Der Kampf des Martin Luther King und seine Ermordung

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Martin Luther King als Sohn eines Pfarrers aufwuchs und selbst Pfarrer wurde, waren die USA immer noch geprägt durch eine weitgehende Rechtlosigkeit und Benachteiligung der schwarzamerikanischen Bevölkerung, die insbesondere in der Segregation, der strikten Trennung der schwarzamerikanischen Bevölkerungsminderheit von der weißen Bevölkerungsmehrheit in öffentlichen Einrichtungen zum Ausdruck kam, wie sie vor allem in den Südstaaten praktiziert wurde. So gab es beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln Sitzplätze, die Weißen vorbehalten waren.

Der Kampf gegen die Segregation begann, als sich am 1. Dezember 1955 in der Stadt Montgomery die Schwarzamerikanerin Rosa Parks weigerte, im Bus von einem für Weiße reservierten Sitz aufzustehen. Als sie daraufhin verhaftet wurde, waren sich die Angehörigen der schwarzen Bevölkerung in Montgomery einig, nicht mehr mit dem Bus zu fahren, und nachdem sie dies ein Jahr durchgehalten hatten, kam der Oberste Gerichtshof zu dem Schluss, dass Rassentrennung in Bussen verfassungswidrig und daher aufzuheben sei. Zum Anführer des Boykotts war der 26 Jahre alte Martin Luther King gewählt worden, der in Montgomery seine erste eigene Gemeinde übernommen hatte.

Nach Montgomery kämpften auch in anderen Städten Schwarze für ihre Rechte. Martin Luther King wurde zum Vorsitzenden der Southern Christian Leadership Conference (SCLC) gewählt und entwickelte sich zum charismatischen Anführer der Bürgerrechtsbewegung. Unermüdlich reiste er durch das Land, um Protestaktionen zu organisieren oder an ihnen teilzunehmen, wobei er auf direkte gewaltfreie Aktionen wie Märsche, Sitzblockaden und Gebetskreise setzte. Sein großes Vorbild war dabei der gewaltfreie Widerstand des indischen Freiheitskämpfers Mahatma Gandhi.

1963 sprach King in einer Demonstration in Washington DC vor 250 000 Teilnehmern von seiner Vision einer Gesellschaft ohne Rassentrennung: "I have a dream!" Tatsächlich wurde 1964 durch den Civil Rights Act die Rassentrennung insgesamt aufgehoben, King erhielt den Friedensnobelpreis, und ein Jahr später trat ein neues Wahlrecht in Kraft, durch das alle schwarzen Amerikaner wählen konnten, also nicht nur diejenigen, die – wie es bis dahin Praxis war – einen Bildungstest bestanden hatten.

Faktisch änderte sich aber an der Situation der schwarzen Bevölkerung wenig. Die meisten Schwarzen waren nach wie vor deutlich ärmer als die Weißen. Gelder, die eigentlich für Maßnahmen zur Förderung der schwarzen Bevölkerung bestimmt waren, wurden stattdessen zur Finanzierung des Vietnamkriegs verwendet. Martin Luther King erkannte, dass Rassismus, Armut und Krieg untrennbar miteinander verbunden waren und dass folglich Ungerechtigkeit kein nationales, sondern ein internationales Problem war, das Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe betraf. Diese Position brachte King den Zorn des Weißen Hauses ein, in dem er früher ein gern gesehener Gast war, und er geriet auch ins Visier der amerikanischen Bundespolizei FBI.

Kings Leben endete am 4. April 1968 in Memphis, wo er an der Seite schwarzer Müllarbeiter für besseren Lohn kämpfen wollte. Als er nämlich den Balkon seines Hotels betrat, wurde er niedergeschossen und starb – mit 39 Jahren. Offiziell wurde der weiße James Earl Ray als Einzeltäter verurteilt. Er soll aus Rassenhass zum Mörder geworden sein. Immer wieder hat es jedoch Vermutungen gegeben, dass King einer groß angelegten Verschwörung zum Opfer gefallen sei.

