Jugoslawiens Autoindustrie: Eine Marke, viele Bezeichnungen

Der jugoslawische Staat verfügte lediglich über einen namhaften PKW-Produzenten, welcher zudem eine sehr überschaubare Produktpalette anbot. Dennoch hat sich daraus bis heute eine verwirrende Vielfalt an Typenbezeichnungen entwickelt. Möglich wurde dies, weil der Fahrzeugexport nicht auf den Ostblock beschränkt blieb und somit teilweise für das gleiche Produkt andere Modellnamen benötigt wurden.
Ein weiterer Grund für das scheinbare Durcheinander war die zweimalige Namensänderung der Automarke selbst, welche inzwischen wieder unter ihrer ursprüngliche Bezeichnung firmiert: Zastava.

Die wechselvolle Unternehmensgeschichte von Zastava
Ursprünglich betätigte sich die 1853 als Kanonenfabrik gegründete Firma Zastava in der Waffenherstellung, einem Marktsegment, in dem das Unternehmen auch heute noch aktiv ist. Der Name bedeutet übersetzt ungefähr so viel wie "Fahne" oder "Flagge". Den Einstieg in die Fahrzeugfertigung wagte Zastava gegen Ende der 1950er Jahre. Zunächst wurden ausschließlich Lizenzmodelle gebaut. Wie in anderen sozialistische Staaten auch, fiel die Wahl dabei auf den italienische Fiat-Konzern. Erst 1981 stellte Zastava mit dem Yugo einen selbst konstruierten Wagen vor. In den 90er Jahren zerfiel das erst seit 1918 bestehende Jugoslawien durch mehrere Bürgerkriege in mehrere autonome Staatsgebiete. Dennoch fabrizierte Zastava zunächst weiterhin PKW, welche mittlerweile durchweg als Yugo-Modelle vermarktet wurden. Doch aufgrund der international verhängten Sanktionen gegen Serbien geriet der Konzern in Schwierigkeiten. Das Automobilwerk fiel zudem im April 1999 einer Bombardierung durch NATO-Flugzeuge zum Opfer. Auch nach dem Wiederaufbau hatte Zastava infolge des Krieges mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen: Durch die Teilung des ehemaligen Vielvölkerstaates verlor das Unternehmen viele seiner "heimischen" Kunden und Zulieferer.
Nach turbulenten Jahren, in denen mehrere namhafte Autohersteller Interesse an einer strategischen Partnerschaft zeigten, ging man 2005 erneut mit Fiat eine Allianz ein. In Lizenz wurde nunmehr der Fiat Punto als Zastava 10 gefertigt.

Der Ur-Zastava: Langlebiges Modell mit italienischen Genen
Das erste als Zastava produzierte Auto war ein Lizenzmodell des äußerst erfolgreichen Fiat 600, von dem in Spanien und sogar in Deutschland weitere Nachbauten entstanden. Bei Zastava trug der Lizenzbau je nach Motorisierung die Zusatzbezeichnung 600, 750 oder 850. Zusätzlich zur Fertigung seiner Nachfolge-Modelle wurde der runde Winzling bis 1985 weiterhin produziert.

Der Klassiker: Zastava 101
Ein wirklich populäres Fahrzeug aus der jugoslawischen Autoschmiede wurde der Zastava 101, für welchen der Fiat 128 Pate stand. Optisch identisch waren beide Fahrzeuge jedoch nur in der Stufenheck-Variante, welche Zastava erst ab den 80er Jahren anbot. Das weitaus bekanntere Modell hingegen war eine Fließheck-Version, welche sich so gut verkaufte, dass die 1971 begonnene Produktion erst 2008 eingestellt wurde. Zwischenzeitlich verkaufte man den Wagen mit dem markanten Schrägheck allerdings unter verschiedenen anderen Typenbezeichnungen.

Die Yugo-Ära: Alte, neue und eigene Konstruktionen
1981 präsentierte Zastava seine erste PKW-Eigenentwicklung, den Yugo 45. Die technischen Details des Fahrzeuges basierte jedoch weitgehend auf einer älteren Fiat-Konstruktion. Mit dem Yugo begann für die Autobauer von Zastava eine neue Ära. Die Fahrzeuge wurden unter anderem (als Yugo Amerika) in die USA exportiert, wo sie zum Inbegriff des kleinen, billigen und minderwertigen Autos wurden (z. B. im Film "Schlappe Bullen beißen nicht").
Mit der Einführung eines zusätzlichen Modells namens Yugo Florida ging die generelle Änderung der Typenbezeichnungen einher. Aus dem Yugo 45 wurde nun der Yugo Koral. Der Klassiker Zastava 101 wiederum hieß fortan Yugo Skala. Im Jahr 2008 verließ der letzte Yugo die Fertigungshallen im serbischen Kragujevac. Die heutigen Modelle tragen wieder die ursprüngliche Bezeichnung "Zastava".

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