Bin ich auch hochsensibel?

In dem Film "Die anonymen Romantiker" leidet Angelique (Isabell Cárre) an ihrem sensiblen Wesen. Sie erfindet die tollsten Kreationen aus Schokolade, ist aber nicht in der Lage, andere Menschen anzusprechen. Dann fällt sie vor lauter Aufregung in Ohnmacht.

Sie ist nur ein Beispiel, nach Angaben des Forschungsverbundes IFHS sind etwa 15-25% aller Personen von HSP (Highly Sensitive Person) betroffen. Die Auswirkungen können äusserst vielfältig sein. Jeder Mensch reagiert dabei ganz unterschiedlich.

In unserer Umwelt sind wir ständig Reizen und Wahrnehmungen ausgesetzt, viele davon blendet der Mensch allerdings aus. Bei manchen Personen funktioniert dies aber nicht immer, sie nehmen mehr wahr als andere. Das kann zu einer Art Überflutung mit Reizen führen und die betroffene Person überfordern. Oft ist dann die Folge, dass sich diese Menschen zurückziehen, um genau diesen Reizen zu entgehen. Andere sind in der Lage, so damit umzugehen, dass sie die Wahrnehmungen in ihr "normales" Leben einbauen und davon sogar profitieren können.

Werden diese Symptome durch z.B. Menschenmengen ausgelöst, dann wird es oft schwierig, vor die Tür zu gehen. Ein Rückzug in die eigenen vier Wände ist oft die Folge. Bei anderen Menschen zeigt sich HSP durch übervorsichtiges Handeln, was durchaus Vorteile haben kann. Im allgemeinen Sprachgebrauch gibt es verschiedene Bezeichnungen wie beispielsweise "zartbesaitet" oder "Prinzessin auf der Erbse" für hochsensible Menschen.

Hat man das Gefühl hochsensibel zu sein, dann sollte man versuchen, dieses in den Tagesablauf einzubauen und entsprechend zu handeln. Oft erfährt man dadurch schon eine Verbesserung der Lebensqualität. Wenn man nicht vor dem Phänomen HSP flüchtet, sondern sich darauf einlässt, dann ist es auch möglich von den positiven Aspekten zu profitieren. Schafft man dieses, dann kann man durchaus recht schnell einen starken Rückgang von Stresssituationen im Alltag bemerken.

Hat man das Gefühl "mehr" zu fühlen als Andere, dann ist es möglicherweise Hochsensibilität. Eventuell sind es ihre Sinnesorgane, die die Informationen einfach stärker weiterleiten. Das ist nicht schlimm, aber die Selbsterkenntnis kann schon helfen, das tägliche Leben einfacher und besser zu gestalten.

HSP ist keine Krankheit - Hochsensibel - Ein Phänomen, wissenschaftlich umstritten.

Nach einer Veröffentlichung im Jahre 1997 im "Journal of Personality and Social Psychology" wird der Ausdruck Hochsensibilität erstmals näher beschrieben und wissenschaftlich behandelt. Dennoch ist die wissenschaftliche Verwendung des Begriffs Hochsensibel noch immer umstritten. Die IFHS setzt sich für die Zulässigkeit des Begriffes in der Wissenschaft ein, wenn dadurch Hilfe für die die Betroffenen geschaffen werden kann. 

Das Phänomen Hochsensibel kann bei den Betroffenen sowohl positive, wie auch negative Auswirkungen auf das tägliche Leben haben. Akzeptiert der Betroffene die Hochsensibilität, so kann oft ein "sichereres" Leben erreicht werden, gefährliche oder belastende Umstände werden schon im Ansatz vermieden. Riskant wird es dann, wenn man die Anzeichen missachtet und mit Gewalt ein vermeintlich normales Leben wie die Anderen führen will. Doch was ist normal? Der Wanderer oder der Extremkletterer, der Rollerfahrer oder der Motorradrennfahrer? Passt sich der von HSP Betroffene in seinen Tätigkeiten an das Problem HSP an, so kann dies durchaus zu einem weniger riskanten Leben führen. Nur die Missachtung der Anzeichen und das unbedingte Anpassen nach Aussen führt zu riskanten Situationen. Viele HSP Betroffene sind aber scheinbar im Leben recht gute Schauspieler und verbergen ihr "Problem" recht geschickt vor der Umwelt.

