Der nächste Mann in den sie sich verliebt, schwängert sie und drängt sie dann zur Abtreibung. Immer wieder wechselt sie ihre Liebhaber, wird betrogen und betrügt selbst. Zwei Mal versucht Dorothy Parker sich das Leben zu nehmen. Erst relativ spät findet sie mit Alan Campbell einen Mann, der langfristig zu ihr steht. Sie teilen Leben, Arbeit und politisches Engagement. Doch auch Alan verliert sie an den Krieg. Tief überzeugt von der Notwendigkeit des Kampfes gegen den Faschismus, drängt sie ihn nach Europa zu gehen, wo er sich stark verändert und schließlich in eine andere Frau verliebt. Ohne einen Partner an ihrer Seite verfällt Miss Parker zunehmend und trinkt immer größere Mengen Alkohol. Immer mehr Freunde sieht sie sterben, weiß selbst bald kaum noch, wofür sie noch lebt. Alt und einsam verbringt sie ihren Lebensabend in einem Hotel, das eher einer Seniorenresidenz gleicht.

Eine sehr persönliche, vielschichtige Biografie

Michaela Karl gelingt ein ausgesprochen differenzierter Blick auf die Person und Schriftstellerin Dorothy Parker. Der Leser spürt deutlich ihre Sympathie und Achtung für die sensible Frau, die sie aber nicht daran hindert, alle Seiten dieser Persönlichkeit zu schildern. Sie verschließt die Augen weder vor Dorothy Parkers gesundheitlichen Problemen noch vor ihrer zweifelhaften sozialen Kompetenz. Sie zeigt viele Varianten dieser schillernden Ikone, ohne sich selbst dabei blenden zu lassen. Dabei trifft sie einen sehr mitreißenden Tonfall. Von der ersten bis zur letzten Seite macht es Spaß diese Biografie zu lesen und einen Blick durch die Schlüssellöcher großer New Yorker Zeitschriften, des Hotels Algonquin und natürlich von Miss Parkers jeweiligem Domizil zu werfen. Ebenso interessant ist es zu sehen, wie treffend Michaela Karl die Atmosphäre der Zeit einfängt. Gemeinsam mit "Dottie" beobachtet der Leser die Leichtigkeit der 20er Jahre und wie diese sich unter dem politischen Druck der 30er und 40er wandelnt Michaela Karl nimmt ihre Leser mit an die Orte, die Dorothy Parkers Leben prägten und transportiert deren Charme direkt aufs heimische Sofa. Wenn Sie also auch einmal ein Buch genussvoll in die Ecke werfen möchten, suchen Sie sich ein anderes!!!

Im eigenen Interesse: Allein oder gemeinsam mit einem trockenen Martini, macht sich dieser Titel ganz wunderbar unter jedem Weihnachtsbaum!

MHoeckendorff, am 02.11.2011
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Bildquelle:
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Autor seit 5 Jahren
7 Seiten
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