Hagelschlag und Unwetter verhindern - Hagelflieger verhindern Schäden

Gott macht das Wetter und die Menschen den Kalender, heißt eine alte Bauernregel.

Doch das hat immer weniger Gültigkeit. Seit Jahren schon sorgen namhafte Skigebiete mit Schneekanonen dafür, dass bei ihnen Pistengaudi garantiert ist - auch wenn vom Himmel kein Schneeflöckchen gefallen ist.

Immer entschiedener geht es nun einem anderen Wetterphänomen an den Kragen: dem Hagel.

Stellen Sie sich vor: Sobald ein Hagelwölkchen am Himmel erscheint, steigen Flugzeuge auf. Sie bearbeiten die Wolke chemisch. Wenn sie dann abregnet, schlagen keine tennisball-großen Hagelkörner mehr auf. Autobesitzer, Schadensversicherer und Bauern freuen sich, dass nur noch kleine Hagelkörner oder sanfter Schneematsch zur Erde fällt. Die Gefahr ist abgewandt: Ein Hagelschauer, der etwas hätte zerstören können, ist abgemildert worden. Das heißt: keine Dellen im Auto, keine zerborstenen Fensterscheiben, keine zerstörte Ernte.

 

Hagelflieger ausschicken - Soll der Mensch eingreifen?

Wolken impfen - So wird Hagel verhindert

Sobald die gelblichen Hagelwolken am Himmel auftauchen, sind die Hagelflieger gefragt. Während normale Piloten bei aufziehendem Unwetter mit Gewitter sicheren Boden unter die Füße bekommen wollen, beginnt für die Hagelflieger jetzt erst die Arbeit.

Sie steigen mit ihren Flugzeugen auf und nehmen Kurs auf die Wolke. Ausgestattet sind die Flieger mit zwei Tanks rechts und links an den Tragflächen. In diesen befindet sich Silberjodid. Das wird bei der Wolke  - die ja ein loses Gebilde ist und keine "Hülle" hat - gezündet.

Da Silberjodid ein Salz ist, bindet es Wasser - genauso wie die anderen Partikel in der Luft. Es sorgt also dafür, dass mehr Hagelkörner entstehen. Gleichzeitig verhindert es, dass sich die einzelnen Hagelkörner zu sehr vergrößern.

Wodurch entsteht ein Hagelschaden?

Im starken Aufwind einer Gewitterwolke werden kleinste Partikel hin- und hergeschleudert. Sie kühlen ab, steigen und sinken immer wieder. Dabei ziehen sie Wasser an, das gefriert. Das geht so lange, bis die Eiskugel zu schwer wird und als Hagelkorn zur Erde fällt. Groß wie eine Nuss, ein Taubenei oder gar ein Tennisball heißen dann die Superlative. Fakt ist: Mindestens 0,5 Zentimeter Durchmesser muss das Eis haben, dann nennen es die Meteorologen Hagel. Was kleiner ist, heißt dagegen einfach Graupel.

 

Natürlich gewinnt das Hagelkorn beim Sturz auf die Erde kontinuierlich an Fahrt. Bis zu 50 Stundenkilometer kann es schnell werden. Durch den Aufschlag mit hoher Geschwindigkeit entsteht dann der Hagelschaden: Dellen am Auto, kaputte Fensterscheiben oder zerschlagene Früchte und Pflanzen.

Was ist Geo-Engineering?

Geo-Engineering ist der Versuch der Menschen, das gesamte Wetter zu beeinflussen und nach seinen Wünschen zu verändern.

Das ist jedoch nicht das Ziel der Hagelflieger. Ihnen geht es lediglich darum, starke Hagelschauer und die daraus resultierenden Schäden zu verhindern. Deshalb wehren sich gegen den Vorwurf, "Wettermacher" zu sein.

Übrigens gibt es bereits seit den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts Versuche, den Hagel durch Silberjodid einzudämmen. Zunächst bombardierte man die Wolken vom Boden aus mit der Lösung. Seit den 70er-Jahren sind hierfür Flugzeuge im Einsatz.

Übrigens: Wissenschaftliche Versuche bestätigen den Erfolg der Methode bis heute nicht zu 100 Prozent.

Wie wird das Wetter?

Zu guter Letzt - Olympia ohne Regen

England und Regen gehören zusammen - niemand würde sich an einem Schauer bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London stören. Ein Thema, das bei der Eröffnung humorvoll aufgeriffen wurde: Die maschierten in Gummistiefeln ein.  Das sah vor vier Jahren in China ganz anders aus. Damit kein Regen die Eröffnungsfeierlichkeiten stört, ließ man die Wolke zuvor kontrolliert abregnen. Auch hier wurden Flieger mit Silberjodid an Bord eingesetzt.

Gut gerüstet raus - Es gibt kein schlechtes Wetter
Myrtis, am 03.08.2012
6 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.



Autor seit 2 Jahren
42 Seiten
Pagewizz auf Facebook
Laden ...
Fehler!