Besser scheint es, HSP anzuerkennen und dementsprechend zu leben. Sonst kommt es nämlich öfter zu weiteren Problemen mit der Psyche wie z.B. Depressionen. Diesem Risiko kann man recht gut entgehen, wenn man sich dem Phänomen Hochsensibel stellt.

Anders normal - Die anonymen Romantiker - Über die Begegnung zweier hochsensibler Menschen

In dem am 11.08.2011 in den Kinos vorgestelltem Film "Die anonymen Romantiker" von Jean-Pierre Améris treffen sich zwei Menschen mit den ähnlichen Problemen, zwar jeweils anders, aber dennoch vergleichbar. Während Angelique Schwierigkeiten hat, vor anderen zu sprechen, hat ihr neuer Chef Jean-René Probleme, andere Menschen zu berühren. Beide arbeiten an ihren Problemen, der Zufall führt sie zusammen. Angelique bewirbt sich versehentlich für den Vertrieb in Jean-Renés Schokoladenfabrik. Während sie jahrelang im Hintergrund in einer kleinen Chocolaterie neue Kreationen entwerfen konnte, steht sie plötzlich in der Öffentlichkeit. Nun lernt sie ihren neuen Chef kennen, auch für ihn ein großes Problem. Wider besseren Wissens lädt er sie zum Essen ein. Beide bekämpfen sie ihre Überempfindlichenkeiten, sie muss lernen öffentlich zu sprechen und er bekämpft seine Berührungsängste. So nimmt eine zarte Romanze ihren Lauf. Erstmals wird das Thema Hochsensibel in einem Film behandelt und einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt. Es wäre schön, wenn dies ein Denkanstoß für Betroffene und deren Angehörige wäre. Ist doch der Film ein sympatischer Lichtblick in düsteren Tagen.

Hochsensibel - Gibt es Hilfe?

Viele Menschen kennen die Reaktionen. Doch nur wenige können diese dem Phänomen Hochsensibel zuordnen.

Überempfindlichkeiten werden oft vom Betroffenen selbst als Folge von Stress oder anderen Belastungen gesehen. Der eigentliche Begriff wurde erst Ende der neunziger jahre von der Psychologin Elaine Aron geprägt. Daher ist bislang auch vielen Menschen unbekannt, dass es sich bei HSP um ein psychologisches Phänomen handelt. Nicht wenige Menschen reagieren überaus stark auf Sinneswahrnehmungen, so stark, dass sie oft versuchen, diese ganz zu vermeiden. Hat man aber erkannt, wie der eigene Körper in gewissen Situationen reagiert, kann man dieses Wissen auch verwenden und dadurch auch positive Seiten an sich beobachten. Man muss nur lernen die Wahrnehmungen in das normale Leben einzubauen und zu nutzen.

Das fällt sicher nicht immer leicht, auch deshalb, da viele Ärzte und Psychologen das Phänomen Hochsensibel nicht einmal kennen. Hier hilft die Linkliste des IFHS, der Informations- und Forschungsverbund Hochsensibilität e.V. in Bochum. Hier finden Betroffene aktuelle Listen von Ärzten, Therapeuten und Psychologen die auch auf hochsensible Menschen eingehen und damit Hilfe leisten.

Die letzte Zeit war HSP eher unbeachtet, man kann nur hoffen, dass der Film "Die anonymen Romantiker" von Jean-Pierre Améris dazu beträgt, dass die Probleme der Hochsensiblen mehr beachtet werden. Beide Hauptpersonen des am 11.08.2011 gestarteten Films sind davon betroffen. Zwar mit verschiedenen Auswirkungen begleitet der Film die Beiden bei ihrem Kennelernen und der zarten Liebe, alles unter der Wirkung ihrer hochsensiblen Veranlagungen. daraus ist eine zarte Romanze entstanden, die sich endlich den Problemen hochsensibler Menschen im Alltag widmet.

