Windpocken werden durch Herpesviren ausgelöst - genauer gesagt, durch das Varizella-Zoster Virus (VZV). Bei Erstinfektion verursacht das Virus Windpocken, bei einer Zweitinfektion Gürtelrose. Im Normalfall heilt die Krankheit von alleine aus. Bei Immunsupprimierten (HIV Patienten) oder Schwangeren kann sie jedoch einen schweren Verlauf nehmen. Windpocken treten gehäuft im Winter und Frühjahr auf und betreffen in den meisten Fällen Kinder.
Nach Abklingen der Krankheit verbleiben ein Teil der Erreger ein Leben lang in den Nervenbahnen zurück. Bei ungünstigen Bedingungen (zum Beispiel Stress) können sie jedoch reaktiviert werden. Das erneute Vermehren der Viren ruft dann das Krankheitsbild der Gürtelrose hervor.

Übertragung und Ansteckung

Windpocken werden meist direkt übertragen. Das geschieht durch das Verbreiten der hochinfektiösen Flüssigkeit in den Bläschen. Ist der Hautausschlag zunächst unbemerkt und wird von den Kindern aufgekratzt, verbreitet sich die virale Flüssigkeit durch Schmierinfektionen in rasantem Tempo von Kind zu Kind. Aber auch die Übertragung durch die Luft ist möglich. Bereits 2 Tage vor Auftreten der ersten Bläschen ist ein Erkrankter ansteckend. Die Viren werden ausgeatmet und durch den Wind verteilt und übertragen. Ansteckend sind Windpocken daher 2 Tage vor Auftreten der ersten Symptome bis 10 Tage nach dem Erscheinen der ersten Bläschen.

mit Windpocken übersäter Rücken

Symptome

Die Inkubationszeit der Windpocken beträgt etwa 14 Tage. Erste Anzeichen können leichtes Fieber und Unausgeglichenheit der Kinder sein.  Es ist aber auch möglich, dass das Fieber erst später auftritt. Kinder können sehr hoch fiebern. Das mag erschrecken, ist aber nicht ungewöhnlich. Ibuprofen und Paracetamol helfen das Fieber zu senken. Fiebernde Kinder sollten viel trinken und nach Möglichkeit Ruhen oder Schlafen. Nach Gabe fiebersenkender Mittel sind Kinder meistens erstaunlich fit. Auch das ist normal. Kehrt das Fieber zurück, sind die Kinder oft genauso schnell wieder schlapp und erschöpft. Nach 2 bis maximal 3 Tagen ist der Fieber-Spuk vorbei. Auch Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen sind möglich.

Zunächst zeigen sich vereinzelte kleine, rote Pickelchen, die in ihrer Zahl zusehends mehr werden. Diese Pünktchen werden im Laufe der nächsten 1-2 Tage zu flüssigkeitsgefüllten Bläschen. Der typische, stark juckende Ausschlag verbreitet sich schnell über den gesamten Rumpfbereich und das Gesicht. Auch Bläschen im Genitalbereich sind möglich. Nach einigen Tagen kommen keine neuen Bläschen dazu. Die Blasen platzen auf oder trocknen ab und verkrusten. Infektiös ist lediglich die virushaltige Bläschenflüssigkeit. Die Krusten sind nicht infektiös.

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Behandlung

Im Normalfall verlaufen Windpocken harmlos, und heilen komplikationslos ab. Daher erfolgt die Behandlung rein symptomatisch. Eine Therapie gegen die Viren gibt es nicht. Es können lediglich die Begleitbeschwerden wie Juckreiz durch Cremes, Lotionen oder Fenistil Tropfen gelindert werden. Hausmittel wie kühle Umschläge (Kamille oder Quarkwickel) können ebenfalls gegen den Juckreiz helfen. Um die Viren möglichst wenig zu verteilen und Narbenbildung zu verhindern, sollten die Bläschen nicht augekratzt werden. Das Kratzen und Scheuern ist aber gerade bei Kindern fast nicht zu verhindern. Daher sollte unbedingt drauf geachtet werden, dass sich die Stellen nicht entzünden. Kontinuierliches Salben kann den Juckreiz lindern und Entzündungen verhindern. Baden sollten die Kinder während der Erkrankung nicht, da sich dadurch die Bläschen zusätzlich öffnen oder Krusten abweichen. Auch das kann Entzündungen oder Narbenbildung fördern.

Vorbeugende Maßnahmen

Einen wirksamen Schutz vor Varizella-Zoster-Viren gibt es nicht. Jeder Mensch kommt früher oder später mit ihnen in Kontakt. Eine Impfung gegen Windpocken ist möglich, jedoch schützt auch diese nicht vor dem Kontakt mit den Viren. Die Impfung schützt weder sicher vor Windpocken noch vor Gürtelrose. Aus diesem Grund ist die Wirksamkeit der Impfung auch umstritten. Kinderärzte berichten zwar von einem leichteren Krankheitsverlauf, wenn geimpfte Kinder mit Windpocken in Kontakt kommen, einen wirksamen Schutz vor der Infektion bietet die Impfung aber nicht.

Im Zusammenhang mit Windpocken sollten Erkrankte besonders auf den Schutz anderer achten. So sollten sie in der infektiösen Zeit den Kontakt mit Schwangeren oder Immungeschwächten meiden. Für Schwangere ohne Windpockenantikörper kann die Erkrankung eine schwerwiegende Gefährdung des Kindes bedeuten. Auch eine Erkrankung der Mutter kurz nach der Geburt kann für das Neugeborene tödlich verlaufen.

Mütter mit Antikörpern gegen das Virus bieten ihrem Neugeborenen einen Nestschutz von ca. 3 Monaten. Danach können die Kinder an Windpocken erkranken. Eine Impfung ist prinzipiell ab dem neunten Lebensmonat möglich. Ob eine Impfung sinnvoller ist als eine durchgemachte Krankheit ist wie bereits erwähnt jedoch stark umstritten.

Windpocken - eine Kinderkrankheit?

Windpocken zählen zu den Kinderkrankheiten, da der Erstkontakt mit dem Varizella-Zoster-Virus fast immer im Kindesalter erfolgt. Durch die hohe Infektiosität der Krankheit ist ein sicherer Schutz vor einer Infektion nicht möglich. Ist ein Kindergartenkind erkrankt, kann es bereits 2 Tage vor Ausbruch der sichtbaren Symptome andere Kinder anstecken, ohne selbst von seiner Erkrankung zu wissen.

Gelingt es einem Menschen, ohne Erkrankung bis ins Erwachsenenalter zu kommen, kann der Kontakt mit dem Virus auch im Erwachsenenalter noch zu Windpocken führen. Der Verlauf einer Infektion ist dann häufig schwerer als im Kindesalter.

Eine durchgemachte Windpockenerkrankung führt zur lebenslangen Immunität. Ein Teil der Viren verbleibt jedoch in den Nervenbahnen zurück. Werden diese durch Stress oder ein geschwächtes Immunsystem reaktiviert, rufen die Varizella-Zoster-Viren das Krankheitsbild der Gürtelrose hervor.

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