Die Ermordung des Hoffungsträgers Robert F. Kennedy

Fast genau zwei Monate nach dem Attentat auf Martin Luther King ereilte Robert F. Kennedy, zum damaligen Zeitpunkt aussichtsreicher Bewerber um die Präsidentschaft der USA, das gleiche Schicksal. Und zwar wurde Kennedy in der Nacht vom 4. zum 5. Juni 1968, nachdem er nach Siegen bei wichtigen Vorwahlen in einem Hotel in Los Angeles mit Anhängern gefeiert hatte, angeschossen und dabei so schwer verletzt, dass er wenig später starb. Er wurde 42 Jahre alt. Der palästinensische Einwanderer Sirhan Sirhan wurde noch am Tatort, der Kaltküche des Hotels, als Attentäter festgenommen, und die Tatwaffe wurde sichergestellt. Tatmotiv sollen betont israelfreundliche Äußerungen Kennedys im Vorwahlkampf gewesen sein.

Im Fall Robert F. Kennedy gibt es wie im Fall Martin Luther King bis zum heutigen Tag Verschwörungstheorien. Aber im Fall Kennedy gibt es tatsächlich stichhaltige Indizien, die gegen die These vom Einzeltäter Sirhan sprechen. So ist einem Autopsie-Bericht zufolge Kennedy aus kurzer Distanz von hinten erschossen worden. Sirhan stand allerdings nachweislich vor ihm, als die Schüsse fielen. Belegt scheint auch, unter anderem durch Augen- und Ohrenzeugen, dass bis zu dreizehn Mal auf Kennedy geschossen wurde. In Sirhans Waffe passten aber nur acht Patronen. All dem ist jedoch nie nachgegangen worden, so dass die Frage, warum, nachdem bereits Präsident John F. Kennedy einem Attentat zum Opfer gefallen war, auch der jüngere Bruder Robert sterben musste - und zwar gerade in dem Moment, als er große Chancen hatte, selbst Präsident der Vereinigten Staaten zu werden - bis heute viele Amerikaner umtreibt.

Wer war Robert F. Kennedy und welche politischen Ziele hat er verfolgt? Wenn man sich mit der Person Robert F. Kennedy beschäftigt, hat man den Eindruck, dass man es hier mit einem Menschen zu tun hat, bei dem ein fundamentaler Wandel seiner persönlichen Einstellungen und Meinungen stattgefunden hat– man denkt hier unwillkürlich an den Wandel des Saulus zu Paulus - was wohl vor allem auf den Tod des Bruders zurückgeführt werden kann. So begann der studierte Jurist Robert F. Kennedy seine politische Laufbahn 1952 eher unrühmlich als enger Mitarbeiter des rabiaten "Kommunistenjägers" Joseph McCarthy. Ferner trat Kennedy im Wahlkampf seines Bruders für die Präsidentschaftswahl 1960 als kühl kalkulierender Politstratege in Erscheinung.

Als Robert F. Kennedy nach dem Sieg seines Bruders Justizminister geworden war, wuchs jedoch sein Interesse an sozialen Missständen, und er wurde zu einem entschlossenen Kämpfer gegen das organisierte Verbrechen. Nach der Ermordung von John F. Kennedy blieb Robert F. Kennedy zunächst im Kabinett des Nachfolgers Lyndon B. Johnson, verließ aber 1964 die Regierung und wurde Senator von New York. In dieser Funktion wurde er unter dem Eindruck amerikanischer Kriegsverbrechen zu einem entschiedenen Gegner des Krieges der USA in Vietnam. Ferner entwickelte er ein enormes Gespür für soziale Ungerechtigkeit und die Unterdrückung der Afroamerikaner. Unrecht und Diskriminierung stellte Robert F. Kennedy die Vision von einem sozial gerechten, durch Mitgefühl geprägten und Frieden stiftenden Amerika gegenüber und wollte 1968 selbst Präsident werden, um diese Vision zu verwirklichen.

Mit seinen politischen Positionen gelang Robert F. Kennedy bei den Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl 1968 tatsächlich das Kunststück, sowohl weiße Farmer, pazifistische Studenten und liberale Intellektuelle als auch lateinamerikanische Einwanderer und schwarze Bürgerrechtler für sich zu gewinnen. Für eine kurze Zeit war damit die Spaltung, die Zerrissenheit, der amerikanischen Gesellschaft überwunden – um nach der Ermordung Kennedys in voller Schärfe wieder hervorzutreten und sich in den darauffolgenden Jahrzehnten immer weiter zu verfestigen. Es ist deshalb kein Wunder, dass auch nach fünfzig Jahren viele Amerikaner des Visionärs Robert F. Kennedy gedenken.

