Hunger von der Entstehung des Menschen bis etwa 12000 v. Chr.

Hunger ist also zweideutig zu verstehen. Einmal ist es das Signal unseres Körpers, etwas zu tun. Es dient dem Selbsterhalt. Ohne Nahrung würden wir zugrunde gehen, sprichwörtlich verhungern. In den Anfängen unseres Menschwerdens unterlagen wir mehr den Gesetzen der Natur. Wir lebten im sogenannten Paradies. Und das war auch schon damals kein Schlaraffenland. Nahrung ist nun mal sehr klimaabhängig. Es gibt fruchtbare und sehr unfruchtbare Regionen auf unserem Planeten. Wie die Weidetiere folgten die ersten Hominiden also als Sammler und Jäger dem Nahrungsangebot. Sprich dem Wild. Unser Gehirn war dem der Tiere überlegen, nicht aber unsere körpereigenen Kräfte und Waffen. So mussten wir Gegenstände und Methoden zur Jagd erfinden. Und der schwache Mensch war nur im Rudel stark. Der erfolglose Jäger blieb einfach auf der Strecke, wurde selbst zur Beute. Die Bezeichnung war wildbeuteriche Gesellschaft.

Die Neolitische Revolution

Das kommt aus dem Griechischen, und bedeutet einfach nur Jungsteinzeit. Die Erde unterliegt starken Klimaschwankungen. Kalt- und Eiszeiten brachten den Menschen dazu, den Tierherden auf der Nahrungssuche zu folgen. Mit beginn des Holozäns begann die Sesshaftigkeit. Erste Siedlungen entstanden in der Levante. Wegen Trockenheit hatten unsere Vorfahren Afrika verlassen. Im Nahen Osten, Israel, Jordanien, Libanon, Palästina und Syrien wurde der Mensch Bauer. Klimabedingt bildeten sich sogenannte feste Winterlager als Basis für Jagdausflüge. Eine Frau, deren Name wir nie erfahren werden, sammelte wildes Getreide. Warf Reste auf eine Abfallhalde. Und beobachtete, dass es dort besonders gut wuchs und gedeihte. So entstanden erste Felder und die gezielte Bevorratung, ein wichtiger Schritt in Richtung Nahrungssicherheit. Man muss wissen, dass zu dieser Zeit die Negev-Wüste eine waldreiche Region war, und die ganze Gegend sehr fruchtbar. Das größere und sichere Nahrungsangebot förderte aber auch die Vermehrung und Ausbreitung des Menschen. Eva ist also schuld an der Überbevölkerung! Wildgetreide wurde in Abu Hureya bereits vor 11000 Jahren angepflanzt.

Die apokalyptischen Reiter, das Pferd des dritten Reiters war schwarz und symbolisiert Hunger und Tod

Der überwiegende Teil der Menschheit lebte bis weit ins Mittelalter als nomadische Viehhirten oder sesshafte Bauern. Wetterbedingt kam es zu Missernten mit Hungernöten. Aber auch Kriege und Plünderungen brachten Not und Vernichtung mit sich. Skelette aus dem Mittelalter wiesen allesamt starke Mangelerscheinungen auf. Die Menschen wurden nicht besonders alt, sie lebten auch nicht gesund. Viele begaben sich aus Angst vor Raubrittern in den Schutz und damit in die Abhängigkeit der Burgherren. Diese fingen an, die vormals freien Bauern regelrecht auszuplündern. Hungersnöte waren mitunter sehr regional. Überschwemmungen, Trockenheit oder Vernachlässigung der Felder (Weil der Bauer zum Kriegsdienst musste) waren die Ursachen. Die verschiedenen Stände entwickelten sich, ebenso das Geldwesen. Nahrung wurde bei Minderangebot so teuer, dass einfache Menschen regelrecht verhungerten. Stellenweise mussten bis zu 90 % des Einkommens nur für Lebensmittel aufgewandt werden. Mitunter verdarben diese auch, da es Konservierung nur eingeschränkt gab. (Salzen, Pökeln, Räuchern, Trocknen)

