Geschwindigkeiten Tracken - Das passende Equipment

Um Spitzengeschwindigkeiten beim Skifahren tracken zu können, benötigt man zunächst mal das entsprechende Equipment. Am einfachsten geht dies wohl mit einem GPS fähigen Smartphone und einer entsprechenden App.

Auf meinem Handy habe ich jedenfalls die SkiApp LITE für mein Samsung-S3-Mini installiert. Die LITE-Version ist umsonst, speichert die Daten aber nicht dauerhaft ab. Und im Betrieb werden nur die letzten 15 Abschnitte angezeigt. Die App unterscheidet dabei zwischen Abfahrten, Liftfahrten, Gehen und Stehen, wobei jede Fahrt, Gehen und Stehen als ein Abschnitt zählt. Nach dem Beenden und erneutem Öffnen der App sind die letzten Abschnitte weiterhin vorhanden. Wer die Daten dauerhaft gespeichert haben möchte sollte sich die Vollversion zu legen.

Bevor man loslegt muss GPS auf dem Handy natürlich aktiviert werden. Vor dem Losfahren wartet man am Besten so lange bis voller GPS-Empfang vorhanden ist und startet dann die App. Vor dem Tracken nicht vergessen auf Aufnahme zu drücken.

Die folgenden Angaben sind meine persönlichen Eindrücke und können daher individuell sehr unterschiedlich sein. Ich fahre seit über 30 Jahren Ski und bin auf den Pisten eher flott unterwegs.

Skifahren bei normaler Geschwindigkeit

Wer auf blauen, roten und schwarzen Pisten mit moderater Geschwindigkeit unterwegs ist, wird Geschwindigkeiten zwischen ca. 30 km/h und ca. 70 km/h erreichen. Geschwindigkeiten bis 40 km/h würde ich in den Bereich Genussskifahren einordnen, im Gegensatz zu Geschwindigkeiten über 70km/h, die schon als recht flott empfunden werden. Die Angaben sind natürlich - wie oben bereits erwähnt - meine individuelle Einschätzung und oft ist man z.B. auf blauen Pisten auch nur mit 20 km/h oder darunter unterwegs - vor allem auf Ziehwegen und wenn der Stockeinsatz gefordert ist.

Skigebiet Sörenberg/Flüeli und Brienzer Rothorn

Skigebiet Sörenberg - Schwarze Piste am Hundsknubel

Um zu testen, welche Geschwindigkeiten man auf den verschiedenen Pisten erreichen kann, fuhren wir zum nächstgelegenen Skigebiet nach Sörenberg/Flüeli in der Schweiz. Ich war zunächst enttäuscht, da Sörenberg fast nur blaue und rote Pisten zu bieten hat und daher vor allem für Anfänger und nicht für Schussfahrten mit Spitzengeschwindigkeiten ausgelegt ist. Der einzig wirklich steile schwarze Hang befindet sich am Hundsknubel. Das Gute daran ist, dann man die komplette Piste bis zur Liftstation einsehen kann. Das Schlechte daran ist, dass der steile Abschnitt nur sehr kurz ist. Brettert man hier im Schuss bis zur Liftstation hinunter kann man sicher über 80 km/h erreichen. Mein maximales Tempo war 73 km/h.

Dies liegt wahrscheinlich auch an meinen etwas veralteten Latten. Es sind sehr leichte X-Pedition Tourenski von Fischer, auf denen Hans Kammerlander seine Unterschrift hinterlassen hat. Der Belag weist einige Löcher, Kratzer und Schleifspuren von Steinen auf. Bei den Rekordversuchen waren die Ski zwar einigermaßen frisch gewachst, die Kanten dagegen schon ziemlich abgefahren.

Fischer X-Pedition Tourenski

Spitzengeschwindigkeiten am Brienzer Rothorn

Zum Glück sind wir dann aber am Nachmittag noch rüber ins Rothorner Skigebiet gequert. Man gelangt zur Großraum-Gondel über einen Ziehweg, der viel Stockeinsatz erfordert. Die Gondel bringt einen dann in etwa 8 Minuten auf den Gipfel des Rothorns. Es lohnt sich den tollen Ausblick von der Terrasse des Sörenbergs Restaurants zu genießen, bevor man die lange Latscherei durch einen Fußgängertunnel, der zur Piste führt, antritt. Danach eröffnet sich auf jeden Fall der Blick auf die roten Abfahrten des Brienzer Rothorns.