Das Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke

Wenige Tage nach der Ermordung Martin Luther Kings in den USA, nämlich am 11. April 1968, war auch die damalige Bundesrepublik Deutschland, der westdeutsche Teilstaat, Schauplatz eines Attentats. Opfer war der Wortführer der Studentenbewegung Rudi Dutschke. Er wurde von dem Rechtsextremisten Josef Bachmann mitten in Berlin durch mehrere Schüsse niedergestreckt und dabei lebensgefährlich verletzt. Dutschke überlebte zunächst das Attentat, starb aber 1979 an den Spätfolgen. Er wurde 39 Jahre alt.

Dieser Mordanschlag war ebenso wie die Attentate auf Martin Luther King und Robert F. Kennedy in den USA das Resultat spezifischer politischer und sozio-kultureller Rahmenbedingungen, die zum damaligen Zeitpunkt herrschten. So verstand sich die Bundesrepublik 1968 als ein Staat, der sich im Kalten Krieg zwischen den Blöcken "NATO" und "Warschauer Pakt" an vorderster Front zu behaupten hatte und dabei auf den Schutz der USA angewiesen war. Deshalb war uneingeschränkte Loyalität gegen den Vereinigten Staaten sozusagen die erste Bürgerpflicht.

In dieser Situation hatte sich an den Universitäten eine studentische Protestbewegung formiert, die es – neben der Kritik an spezifischen Missständen in der Bundesrepublik - wagte, die USA wegen ihres Krieges gegen das kommunistisch beherrschte Nordvietnam zu verurteilen, und die mehr noch mit der Ideologie des politischen Gegners zu sympathisieren schien. Der "Feind" schien sich mit anderen Worten nicht mehr nur außerhalb der Grenzen des eigenen Bündnisses zu befinden, sondern sich "im eigenen Lager breitzumachen" und die politische Stabilität zu untergraben. Alles, was die Bundesrepublik in den gut 20 Jahren, die seit dem Zweiten Weltkrieg vergangen waren, an Aufbauleistung erbracht hatte, schien auf dem Spiel zu stehen. Deshalb wurden die aufrührerischen Studenten, insbesondere ihr charismatischer Anführer Rudi Dutschke, letztlich sogar zu Staatsfeinden erklärt, wobei diese Diffamierung vor allem von den Zeitungen des Springerkonzerns betrieben wurde.

Josef Bachmann war jedenfalls von dieser Medienkampagne so beeindruckt, dass er es nicht bei verbalen Angriffen belassen wollte, sondern zur Tat Schritt, um die Bundesrepublik von der kommunistischen Gefahr, die ja, wie man ihm weisgemacht hatte, von Rudi Dutschke ausging, zu befreien. Nach der Tat war wie bei den Morden an Martin Luther King und Robert F. Kennedy in den USA schnell vom fanatisierten Einzeltäter die Rede. Aber im Fall Bachmann stellte sich schließlich heraus, dass er Mitglied eines rechtsextremen Netzwerks gewesen war.

Bleibt die Frage, welche politischen Überzeugungen Rudi Dutschke wirklich vertreten hatte. Hier ist zunächst zu betonen, dass Rudi Dutschke zwar Marxist war, dass er aber die bestehenden kommunistischen bzw. sozialistischen Gesellschaften als autoritär ablehnte. Ferner war für ihn das Christentum keine Droge, mit der man die Gehirne einfacher Menschen vernebeln konnte, wie Marx kritisch angemerkt hatte, sondern Jesus Christus war für Dutschke der größte Revolutionär, den es jemals gegeben hatte. Rudi Dutschke war also Marxist und gleichzeitig gläubiger Christ. Insgesamt kann man seine politische Position als herrschaftskritischen demokratischen Sozialismus umschreiben.

 

Schlusswort

Zwischen der Vision einer freiheitlichen, gerechten und solidarischen Gesellschaft, deren Verwirklichung Martin Luther King und Robert F. Kennedy angestrebt hatten, und der Idee eines demokratischen Sozialismus, wie sie Rudi Dutschke vertreten hat, bestehen meines Erachtens durchaus Parallelen. Vielleicht könnte man auch sagen, dass Martin Luther King, Robert F. Kennedy und Rudi Dutschke gleiche oder zumindest ähnliche politische Ziele hatten und dass dies Ziele waren, deren Erreichung eine grundlegende Veränderung der bestehenden kapitalistischen Gesellschaft vorausgesetzt hätte.

Quellennachweis:

https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther_King

https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_F._Kennedy

https://de.wikipedia.org/wiki/Rudi_Dutschke

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Ulrich Chaussy/amazon.de

Autor seit 7 Jahren
142 Seiten
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