Eine Wunderknolle namens Kartoffel bringt Vor- und Nachteile

Eine Knolle, aus Amerika eingeführt, verspricht Besserung. Anfangs missachtet, erkennt Friedrich der Große in Deutschland deren Wertgehalt für unsere Ernährung. Langsam setzt diese sich durch. Auf weniger Fläche erhält man mehr Ertrag. Auch Kleinbauern können nun ihre Familien satt bekommen. In Irland gehört das meiste Land englischen Großgrundbesitzern. Getreide und tierische Produkte gehen als Pacht an diese. Kartoffeln, billig und schnell anzubauen, ist das Hauptlebensmittel der Iren. Ein Pilzbefall, die sogenannte Kartoffelfäule, vernichtete in den 1845er Jahren in Folge mehrere Ernten. Über eine Million Menschen verhungerten. Durch die "Große Hungersnot" von 1845 – 1852 kommt es zur Auswanderwelle in Richtung Amerika. Noch heute erinnern Auswanderkreuze an diese schlimme Zeit. Die damalige Politik betrieb eine "laissez-faire" (lass laufen) Politik. Eine Nichteinmischung in die Wirtschaft. Getreide wurde weiter exportiert und Schnapps destilliert. Ein Verbot hätte Menschenleben gerettet. Nichts tun, ist auch Mord! Aber auch in Rest-Europa kam es durch den Schädlingsbefall zu Hunger und Auswanderung, wie das Auswanderkreuz in meiner Gemeinde bezeugt.

Hungerwinter 1946/47 - Zum Kriegselend kam noch eine große Kältewelle.

Zerbombte Städte, zerstörte Fabriken, Männer (Arbeitskräfte) im Krieg gefallen, oder in Gefangenschaft. Verkehrswege wie Brücken teils unpassierbar. Dazu kamen im Winter 1946/47 drei große Kältewellen. Rhein und Elbe waren weitläufig zugefroren. Die wichtigen Wasserstraßen also als Transportwege für Nahrung und Kohle ausgefallen. Waren die Menschen bereits durch die Kriegsentbehrungen ausgemergelt, gab ihnen dieser Winter den Rest. Hunderttausend starben an den Folgen. Die Landbevölkerung war in diesem Fall noch besser dran, als die Leute in den zerbombten Städten. Ohne Hilfe aus Amerika (Care-Pakete) wären noch wesentlich mehr gestorben. 22 Wohlfahrtsverbände schickten ab Juni 1946 solche Pakete nach Deutschland. Auch die Armee löste ihre überflüssigen Depots auf, und verteilte drei Millionen Armeerationen.

Dafür sollten wir den Amerikanern von damals sehr dankbar sein.

Monokultur - Nutzen oder Schaden? Überfluss von heute ist der Mangel von mogen.

Die herkömmliche Landwirtschaft wird immer mehr industrialisiert. Es kommt zu großflächigem Anbau von ein und derselben Pflanze. Das nennt man Monokultur. Man steigert kurzfristig die Effizienzgewinne. Weniger Maschinen, weniger Vertriebswege und angesammeltes Spezialwissen führen erstmals zum Erfolg. Auch die Nachfrage nach sogenannten Bio-Treibstoffen erhöht erstmals den Gewinn. Die Böden laugen auch nicht mehr aus, als bei Fruchtfolgen! Gedüngt werden muss so oder so. Aber! Aber viele ein und dieselben Wurzeln fördern den Aufbau von Pathogenen. Daraus ergeben sich Wurzelinfektionen. Diese Pflanzen haben es dann schwerer Nährstoffe aufzunehmen. Das ist so, als hätten wir ein Steak vor uns liegen, aber kein Gebiss zum Kauen. Und sie können sich schlechter gegen Unkraut behaupten. In Folge nimmt der Ertrag ab, oder verlangt höheren Einsatz von Pestiziden. Ist doch sehr gut für unsere chemische Industrie. Die gewinnen immer. Nur nicht bei nachhaltiger Landwirtschaft mit Diversifikation. (Natürlicher Fruchtfolge) Auch in der Forstwirtschaft läuft das ähnlich. Reine Fichtenkulturen werden immer anfälliger. Außerdem setzt ein Bienensterben ein. Diese kleinen Tiere sind unser drittwichtigstes Nutztier. Ihre Bestäubungsleistung ist nicht zu ersetzen. Was heute gut ist, könnte die Hungerkatastrophe von Morgen sein! Zumal auch unser Hauptlebensmittel - WASSER - dabei vergeudet wird. Unmengen Grundwasser werden dafür verbraucht. 

Hunger durch Spekulanten

Wir haben sieben Milliarden Menschen auf der Erde. Ohne Nahrungsindustrie könnten wir die kaum ernähren. Wobei Politik und Industrie ins gleiche Horn stoßen. Eigentlich wie immer. Da immer gegessen wird, schneiden Anlage-Fonds mit Portfolio auf Genuss und Nahrung auch in Krisenzeiten recht gut ab. Und nicht nur Großkonzerne wie Nestlè oder Danone bieten Aktien an. Über 20 gelistete Fonds bringen zweistellige Wachstumsraten. Fondsmanager interessiert aber in erster Linie nicht die Grundversorgung der Bevölkerung, sondern nur die Shareholder Value und die Wertentwicklung ihres Fonds. Grundnahrungsmittel dürften keine Spekulations-Objekte sein, sind es aber. Steigt der Preis dieser, werden Menschen mit wenig Geld verhungern, während andere den dicken Reibach machen. So ist das auf der Welt. Hunger durch Spekulanten. Jeder achte Mensch hungert. Die Allianz der Politik mit den Konzernen verschärft diesen Zustand. Eine Milliarde Menschen hungern. Eine Milliarde. "Nur" 10 % davon leiden wegen Krieg, Dürren, Überschwemmungen oder anderer Umweltschäden. Das ist immer noch eine erschreckende Zahl.Aber 900 Millionen Menschen leiden aus Profitgier, Und das, obwohl genug Nahrung da wäre.