Die Beste Abfahrt um Rekordgeschwindigkeiten aufzustellen war an diesem Tag die Piste Nr. 1 (von oben gesehen die linke Piste), da auf den anderen Pisten Schneeverwehungen schnelle Abfahrten unmöglich machten. Die Pistenverhältnisse waren nicht schlecht, aber auch nicht ganz perfekt, da es im oberen steilsten Bereich ein paar Wellen gab und weiter unten kleinere Eisbrocken auf der Piste lagen. Da aber recht wenig los war konnte man nach der oberen kurzen Engstelle recht gut einschätzen wie voll bzw. leer die Piste war und von da ab im Schuss bis zum Lift runterdonnern. Hier wurden maximal 100 km/h bei einer Durschschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h erreicht. 

Es kam aber noch besser. Denn ich wusste nicht, dass weiter unten nach dem Lift eine der steilsten schwarzen Pisten folgt, die es in der Schweiz gibt. Nach dem Lift fährt man ein kurzes Stück gerade weiter aus und kommt nach einer Rechtskurve auf ein etwas engeres Pistenstück.

Und dann steht man plötzlich am Abgrund - bzw. naja... Am Anfang der super steilen bis zu 40° Grad geneigten Piste. Dies entspricht über 83% Gefälle. Man macht die ersten Schwünge und überlegt sich dann nochmal gut ob hier ne Schussfahrt drin ist. Aber auch dieser Pistenabschnitt ist super einzusehen und man hat einen einigermaßen guten Auslauf, der in einer Rechtskurve weiterführt. Die Schneeverhältnisse wären ähnlich wie bei der roten Piste und so dachte ich nach 20 Meter Rumgerutsche jetzt aber mal los. Beim ersten Anlauf hatte ich dann 122 km/h auf dem Tacho, beim zweiten Mal 111 km/h. Es ist also möglich auf steilen schwarzen Piste über 120 km/h zu erreichen.

Kurz danach folgt dann ein weiterer sehr steiler Hang, der ebenfalls perfekt einsehbar ist und in einer Rechtskurve ausläuft. Diese ist aber so scharf, dass ich beim ersten Mal gleich eine Randmarkierung in Form einer Plastikstange umgefahren hab. Hier empfiehlt sich eine Schussfahrt also nur, wenn man sich richtig gut in die Kurven legen kann.

Die Bilder im Anschluss zeigen den Blick in Richtung schwarzer Piste von der Rothorn Talstation sowie den zweiten Steilhang. Danach folgen die Tracking Daten von der Ski-App.

An der Talstation vom Rothorn mit Blick zurück zur schwarzen Piste

Schwarze Piste: Geschwindigkeits- und Höhenmeterdetails sowie Streckenverlauf (max. 122 km/h)

Fazit

Ist man als Skifahrer etwas flotter unterwegs kann man auf schwarzen Pisten schon Mal die 120 km/h Marke knacken - wenn nicht gar 140 km/h. Auf roten Pisten sind auf jeden Fall über 100 km/h drin, die blauen Pisten hatte ich nicht wirklich gemessen.

Die größte Rolle spielen mit Sicherheit die Steilheit und die Länge der Piste. Irgendwann wird man durch den Luftwiderstand nicht wirklich schneller, was vor allem die folgenden Videos demonstrieren, bei dem die bisherige Rekordgeschwindigkeit von mehr als 252 km/h erreicht wird.

Die schnellsten Männer auf Ski
Weltrekord - 252,454 km/h

Rekordgefälle und Höchstgeschwindigkeiten auf verschiedenen Pisten

Wer Rekorde brechen möchte braucht dafür natürlich auch die steilsten Pisten. Hier mal eine Liste von Pisten mit über 83% Gefälle bzw. mehr als 40° Hangneigung (Grad/Prozent Umrechner). Wenn Ihr noch weitere solcher (präparierten) Pisten kennt, bitte in den Kommentaren auflisten. Bekannte Pisten wie die Harakiri im Zillertal oder die berüchtigte Mont Fort Piste in Verbier haben "nur" 78% bzw. 77% Gefälle.

