Die Filmszene zu dem Gedicht

Wie eingangs beschrieben wollen die Verwandten der Verstorbenen die wertvollen Dinge schnell aus dem Haus ausräumen und dann mit der Urne wieder abreisen. Die Freundin der Verstorbenen, Mrs. Karen Mac Cluskey (dargestellt von Kathryn Joosten), möchte der Verstorbenen den letzten Wunsch erfüllen und die Asche dorthin bringen, wo die Verstorbene am liebsten war.

Mithilfe von ihrer jungen Nachbarin, Lynette Scavo (dargestellt von Felicity Huffman), versucht sie also an die Urne der Verstorbenen zu kommen. Es endet damit, dass die Verwandten abgelenkt werden, die Asche gegen Staubsaugerinhalt ausgetauscht wird, sodass die Urne bei den Verwandten bleibt, die Verstorbene aber nicht.

Nachdem die unerfreuliche Begegnung mit diesen Verwandten vorbei ist, diese endlich abreisen, fragt Lynette Karen, wohin sie nun mit der Asche will, welche sich jetzt in einem Gefrierbeutel befindet.

Wie die Zuschauer zuvor erfuhren, hat die Verstorbene in ihrer Jugend gern Baseball gespielt und auch als Erwachsene viel Zeit in Baseballstadien verbracht. Also fahren die beiden Frauen genau dorthin, brechen in das Stadion ein und... werden erwischt. Eine hektische Rennerei bis auf das Spielfeld, die Asche wird verstreut und dann gibt es plötzlich diesen Moment der Stille während die kleine Aschenwolke über den Rasen weht.

Karen zitiert das Gedicht, um das es geht:

"Do not stand at my grave and weep,

I am not there, I do not sleep.

I am in a thousand winds that blow,

I am the diamond glints of snow.

I am the sunlight in ripen grain.

I am the gentle autumn's rain.

Do not stand at my grave and cry,

I am not there. I did not die."

Deutsche Übersetzung:

Steh nicht weindend auf meinem Grab,

ich liege nicht dort im tiefen Schlaf.

Ich bin der Wind über tosender See,

ich bin der Schimmer auf frischem Schnee,

ich bin das Sonnenlicht auf reifem Feld,

ich bin der Regen, der vom Himmel fällt.

Weine nicht an meinem Grab, denn ich bin nicht dort,

ich bin nicht tot, ich bin nicht fort.

Die Filmszene endet, glaube ich, damit, dass die Scheinwerfer angehen und die beiden Damen schließlich doch kurzzeitig in Gewahrsam genommen werden.

Das Original

nAls ich diese Szene sah wurde ich neugierig, weil mir sofort klar war, dass dieses Gedicht nicht aus der Feder der Drehbuchautoren stammt. Allerdings haben sie es etwas abgewandelt, modernisiert. Ich brauchte eine Weile, bis ich das Original und seine Verfasserin gefunden hatte. Wie das Leben so spielt, hat auch die Entstehung des Gedichts mit einer Freundschaft zu tun.

Mary Elizabeth Frye ist nämlich eigentlich keine amerikanische Dichterin. Sie hat 1932 ein wunderschönes Gedicht verfasst und es auf einer dieser braunen Papiereinkauftüten niedergeschrieben. Inspiriert wurde sie von einer deutschstämmigen Freundin, die, weil jüdischer Herkunft, geflüchtet war. Da ihre Mutter in Deutschland starb und sie wegen der politischen Situation nicht zurück konnte und deshalb keine Möglichkeit hatte, Abschied zu nehmen, vertraute sie ihren Schmerz ihrer Freundin Mary Elizabeth mit den Worten: "I could never stand by my mother's grave and shed a tear" an. 

Mary Elizabeth Frye machte daraus das folgende Gedicht, das erst heute zu weltweiter Berühmtheit gekommen ist und seit einem anderen Tag noch einmal umso mehr. Wie sehr diese Frauen doch miteinander verbunden zu sein scheinen...

Hier das Originalgedicht:

Do not stand at my grave and weep,

I am not there; I do not sleep.

I am a thousand winds that blow,

I am the diamond glints on snow,

I am the sun on ripened grain,

I am the gentle autumn rain.

When you awaken in the morning's hush

I am the swift uplifting rush

Of quiet birds in circling flight.

I am the soft star-shine at night.

Do not stand at my grave and cry,

I am not there; I did not die.

Wir können nur vermuten, dass dies das Band der Freundschaft der beiden verstärkt hat.

 

Das traurige Ende

Last not least war auch die Schauspielerin Kathryn Joosten, die jene Karen Mac Cluskey darstellte, irgendwie damit verbunden. Die Krankheit, die ihre Serienfigur hatte, war Kathryn's Krankheit im echten Leben. Sie litt an Krebs und verstarb. Ein würdiges Ende für die Serie folgte fast direkt darauf.

Wie sehr werden sich ihre Kollegen und Kolleginnen, insbesondere Felicity Huffman, wohl an die Szene mit diesem Gedicht erinnert haben? Da die Kollegen aber alle von der Krankheit wussten, kann genau dies natürlich auch wieder das Kalkül der U.S.- Filmemacher sein. Wir sollen denken, dass dies alles Zufall ist. Dabei wurden einfach die Drehbücher ans wahre Leben angeglichen. Tja, so kann es gehen. Schön ist das Gedicht trotzdem und Kathryn Joostens Tod ist für die Filmindustrie ein großer Verlust. Möge sie in Frieden ruhen, ich freue mich immer wieder, wenn ich sie in älteren Filmen als junge Schauspielerin in einer Nebenrolle entdecke.

Lili, vor 20 Tagen
0 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
© wegedesleben.info (Chanukka oder Hanukkah - das jüdische Lichterfest)
Jessica Schroth/pixelio.de (Margret Mitchell - Porträt einer Schriftstellerin)
Rainer Sturm /pixelio.de (Frank Lloyd Wright - ein Architektenporträt)
twinlili/pixelio.de (Kreativer werden und mehr daraus machen)

Autor seit 4 Jahren
34 Seiten
Laden ...
Fehler!