Vorschaubild: Loslassen von Monika Tugcu  / pixelio.de

Hochsensibilität als Stärke nutzen - von Die_Utopische

Hochsensibilität als Stärke nutzen

Weiterführende Links zum Thema Hochsensibel - Informationen aus den Internet

Startseite des IFHS
Reichhaltige Informationen zum Vertiefen in das Thema vom IFHS, des Informations- und Forschungsverbundes Hochsensibilität e.V.

Zartbesaitet.net
Die Internetseite für Zartbesaitete!

Leben mit Hochsensibilität
Ratschläge für Betroffene und deren Partner

Hawkeye, am 11.08.2011

Kommentare


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Alma am 23.10.2011

Als Physiotherapeutin habe ich festgestellt, dass die meisten Menschen sehr sensibel sind. Besonders die Männer. Sie konnten aber ihre sensible Seite am besten verbergen. Obwohl ich eine gewisse Sensibilität
für ein gutes Persönlichkeitsmerkmal halte.
Hochsensibel, find ich, ist ein negativer Begriff. Ein sehr guter der meinen Daumen zückt.
L.G.
Alma

Hawkeye am 15.08.2011

Guten Morgen Kerstin,
gerade in meiner Zeit als Fluglehrer für Gleitschirm durfte ich sehr viele, darunter auch hochsensible Menschen kennenlernen und ihnen das Gleitschirmfliegen beibringen. Nur gab es dafür noch keinen mir bekannten Begriff. Es war halt einfach so. Viele davon haben das Fliegen als eine Art Therapie gefunden und es hilft ihnen heute noch dabei, etwas relaxter zu leben und mit ihren Ängsten anders umzugehen. Dabei, und auch im privaten Bereich habe ich gelernt, wie man mit dem Phänomen umgehen kann und auch für beide Seiten positive Ergebnisse schafft.
Gruss Jürgen

Traumfaenger am 14.08.2011

Hallo Hawkeye,

sehr interessanter Text. Ich habe von HSP schon gehört und ebenso wie Petra Parallelen zu meinem eigenen Ich erkannt. Allerdings möchte ich für mich gar nicht herausfinden, ob mehr dahinter steckt oder nicht. Das würde ich vielleicht dann tun, wenn es niemanden mehr gäbe, der mich versteht, ich also innerhalb sozialer Gefüge gar nicht mehr klar käme.

Ich vertrete die Ansicht, dass, wie bei vielen anderen Besonderheiten, wie z. B. der durch Traumstundenfee in einem ihrer Artikel beschriebene Asperger-Autismus oder auch AD(H)S und viele, viele andere Syndrome, Phänomene etc., die Umwelt gefordert ist. Ein Mehr an grundsätzlichem Respekt, an Akzeptanz und Toleranz würde für Betroffene schon viel bewirken. Es gibt so viele besondere Menschen, dass eigentlich der Begriff Norm neu definiert werden müsste oder noch besser, abgeschafft gehört. Klar werden sich Betroffene immer von Nicht-Betroffenen unterscheiden und manche Besonderheiten erfordern auch besondere Maßnahmen. Nicht, um im Ansehen der sozialen Gemeinschaft, die sich oft genug alles andere als sozial verhält, besser dazustehen, sondern um das eigene Leben qualitativ aufzuwerten und nicht durch bestimmte Symptome eingeschränkt zu sein.

Besonders schwierig ist es m. E. für betroffene Kinder. Während feinfühlige Erwachsene manch blöden Kommentar doch eher runterschlucken, poltern Kinder, die ihr Gegenüber nicht verstehen, eben doch unverblümt heraus und können, um beim Beispiel HSP zu bleiben, das Sensibelchen sehr und dauerhaft verletzen.

Schön, dass es Autoren wie Dich gibt, die mit ihren Artikeln für mehr Transparenz sorgen und Verstehen helfen. Vielen Dank!