  • Langer Zug in Lech-Zürs am Arlberg 4,7 km, 912 Hm (Österreich): 142% (55°)
  • Manni Pranger Piste im Wipptal 1,0 km, 520 Hm (Österreich): 102% (46°)
  • Gamsleiten 2 im Skigebiet Obertauern 1,3 km, 362 Hm (Österreich): 100% (45°)
  • Schweizer Wand oder Chavanette 1,3 km, 331 Hm (Schweiz): 100% (45°)
  • Direttissima am Katschberg 3,0 km, 570 Hm (Österreich): 100% (45°)
  • Corviglia in St. Moritz 2,9 km, 800 Hm (Schweiz): 100% (45°) (max. 130 km/h)
  • Kandahar in Garmisch-Patenkirchen 3,3 km, 920 Hm (Österreich): 92% (43°) (max. 130 km/h)
  • Lauberhornabfahrt bei Wengen 4,4 km, 1028 Hm (Schweiz): 87% (41°) (max. 160 km/h)
  • Die Streif im Skigebiet Kitzbühel 3,3 km 861 Hm (Österreich): 85% (40°) (max. 140 km/h)
  • Schwarze Piste am Brienzer Rothorn 3,3 km, 656 Hm (Schweiz): 83% (40°) (max. 120 km/h)
  • Die Harakiri im Zillertal wird oft genannt, weist aber "nur" 78% Gefälle auf (Österreich)
  • Und die Lange Wand, die steilste Piste (14a) in Ischgl, hat gar "nur" 70% Gefälle (Österreich)

Natürlich sind die Angaben mit Vorsicht zu genießen. Zum einen sind nicht alle diese Werte amtlich bestätigt und vor allem können die Pisten je nach Wetterlage ganz unterschiedlich befahrbar sein. So mutiert die Chavanette in Porte du Soleil zum Beispiel jedes Jahr mit über 2 m hohen Hügeln zu einer der anspruchsvollsten Buckelpisten im gesamten Alpenraum. Viele weitere Infos über die längsten und steilsten Pisten in verschiedenen Skigebieten findet man zum Beispiel auf der Webseite von Skiresort. Der Link zeigt ein Bild von der Direttissima am Katschberg.

Über die Steilheit von Pisten gibt es - zumindest in Österreich - klare Regelungen wie man in den ÖNORM S 4611 nachlesen kann:

  • Blaue Pisten haben höchstens 25 Prozent Längs- und Quergefälle (für Anfänger)
  • Rote Pisten haben maximal 40 Prozent Längs- und Quergefälle (für Fortgeschrittene)
  • Schwarze Pisten haben mehr als 40 Prozent Längs- und Quergefälle (für Könner )

Höchstgeschwindigkeiten bei offiziellen Skirennen:

  • Die Lauberhornabfahrt bei Wengen in der Schweiz ist die längste Abfahrt im alpinen Skirennsport. Hier erreichte Johan Clarey im Hanneggschuss am 19. Januar 2013 in der Abfahrt mit 161,9 km/h die höchste je gemessene Geschwindigkeit im alpinen Skiweltcup. 

    Vier weitere Skirennfahrer erreichten an diesen Samstag Rekordgeschwindigkeiten: Als erster am Tag knackte Hannes Reichelt die 160 km/h Marke mit 160,34 km/h. Beim Kanadier Benjamin Thomsen wurden 159,82, beim Schweizer Marc Gisin 158,90 und bei Sieger Christof Innerhofer (Italien) 158,81 Stundenkilometer gemessen. Die alte Bestmarke des Lauberhorn-Rennen hält der Italiener Stefan Thanei aus dem Jahr 2005 mit 156,96 km/h.

  • Auf der Streif werden beim Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühl im langen Zielschuss in der Zielschuss-Kompression Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h erreicht. Darauf folgt noch der Zielsprung mit Sprüngen bis zu 80 Metern. Den bis heute gültigen Streckenrekord auf der FIS Skiweltcup-Strecke erzielte 1997 der Österreicher Fritz Strobl mit einer Laufzeit von 1:51,58 Minuten, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 107 km/h entspricht.

  • Auf der Kandahar in Garmisch erreichen die Profis im Tröglhang bei der Ausfahrt in den Schussanger Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h.
  • Eine Liste aller Rennen vom Ski-Alpin Weltcup 2015/2016 mit vielen bekannten Skiorten und Abfahrtsstrecken findet Ihr auf der Snowplaza-Webseite.

Für alle, die sich etwas mit Physik auskennen:

  • Hangabtriebsbeschleunigung = Fallbeschleunigung * sin 14° = ca. 0,24 * g
  • Die Beschleunigung entspricht also knapp einem Viertel vom freien Fall mit Luftwiderstand. Dabei vernachlässigen wir mal die Gleitreibung von gut gewachsten Ski...
  • Im freien Fall mit Luftwiderstand sind nach 3 Sekunden ca. 25 m/s (90 km/h) erreicht. Auf einer blauen Piste mit einer durchgehenden Hangneigung von 25 Prozent erreicht man diese Geschwindigkeit also nach etwa 12 Sekunden. Zumindest in der Theorie...
Und wer schnell fährt...
... muss auch bremsen (können)
Hans, am 18.03.2016
4 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Autor seit 7 Jahren
59 Seiten
Laden ...
Fehler!