Sind Satiriker Straftäter?

Wer gesellschaftliche Missstände überspitzt darstellt, wer sie bewusst pointiert, um ihre Absurdität zu verdeutlichen, betreibt alles andere als eine Anstiftung zu Straftaten. Kreisler war ein Meister der Pointe, er verstand es genial, den täglichen Wahnsinn satirisch durch den Kakao zu ziehen. Wenn das Crowdfounding Projekt aus Hamburg jetzt seine Tagebücher veröffentlicht, ist das eine Hommage an den Künstler. Das muss erlaubt sein. Wer einer Satirezeitschrift Straftaten unterstellt, weil sie Hundehalter und ihre nicht immer feinen Verhaltensweisen satirisch kritisiert, muss sich fragen, ob er Hundehaltern einen Freibrief ausstellen möchte.

Denn Beleites nimmt nicht nur Kreisler auf die Schippe, der natürlich keine Hunde, sondern Tauben
vergiften wollte. Nein, er verweist feinsinnig auch auf ein bekanntes Hamburger Nachrichtenmagazin und dessen angeblich sensationelle Entdeckung des Tagebücher eines anderen Österreichers. Beste Satire also, die das kleine Magazin mit nur 1000 Exemplaren pro Auflage betreibt.

Die Hamburger Polizei schießt hier, um im Bilde zu bleiben, mit Kanonen auf Spatzen.

Es geht um mehr

Wehret den Anfängen, scheinen sich die Hamburger Ordnungshüter zu denken. Wenn diese Satirezeitschrift schon zum Vergiften harmloser Vierbeiner aufruft, was mag dann als nächstes kommen? Da setzen wir mal lieber gleich ein Stoppzeichen.

Staatsmacht versus Satire, kein Einzelfall, wie die Macher der Titanic und anderer satirischer Publikationen in der Vergangenheit schon erfahren mussten. Dabei erscheint im deutschen Blätterwald auf den Nachrichtenseiten jeden Tag Satire, in den Börsenberichten ebenso wie im Politikteil. Das Leben ist oft genug Realsatire.

Doch wehe, es überschreitet jemand eine imaginäre rote Linie. Dann kommen Justiz und Polizei gleich im Doppelpack.
Doch wer legt diese Linie eigentlich fest? Was darf Satire heute noch, ohne sich dem Verdacht der Strafbarkeit auszusetzen? Auch darum wird es in einer möglichen juristischen Auseinandersetzung um die fiktiven Kreisler- Tagebücher gehen.

Wulf Beleites bezeichnet die Ermittlungen als "massiven Angriff auf die Pressefreiheit". Eine gleichgeschaltete Presse hatte Deutschland immer wieder in seiner Geschichte, und es waren nicht die besten Zeiten für Deutschland, in denen die Pressefreiheit beschnitten wurde. Satire muss auch weiterhin erlaubt sein. Sie lockert die deutsche Presse nicht nur auf, sondern regt mehr zum Nachdenken an als viele Mainstream-Medien.
Das sollte auch die humorlose Hamburger Polizei verstehen.

 

Kreisler und seine Lieder

Kreisler war nicht nur Kabarettist, sondern auch Sänger, Chansonier und Dichter, der mit spitzer Zunge seine Umwelt verspottete und deshalb vor den Nazis emigrieren musste. "Nichtdeutsche Arien" ist nur eines seiner vielen Bonmots. Der Song, den Beleites als Aufhänger für seine Satire nahm, ist dieser hier. Dazu verlinke ich noch auf zwei weitere, hörenswerte Titel.

Viel Vergnügen!

 

Tauben vergiften

Schützen wir die Polizei

Der Furz

Fotos: pixabay.com

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