Doch so etwas gibt natürlich keiner gerne zu, da das nach wie vor gesellschaftlich eher weniger akzeptiert wird, schließlich versuchen Babys nicht aus reiner Boshaftigkeit ihre Eltern durch vorgetäuschte Schlafstörungen zu ärgern. Dennoch, wenn sich schlaflose Nächte extrem häufen, kann das deutlich an die Substanz der Eltern gehen. Einschlafstörungen bzw. Schlafstörungen, Schreibabys, und dementsprechend Schlafmangel sowohl bei den Kleinkindern als auch den Eltern, sind Dinge, die eine nervliche Herausforderung für die Eltern sind.

Daher suchen viele auch Rat in entsprechender Fachliteratur wie etwa "Kinderkinder 06. Einschlafen, Durchschlafen & Ausschlafen ", "Schlafstörungen bei Kindern. Das Erlernen der 'Guten Nacht'", "So schläft Ihr Kind gut. Erkennen und beseitigen Sie Schlafstörungen Ihres Kindes" oder der Klassiker "Jedes Kind kann schlafen lernen". Nun erschien ein weiterer "Ratgeber" der zum absoluten Überraschungserfolg in den USA wurde und inzwischen in über 20 Sprachen übersetzt wurde. Sein Titel? Der geneigte Leser möge sich festhalten: "Go the Fuck to Sleep".

"Go the Fuck to Sleep" – "Verdammte Scheiße, schlaf ein"

Ein Gag für Facebook, wird zum gedruckten Bestseller

Wer den Titel "Verdammte Scheiße, schlaf ein" liest, wird wohl sofort erkennen, dass es sich bei dem Buch von Adam Mansbach kaum um einen ernst gemeinten Ratgeber über Schlafstörungen für junge Eltern handeln kann, wenngleich – vom Titel abgesehen – die übrige Aufmachung durchaus einem klassischen "Gute-Nacht-Büchlein" gleichkommt. Auf 14 Doppelseiten mit netten, kindgerechten Illustrationen findet sich jeweils ein Vierzeiler und lässt so durchaus an ein Vorlesebuch denken, aus dem der Vater oder die Mutter dem Kleinen beim ins Bett gehen noch ein paar Einschlafreime vorlesen kann. In der Tat erscheinen die ersten Worte dieser Verse entsprechend, doch dürfte der Schluss wohl kaum mehr ins gängige pädagogische Konzept passen. Zu den harmloseren gehört folgender Vers: "Das Schaf schmiegt sich an seine Lämmer. / Das Kätzchen schnurrt leise und fein / Du liegst endlich in deinem Bett mein Schatz. / Verdammte Scheiße, schlaf ein." Ein anderer: Der Tiger dämmert im Dschungel / Der Spatz lässt das Zwitschern sein / Scheiß auf den Teddy, ich hol überhaupt nichts /Augen zu. Keine Zicken Schlaf ein!

Traumfänger nach indianischem Vorbild
Dreamcatcher
Dreamcatcher
Traumfänger

Manchmal lässt sich Erfolg planen, in diesem Fall wurde der Autor Adam Mansbach hingegen gänzlich überrascht, zumal es ursprünglich gar nicht in seiner Absicht lag dieses Buch (zudem als "Ratgeber über Schlafstörungen für Eltern") zu schreiben. Als Romanautor ist er zwar bisher durchaus erfolgreich in Erscheinung getreten und hat neben guten Kritiken auch den California Book Award gewonnen. Seine bisherigen Titel in englischer Sprache waren Shackling Water (2002), genius b-boy cynics getting weeded in the garden of delight. (2005), A Fictional History of the United Staes With Huge Chunks Missing (2006), Angry Black White Boy (2007) und The end of the Jews (2008). Der Titel "Go the Fuck to Sleep" sollte eigentlich nur ein Gag des Autors sein, den er auf seiner Facebook-Seite gepostet hat, gewissermaßen als Seufzer, nach einem anstrengenden Versuch seine kleine Tochter mit SChlafstörungen ins Bett zu bringen. Diese Zeile blieb jedoch nicht ohne Folgen und es gab zahlreiche positive Reaktionen, dass er beschloss diesen "Ratgeber für Eltern" herauszubringen.

"Verdammte Scheiße, schlaf ein" trifft den Nerv

Niemand traut es zu sagen, doch viele lachen darüber

Nich nur mit dem Buchtitel, sondern auch mit dessen ironisch bis grenzwertigen Versen scheint Adam Mansbach ganz offensichtlich vielen Eltern aus dem Herzen zu sprechen und den häufig gereizten Nerv, zu treffen. Das DIN A5 große Büchlein verkauft sich tausendfach und ist bereits kurz nach Erscheinen in 20 Sprachen übersetzt worden, was durch die Reimform nicht immer einfach ist, ohne dass dabei der ursprüngliche Witz auf der Strecke bleibt. Vergleicht man die Deutsche Variante mit der Originalausgabe fällt insbesondere eines auf. Der Bogen vom völlig harmlosen Anfang hin zum abschließenden Fluch oder Verwünschung ist weit weniger gespannt als dies im Englischen der Fall ist.

Ungedruckt auf Platz 1

Das Buch war noch nicht gedruckt und der Autor Adam Mansbach testete bei einer Lesung nur die Reaktionen des Publikums, um es selbst einschätzen zu können. Dies dürfte wohl eine folgenschwere Entscheidung gewesen sein. Obwohl die gedruckte Fassung erst etwa ein halbes Jahr später geplant war und bisher nur Vorankündigungen existierten, kletterte der "Ratgeber für Eltern" schon nach wenigen Tagen in der Bestsellerliste von Amazon hoch bis auf Platz eins alleine aufgrund der großen Anzahl von Vorbestellungen. Daraufhin wurde der Erscheinungstermin vorgezogen und die geplante Auflagenhöhe um das fünfzehnfache erhöht. Zu finden ist nun auch die deutsche Version in den Buchhandlungen, jedoch eher nicht unter den Ratgebern für Eltern, auch nicht in der Abteilung Kinderbücher, sondern dort wo sich einschlägiger Humor ansiedelt. Sicherheitshalber wird auf der Rückseite auch noch darauf hingewiesen, dass das Buch eher nicht den Kindern vorgelesen werden sollte …

Adam Mansbach: "Verdammte Scheiße, schlaf ein!". Aus dem Englischen von Jo Lendle. DuMont-Verlag, 32 Seiten mit 18 farbigen Illustrationen von Ricardo Cortés.

 

Efes, am 06.07.2011
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Bildquelle:
Karin Scherbart (Asterix bei den Pikten – Rezension)

Autor seit 3 Jahren
315 Seiten
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