 

 

Gen-Technik, eine Hilfe?

Gentechnisch veränderte Lebensmittel sind der Ausweg. Sie sind resistent gegen Schädlinge und bringen mehr Ertrag. Besonders Letzteres, jedenfalls an der Börse. Denn die selben Unternehmen, die verändertes Saatgut anbieten, verkaufen gleichzeitig dazu passende Pestizide. Tatsächlich benötigt man mehr Pestizide. Und Resistenz gibt es nicht auf Dauer. Immer nur zeitweise, bis die Keime wieder aufgeholt haben. Das ist ein stetiger Wettlauf. Ein ökonomischer oder ökologischer Nutzen ist bis dato nicht nachgewiesen. Und schon gar kein sozialer Nutzen. Der einzige Sinn, Pflanzen gentechnisch zu verändern, besteht darin, sich selbige patentrechtlich schützen zu lassen. Das macht Saatgut Hersteller zu Monopolisten. Diese sind aber auch gleichzeitig Düngemittelproduzenten und Pestizidverkäufer. Inzwischen kontrollieren 4-6 Konzerne den Markt. Und damit auch die Preise. Hunger wird von diesen gestillt, aber nur der Geldhunger der Aktionäre. Allein schon aus diesem Grunde sollten wir das Freihandelsabkommen mit den USA verhindern! Trotz hoher Produktion hungern Menschen. Alle Versprechungen sind nichts als Blendwerk. Es ist nur zu befürchten, dass diese Konzerne unsere Politik und die Medien längst in der Tasche haben. 50 % der Getreideproduktion landet in der Industrie als Roh- oder Kraftstoff.

Die Heilsversprechen sind unrealistische Propaganda!

Uranabbau vernichtet Grundwasser, Vieh und Mensch verdurstet
Ausbreitung der Sahelzone.

Ausbreitung der Sahelzone.

Land Grabbing als Ursache für Hunger

Der afrikanische Staat Kenia z. B. hat etwa eine Million Hektar Land an Finanzinvestoren verkauft. Diese lassen dort mit großem Gewinn Energie-Pflanzen anbauen. Waren vor 30 Jahren die meisten Länder Selbstversorger, sind sie heute auf Lebensmittelimporte angewiesen. Meist hoch subventionierte aus der EU. Die eigen Landwirtschaft wurde systematisch zerstört. Weltbank und IWF gaben Kredite an die Ärmsten der Armen (oh, wie nett), und zwangen diese dann Importhürden (Zölle) abzubauen. Außerdem mussten Export-Artikel angebaut werden, zur Tilgung der Schulden. Zur Ertragsverbesserung wurden dann Düngemittel verkauft. Wer mitgelesen hat, ahnt von wem. Und das Gute daran, bei höheren Erträgen sinken die Erzeugerpreise. Macht mehr Reibach für den Zwischenhandel. Die sind clever und die armen Bauern haben es ja nicht besser verdient! Mir hat mal einer das Bankensystem erklärt. Die nehmen Geld von Leuten, die keins haben, und geben es denen, die eigentlich schon so viel haben, dass sie dran ersticken. Das klingt für mich plausibel. Das Beste ist, dass die Industrie an den Gesetzen zur Entwicklungshilfe über ihre Lobby selbst mit bastelt. Großkonzerne verkaufen speziell angereicherte Nahrungsmittel oder Getränke zur Hungerhilfe. (Wie schon gesagt, Dividenden-Hunger) Und sechs Konzerne kontrollieren den Saattgut- und Düngemittelmarkt. Bauern werden in die Verschuldung und Abhängigkeit getrieben. In den Krisenjahren 2007/8 stiegen die Gewinne dieser Giganten erheblich. 

Ich höre jetzt auf, denn wer bis hierher nicht begriffen hat, woher der Hunger kommt? Ja der begreift es nie. Bis ihm ein Großkonzern keine Abfälle mehr gewährt, weil er nicht das nötige Kleingeld hat.

Autor seit 5 Jahren
268 Seiten
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