@Inge: Deine ergänzenden Erklärungen finde ich auch sehr interessant. Beispielsweise, was Gedanken- und Reaktionssprünge betrifft. Danke!

LG
Katrin

Gast am 12.08.2011

Hallo Hawkeye
Für den Partner kann es nicht minder anstrengend sein. Möchte er doch gerne folgen können, kommt an seine Grenzen und kann sich ausgeschlossen fühlen. Wichtig ist hier, dass der Betroffene dem Partner erklärt und verständlich macht, dass er das Folgen nicht erwartet. Würde er es erwarten, insbesondere bei der Hochbegabung, hätte er sich nicht diesen Partner ausgesucht. Schwierig wird es für den Partner, wenn schnelle Gedanken- und Reaktionssprünge folgen. Schritte werden ausgelassen und der Partner muss nun versuchen, dem zu folgen. Das funktioniert nur, wenn der Partner zugibt, dass er nicht mehr folgen kann und der Betroffene einen oder mehrere Schritte zurückrudert, um seine Zwischenschritte zu erläutern. Das Reden über die eigenen Gefühle, Gedanken ist wichtig. Und das erkennen für sich selbst, dass der Selbstwert nicht sinkt, wenn das Gefühl auftritt, dass man nicht verstanden wird. LG

Hawkeye am 12.08.2011

Guten Morgen! Vielen Dank für die Daumen. Inge hat recht, es ist anstrengend für die Betroffenen, aber auch für deren Partner. Das Umgehen mit Hochbegabt oder Hochsensibel will gelernt sein, es braucht seine Zeit, bis man versteht. Erst dann kann man Betroffenen auch eine Hilfe sein. Vielleicht kann der Film die Gesellschaft etwas sensibilisieren und Verständnis wecken, denn es sind mehr Personen von HSP beieinflusst, als man denkt. Und viele davon wissen es nicht einmal.

Liebe Grüße,
Jürgen

Gast am 11.08.2011

Hallo Hawkeye, ein sehr guter und informativer Artikel. Sehr empfehle ich das Buch "Jenseits der Norm...". wie du auch in deiner Amazon Liste erwähnt hast. Da ich mich seit Jahren mit der Hochbegabung auseinandersetze, stelle ich bis heute fest, dass Hochbegabung und die häufige begleitende Hochsensibilität schwer für die Umstehenden zu verstehen ist. Hochbegabte Menschen nehmen, ob sie wollen oder nicht, weitaus mehr Dinge / Sachen auf, als "Normalbegabte". Das strengt an. Alles wird überdacht, gespeichert und bei Bedarf herausgeholt. Der Kopf fährt zum Teil Achterbahn. So wie es Vorteile hat, insbesondere im kreativen und beruflichen Bereich, hat es im privaten Bereich oft auch Nachteile. Und das macht u.a. sensibel. Ein damit Umgehen muss erlernt werden. Ansonsten folgen, wie du geschrieben hast, wunderbare schauspielerische Leistungen, die jedoch irgendwann unweigerlich zu psychischen Erkrankungen führen können. Viele diese Menschen werden zu klassischen Mobbingopfer. Sie sind "anders" und anders sein, kann heißen, du bist nicht Willkommen. Du bist uns fremd. Und davor haben viele Menschen Angst. So wie es manchmal heißt: Geld macht sexy, kann es auch heißen: Wissen, Sensibilität, schnelle Erfolge machen Angst.
Dafür ein Daumen, 10x Liegestützen und einmal um den Block rennen von mir
LG

Stehlampen-Petra am 11.08.2011

Lieber Hawkeye,
ich manchen Passagen deines Textes erkenne ich mich wieder.

Meiner Meinung nach sind sehr viele Menschen hochsensibel.
Es ist bestimmt der beste Weg es so zu akzeptieren wie es ist.
Selbsthilfe, manchmal auch ein bißchen Überwindung, ist bestimmt die beste Hilfe.

Liebe Grüße und ein Däumchen
Petra


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