Jeder, der über Technik zur visuellen Aufzeichnung seiner Umwelt verfügt, kann sein selbst erstelltes Filmchen mit wenigen Handgriffen für den Rest der Welt verfügbar machen. Dabei spielt die Qualität der Aufnahmen nicht in jedem Fall eine Rolle, wenn man es darauf anlegt, ein "YouTube-Star" zu werden. Videos aus dem Bereich der Forschung und Wissenschaft, selbst Mainstream-Entertainment dümpeln, trotz bester, heutzutage möglicher Videotechnik, nicht selten im Bereich vergleichsweise niedriger Beachtung herum. Dagegen haben es nicht wenige Clips, welche mit simplen Handys, oder Webcams aufgenommen wurden und welche eigentlich nichts anderes als schauderhaft verwackelte Videos sind, in den Olymp der multimillionenfach angesehenen Videos geschafft.

Was macht nun einen Clip zu einem der Erfolgreichen?

Es gibt mindestens 3 Kategorien, welche oft gute Chancen haben, zu Click-Stars zu avancieren. Zum einen sind es Videos der Entertainment- und Musikindustrie, welche mit entsprechend hohem finanziellen Aufwand und mithilfe der Popularität der Protagonisten im Video für entsprechendes Feedback prädestiniert sind. Einmal angeschoben, gibt es meist innerhalb von Tagen, oder gar Stunden einen ordentlichen Lawineneffekt.

Desweiteren sind es kurze Clips, Spielzeit unter einer Minute, meist sogar nur wenige Sekunden. Diese aber geben, wie ein guter Witz eine "geniale" Pointe, oder ein sehr extremes Ereignis, inhaltlich und zeitlich sehr kompakt wieder.

Zur dritten Kategorie gehören die, welche scheinbar unergründlich erfolgreich wurden. Videos, die im Vergleich zu anderen eher blass wirken. Weder besonders anspruchsvoll, lustig, originell etc.
Diese werden oft über längere Zeiträume, von cleveren, ausdauernden "Agenten" schleichend "gehyped", finden ihren Weg in viele Foren, Funportale, Socialnetworks. Sie begegnen dem Internetuser immer und immer wieder. Man gewöhnt sich fast daran, sie irgenwo spontan auftauchen zu sehen. So ist man immer wieder erstaunt, daß sie eine derartige Popularität haben, OBWOHL sie weder besonders nützlich, lustig, wertvoll usw. sind. So entflammen nach einiger Zeit oft Diskussionen, wie es möglich sein kann, daß ein solches Video derart oft geklickt wurde. "...Schau dir bloß mal dieses lahme Teil an, ich kapier nicht, was die Leute daran finden" - und schon hat der View-Counter wieder KLICK gemacht!

Anhand der recht häufigen "thumbs down"-Wertung, welche unter dem entsprechenden Video sichtbar ist, sieht man, daß ein Video manchmal zwar extrem oft besucht wurde, aber das Feedback nicht unbedingt ausgewogen positiv ist. Dazu kommt, daß sich viele, um Views ringende YouTube-User an Videos mit hohen Klickzahlen "dranhängen". Es werden Kommentare, Grüße und Wünsche verfaßt, die natürlich von anderen Besuchern des vermeintlichen Top-Videos gesehen werden, welches manchmal auch zum Besuch des Kommentators bzw. dessen Videos führt. Auffällig; daß dieses Prinzip recht gut zu funktionieren scheint, sieht man daran, daß diese oben genannten Kommentatoren tatsächlich immer und immer wieder bei den selben, hochfrequentierten Videos auftauchen - um weitere (Köder-)Botschaften zu hinterlassen. Oft mehrmals am Tag. Nicht selten wird dies durch entsprechende Software (Bots) realisiert, die diese Accounts automatisch mit wechselnden Botschaften beglückt.

Alles in allem nicht unbedingt ein Zeichen dafür, daß der Inhalt des Videos "der Kracher" ist, sondern, daß sich auf organische Art und Weise lediglich ein extrem häufig besuchter Spam-Knoten entwickelt hat, welcher beinahe exponentiell weiter an Beachtung gewinnt - weil sich natürlich weiterhin immer neue User über das Phänomen des eigentlich nichtssagenden und dennoch (scheinbar) hochgradig beliebten Erfolgsvideos wundern.

Anhand dessen, daß natürlich die Inhalte dieser speziellen Gattung Video von anderen YouTube-Usern fast zwanghaft 1:1 abgekupfert werden, in der Hoffnung, ein Stück vom Kuchen abzubekommen und in den meisten Fällen der Erfolg ausbleibt, sieht man, daß eben doch nicht immer das allzu Offensichtliche die Lösung ist. Vielmehr steckt oft ein durchdachtes Konzept dahinter, sicher auch jede Menge dazugehörige Fehlstarts, wie bei jedem guten, aber komplizierten Experiment mit vielen Unbekannten.

Glück und Durchhaltevermögen sind die Zutaten, die auf jeden Fall bei den meisten YouTube-Erfolgsgeschichten einfließen. Um eine gute Trefferquote zu haben, ist es also fast unerläßlich, eine gewisse Anzahl an Videomaterial online zu stellen, dieses zu pflegen durch extrem häufige Eingliederung in gut besuchte Webseiten wie Funportale, Foren, Facebook & Co.
Wer dies intensiv betreibt und sich dies für ein paar Jahre zu einem absolut fokussierten Ziel macht, der kann mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen Erfolg daraus ziehen. Überläßt man das hochgeladene Material aber einfach nur der reinen YouTube-Community, geht es mit Sicherheit unter. Jeder User auf YouTube versucht, seine Videos an Popularität gewinnen zu lassen, in jedem noch so ausgefallenen Themenbereich gibt es Konkurrenz.

Daher ist eine (oft) breite thematische Auswahl an Clips, ein wenig Strategie, Vernetzung auf Socials und jede Menge Zeit für das Verlinken auf besucherstarken Seiten ein häufig angewandtes, erprobtes und solides Rezept für den Aufstieg zum YouTube-Olymp.

Trotz aller Technik, trotz all der Verlockungen der Unterhaltungsindustrie, wir User sollten nicht aus den Augen verlieren, daß es auch im Internet nicht immer nur um Wettbewerb geht, Konkurrenz, Werbung, Umsatz. Oft ist es lohnender, sich über ein Video zu freuen, welches vielleicht nicht die gigantischen Views erreicht wie DIESER wirklich extrem bekannte, aber nicht jeden in grenzenlose Begeisterung versetzende Clip.

Das meistgesehene Video auf YouTube

Manchmal sind es keine besonders kurze Videos, die uns gut gefallen. Keine "krasse" Pointen, die uns in Erinnerung bleiben. Die wahren Schätze liegen oft verborgen, sind nicht tausendfach verlinkt, wesentlich seltener besucht, aber lassen uns dennoch staunend zurück. Oder sie krempeln unser Weltbild um, geben uns eine lang gesuchte Inspiration, verbinden, machen uns lachen, traurig oder beides. Es sind so oft die emotionalen Filme, die kleinen, stillen Angriffe auf den empfindlichen, empathischen Kern unserer im Alltag hektisch gewordenen Persönlichkeit. Diese erreichen uns nachhaltig. Diese werden wir gerne und ehrlich mit unseren Freunden teilen wollen. Der tiefen Emotionen wegen, die wir beim Schauen durchlebt haben - nicht wegen des Hype.

Einfach nur ergreifend...
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