Die Herkunft der Erzählung von Tristan und Isolde

Der Stoff von Tristan und Isolde stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus keltischer Zeit und wurde mündlich weitergegeben. Ein von Chrétien von Troyes um 1160 verfasster Tristanroman ging verloren. Die somit ältesten und nur fragmentarisch erhaltenen Niederschriften entstanden im späten 12. Jahrhundert durch Thomas von England und Béroul – dessen Fassung diente als Vorlage für die erste deutsche Bearbeitung durch Eilhart von Oberge (um 1180). Thomas von Englands höfische Fassung wiederum liegt der unvollendet gebliebenen Version Gottfried von Straßburgs (1210) zugrunde. 1484 entstand ein auf Eilharts Version zurückgreifendes Volksbuch, in dem die Figuren volkstümlich gezeichnet sind. Hans Sachs "Tragödie" griff diese Version 1553 auf. Im Rahmen romantischer Mittelalterbegeisterung erfuhr die Geschichte im 19. Jahrhundert eine Renaissance. Wagners Oper "Tristan und Isolde" stellte einen weiteren Höhe-, aber keineswegs einen Endpunkt dar: Im Jahr 2006 beispielsweise wurde die berühmte Liebesgeschichte von Regisseur Kevin Reynolds verfilmt.

Zusammenfassung der Handlung: Der Zweikampf mit Morholt

König Marke von Cornwall herrscht auf Burg Tintagel. Sein Verbündeter gegen Irland ist Riwalin von Lothian, der Markes Schwester heiratet. Sie stirbt bei der Geburt ihres Sohnes – dieser wird daraufhin Tristan genannt. Der junge Tristan wächst unter der Obhut des weisen Gorvenal am Hof zu Lothian auf und lernt alle Fertigkeiten eines Kriegers. Dann segelt er mit seinem Lehrer nach Cornwall und tritt seine Herkunft verbergend in den Dienst des Königs. Marke hat derweil Frieden mit den Iren geschlossen, muss jedoch Tribut leisten. Eines Tages legt der irische Krieger Morholt an und fordert die überfällige Zahlung ein. Tristan offenbart seine königliche Herkunft und tötet ihn im Zweikampf. Er selbst wird dabei verwundet: Die kräuterkundige irische Königstochter Isolde – die im Schädel Morholts einen Schwertsplitter finden und aufbewahren wird – hat den Speer ihres Onkels vergiftet. Tristan siecht vor sich hin, und da in Cornwall keine Heilung existiert, übergibt er sich der Gnade der Götter und lässt sich in einem Boot über das Meer treiben.

Tristan als Drachentöter Tantris und ein goldenes Haar

Er wird an die irische Küste gespült, gibt sich als Sänger Tantris aus und wird am Hof von Dublin geheilt. Zurück in Cornwall ist die Freude groß. Eines Tages lässt eine Schwalbe ein goldenes Haar in den Schoss des Königs fallen und er verkündet, die Besitzerin des Haares freien zu wollen. Tristan macht sich auf die Suche nach der Unbekannten. Ein Sturm treibt ihn erneut an den Strand vor Dublin und er geht mit seinen Männern als Händler verkleidet an Land. Sie erfahren, dass Irland von einem Drachen heimgesucht wird, für dessen Tod der König die Hand seiner Tochter versprochen hat. Tristan besiegt das Ungeheuer, bricht jedoch nach dem Kampf zusammen.

Ein Höfling bringt dem König den abgeschlagenen Drachenkopf und verlangt die Hand seiner Tochter. Misstrauisch findet diese in Begleitung ihrer Zofe Brangäne den bewusstlosen Held bei der Drachenhöhle, bringt ihn auf das Schloss und pflegt ihn. Isolde verliebt sich in den Fremden – dann entdeckt sie aus Zufall die Kerbe in seinem Schwert. Der Splitter passt und sie weiß nun, dass er ihren Onkel Morholt tötete. Ihr Verhältnis zu Tristan schlägt kurzzeitig in Hass um.

Liebestrank und Ehebruch: Die Heirat zwischen König Marke und Isolde

Anderntags entlarvt Tristan den Höfling mit der Zunge des Drachen als Lügner und gibt seine eigene Identität preis. Im Namen König Markes hält er um Isolde mit dem goldenen Haar an. Der irische König stimmt dem Antrag zu. Die Königin gibt der Zofe Brangäne zudem einen Liebestrank mit auf die Reise – dieser soll der Liebe zwischen Marke und Isolde notfalls auf die Sprünge helfen. Doch die Zofe verwechselt den Trank, worauf sich Tristan und Isolde unsterblich ineinander verlieben. In der Hochzeitsnacht schiebt Tristan dem König unbemerkt die jungfräuliche Zofe unter. Sooft möglich trifft sich das Liebespaar heimlich, bis die lauter werdenden Gerüchte Marke zwingen, Tristan von seinem Hof zu verbannen.

Mithilfe Brangänes treffen sie sich weiter in einem Garten vor Tintagel – bis ihnen ein Rivale endgültig auf die Schliche kommt. Auf frischer Tat ertappt werden sie zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Tristan rettet sich durch einen Sprung über die Klippen und befreit Isolde. Eine Weile leben sie im Wald. Der Zaubertrank verliert seine Wirkung, doch lieben sie sich tatsächlich. Allerdings reut sie der Verrat an Marke. Und so kehrt Isolde zu ihm zurück, während Tristan mit Gorvenal in den Dienst des Königs der Bretagne tritt.

Isolde Weißhand und das schwarze Segel

Der todesmutige Krieger bewährt sich schnell und wird mit der Königstochter Isolde Weißhand verheiratet. Sein Herz gehört jedoch weiterhin der anderen. Als er tödlich verwundet wird, schickt er seinen Gefährten nach der heilkundigen Isolde. Gorvenal soll bei seiner Rückkehr vom Hof Markes ein weißes Segel hissen, falls Isolde bei ihm ist, ein schwarzes dagegen, falls nicht. Isolde Weißhand belauscht das Gespräch, und als das Schiff sich nähert und Tristan sie nach der Farbe des Segels fragt, antwortet sie ihm es sei schwarz. Tristan stirbt. Die herbeigeeilte Isolde mag ohne ihn nicht mehr zu leben und stürzt sich in sein Schwert. So findet eine der größten Liebesgeschichten der Welt ihr Ende – Tristan und Isolde werden nach Cornwall gebracht und nebeneinander begraben. Es heißt, zwei Bäume wuchsen aus ihren Gräbern und umschlangen sich mit ihren Ästen.

Tristan und Isolde – eine unsterbliche Liebesgeschichte

Elemente der Abenteuer Tristans erinnern unter anderem an den irischen Sagenhelden Cuchulainn und den Stoff um König Artus und seine Tafelrunde. Dies zeugt nicht nur von der Lebendigkeit, sondern auch von einer allgemeinen Tendenz hinsichtlich des Werdegangs alter Erzählstoffe – die immer wieder erzählt wurden, sich im Lauf der Jahrhunderte teilweise verwoben und neue Seitenstränge hervorbrachten, andere Geschichten in sich einspannen sowie im mittelalterlichen Verschriftlichungsprozess mit christlichen Elementen versehen und fortwährend neu interpretiert wurden.

 

Bildquelle: www.pixelio.de

(c) Uwe Wagschal / pixelio.de

ThomasSedlmeyr, am 18.11.2014
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