Sie war in den 70er Jahren mit dem heute weltberühmten Schriftsteller Paul Auster verheiratet und hat aus dieser Ehe einen Sohn. Sie hat sich als Übersetzerin vor allem durch ihre Arbeit an Marcel Proust und Gustave Flaubert  in Fachkreisen einen guten Namen gemacht. Als Autorin aber blieb Lydia Davis, Jahrgang 1947, lange Zeit unbekannt.

 Vor ein paar Jahren jedoch begannen ihre Erzählungen und Kurzgeschichten die Aufmerksamkeit und den Gefallen der "literarisch interessierten" Öffentlichkeit zu erregen. Ihr Erzählband "Varieties Of Disturbance" der kürzlich unter dem Titel "Formen der Verstörung" auf Deutsch erscheinen ist, zementierte dann ihren Status als eine der interessantesten Stimmen der kontemporären amerikanischen Literatur. Prominente Kollegen wie Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides gehören zu Davis´ deklarierten Bewunderern; ihr Verlag für den Deutschen Sprachraum, Droschl, nennt sie in seiner Promotion gar einen "Klassiker der Moderne".

Davis lebt zurückgezogen auf dem Land … 

Lydia Davis lebt heute zurückgezogen mit ihrem Mann, dem Künstler Alan Cote, mit dem sie einen Sohn (Theo) hat, in Upstate New York.. "Ich habe viele Jahre in New York City und anderen Städten gelebt, ich habe aber immer das Land geliebt. Ich mag es, dass ich innerhalb Zugdistanz von NYC lebe. Wir wohnen in einem ehemaligen Schulgebäude am Rand eines kleinen Dorfs. Man kann dort Coyoten und Eulen hören; Rehe und Hasen kommen zu uns in den Garten."

… lehrt an der Universität von Albany kreatives Schreiben und übersetzt nach wie vor

 Davis lehrt an der University Of Albany kreatives Schreiben und verfolgt nach wie vor ihre übersetzerische Tätigkeit. Sie hat nicht nut französische Autoren übersetzt, sondern auch deutschsprachige wie den Wiener "Kaffeehausliteraten" Peter Altenberg.

Bei ihrer Lesung im Literaturhaus im Rahmen von Österreichs größer Buchmesse Buch Wien trug sie eine Geschichte aus "Formen der Verstörung", nämlich "Mutters Reaktion auf meine Reisepläne", selbst auf Deutsch vor: "Gainsville! Zu schade, dass dein Cousin tot ist."

Das war übrigens die ganze Geschichte. Ihre lakonische Kürze zeigt eines: Lydia Davis literarische Präferenzen liegen formal eindeutig bei der Kurzstrecke. In ungefähr 40 Jahren literarischen Schaffens hat sie es gegenüber zahlreichen Erzählbänden gerade mal auf einen Roman gebracht, "The End Of The Story" von 1995.

"Die Kurzform gibt mir das Gefühl, ich kann tun, wonach immer mir ist. Ich halte nichts davon, etwas künstlich auszudehnen. Manches ist einfach ein Denkanstoß für die Leser: Hier ist die Idee – und in des Lesers Kopf kann sie wachsen und sich ändern. Oder einen Impuls geben, scheinbar Vertrautes anders zu sehen."

Alltägliches auf ungewöhnliche Weise dargestellt

 Alltägliches auf ungewöhnliche Weise darzustellen, scheinbar Profanes zu etwas Besonderem zu machen, ist die bemerkenswerteste Leistung der Erzählerin Lydia Davis. Als etwa eine Gastgeberin den Geruch von Flatulenzen bemerkt und nicht weiß, ob dieser ihrem Gast oder ihrem Hund zu verdanken ist, verfängt sie sich innerlich (auf sehr lustige Weise) in einer heiklen Argumentationskette: Sie will dem Gast begreiflich machen, dass es ihm nicht peinlich zu sein braucht, wenn es denn er war. Was aber, wenn er es nicht war? 

Und in einer Erzählung, die den nüchternen Titel "Fragen der Grammatik trägt, räsonniert sie, wie sie korrekt von ihrem Vater, der in einem Pflegeheim im Sterben liegt, sprechen soll: "Wenn mich jemand fragt:,Wo lebt er?‘ – kann ich dann sagen:,Er lebt im Pflegeheim Vernon Hall‘? Oder sollte ich vielmehr sagen:,Er stirbt gerade im Pflegeheim Vernon Hall‘?"

Mancher will das gar nicht so genau wissen.

"Ich glaube, viele Leute haben seltsame, interessante, bizarre Ideen", sagt Davis, "aber sie verfolgen sie eben deswegen nicht weiter. Ich aber verfolge sie weiter und mache sie real".

Lydia Davis (Mi.) in Wien. Durch den Abend führte Klaus Nüchtern (l.); Clarissa Stadler las deutsch (Bild: Droschl)

Silberfuchs, am 26.11.2011
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Autor seit 5 Jahren
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