Gründe für die Angst der Deutschen

Die Argumente gegen Aktien sind vielfältig und dieser Art von Geldanlage haftet in Deutschland grundsätzlich ein schlechtes Image an. Fragt man im näheren Umfeld nach, hört man oft Sprüche wie "die sind doch viel zu riskant, ich bin doch kein Zocker" oder "bei den großen Schwankungen an der Börse kann das Ganze doch nur in Verlusten enden" oder "das ist doch nur was für Leute mit viel Geld, so etwas kann ich mir gar nicht leisten".

Ein Grund für die Ablehnung liegt sicher in den schlechten Erfahrungen, die einige Anleger mit der dot.com - Blase gemacht und sich daran die Finger verbrannt haben. Richtig ist auch, dass Aktien Gefahren in sich bergen, wie z.B. ein Totalverlust falls das Unternehmen insolvent wird oder zeitweiser Verluste bei Kursschwankungen. Geldanlagen sind aber nie risikofrei. Deshalb muss jeder Anleger selbst für sich entscheiden wo er den Schwerpunkt seiner Vermögensanlage setzen möchte und die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen.

Laut einer Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI) vom 12. Februar 2015 scheinen sich im Rahmen dieser Abwägung auch 2014 viele gegen Aktien entschieden zu haben, denn danach erleidet "die Aktienkultur in Deutschland einen erneuten Rückschlag: Rund 500.000 Menschen trennen sich von Aktien oder Anteilen an Aktienfonds. Die Zahl der Aktienanleger sinkt damit zum zweiten Mal in Folge - und zwar trotz steigender Kurse. Nur noch 8,4 Millionen Menschen (13,1 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahre) sind danach am Aktienmarkt engagiert. Die konservative Struktur der Geldanlage kostet die Menschen im Ergebnis viel Geld."

Stock Market

Stock Market (Bild: Tax Credits / Flickr)

Welche Vorteile bieten Aktien?

Beim Kauf von Aktien wird man Aktionär und somit zum Teilhaber eines Unternehmens. Die damit verbundenen Vorteile sind: 

    • Dividenden
    • Wertsteigerung
    •  Kurzfristige Verfügbarkeit des eingesetzten Kapitals
    •  Aktionärsrechte 

Dividenden

Was sind denn überhaupt Dividenden?

Laut Duden ist die Dividende ein jährlich auf eine Aktie entfallender Anteil am Reingewinn. Das bedeutet, dass man als Aktionär am Gewinn des börsennotierten Unternehmens beteiligt wird und eine Dividendengutschrift auf seinem Konto erhält. Das gilt aber nur, wenn der Vorstand des Unternehmens die sogenannte Ausschüttung einer solchen Dividende vorschlägt und diese von der Hauptversammlung beschlossen wurde.

Bei deutschen Aktien erfolgt die Auszahlung meist jährlich bei amerikanischen findet in der Regel eine vierteljährliche oder sogar monatliche Auszahlung statt. Es gibt aber auch Unternehmen, die jahrelang oder zeitweise keine Ausschüttungen vornehmen. Solche sollte man vermeiden, wenn man an regelmäßigen Zahlungen interessiert ist.

Dividendenrendite 

Die Dividenden sind also eine Art Zins, den man für das in die Aktien investierte Geld bekommt. Doch wie hoch ist denn nun dieser Zins? Um diesen zu berechnen, muss man sich die Dividendenrendite genauer anschauen.

Nur anhand der Dividendenrendite kann man beurteilen, ob die ausgeschüttete Dividende attraktiv ist oder nicht. Man darf sich nämlich nicht allein von der Dividendenhöhe pro Aktie leiten lassen.

Es ist also nicht automatisch die Aktie X, die eine jährliche Dividende in Höhe von 3 € pro Aktie ausschüttet, besser als die Aktie Y, deren Dividende 2 € beträgt. Vielmehr braucht man zur Berechnung der Rendite noch den Aktienkurs, den man in Bezug zu der Dividende setzen muss. Als Aktionär möchte ich schliesslich wie viel ich für mein investiertes Kapital bekomme.

Die Formel für die Berechnung der Dividendenrendite in Prozent lautet daher:

 Dividendenrendite in % = Dividende/Aktienkurs x 100

Zurück zum Beispiel von vorhin. Geht man davon aus der Kurswert der Aktie X ist 65 € und der Aktie Y ist 35 €, so ergibt sich eine jährliche Dividendenrendite von 4,6% für die Aktie X und 5,7% für die Aktie Y.

 

Dividenden-Aristokraten

Bekannt für regelmäßige Zahlungen sind insbesondere die sogenannten Dividenden-Aristokraten. Das sind Unternehmen, die seit mehr als 25 Jahren jährlich ohne Unterbrechung Dividenden ausschütten und zudem regelmäßig erhöhen.

Das hat den Vorteil, dass man einen konstanten Kapitalzufluss und eine stetig wachsende Dividendenrendite hat, weshalb diese Art von Unternehmen als risikoarme -wenn auch nicht risikofreie- Anlageform gelten.

Dividenden-Aristokraten sind vor allem im amerikanischen Markt stark vertreten und viele sind uns auch in Deutschland ein Begriff, wie z.B. Coca-Cola, McDonalds, Johnson & Johnson, Procter & Gamble, etc.

Natürlich darf man angesichts dieser soliden Anlagemöglichkeit nicht erwarten, von Anfang an eine hohe Rendite erwirtschaften zu können.

Kauft man zum Beispiel Coca-Cola zum Kurswert von 40,55 USD pro Aktie, bekommt man alle drei Monate eine Dividende von 0,33 USD pro Aktie, also 1,32 USD im Jahr, ausgeschüttet. Das ergibt eine jährliche Rendite von 3,25%, was vielleicht nicht sehr hoch erscheinen mag, da man noch die Steuern abziehen muss, aber mehr als magere 1,0% (vor Steuern) für Tagesgeld ist es allemal.

 

Wertsteigerung

Der Aktienkurs ist täglich Marktschwankungen unterworfen, so dass der für die Aktien gezahlte Kaufpreis mal höher oder niedriger sein kann, je nach Kursverlauf an der Börse. Eine Wertsteigerung entsteht somit dann, wenn der Verkaufskurs höher liegt als der bezahlte Kaufpreis. 

Buy-and-hold

Der tägliche Blick auf die Börsenkurse ist aber nicht notwendig, wenn man eine auf Dauer angelegte Aktienanlage verfolgt.

Im Fachjargon spricht man in diesem Zusammenhang meist von der "buy and hold"- Strategie. Also man kauft die Aktien mit dem Ziel sie zu behalten und nicht gleich wieder veräußern zu wollen.

Aufgrund des längerfristig ausgelegten Anlagehorizonts muss man somit nicht ständig die Kursentwicklung im Auge behalten, sondern kann auch bei Kursverlusten entspannt bleiben. Dies gilt zumindest bei den oben erwähnten Dividenden-Aristokraten, die natürlich ebenfalls Kursschwankungen nach unten ausgesetzt sind aber in der Gesamtschau über die Jahre hinweg eine stetige Kurssteigerung aufweisen.

Für eine buy-and-hold Strategie eignen sich daher besonders diese Art von Aktien, da diese gute Chancen haben auf lange Frist eher den Wert zu steigern als ihn zu reduzieren.

Wann macht die buy-and-hold Strategie Sinn?

Diese Strategie macht jedoch nur dann Sinn, wenn man bereit ist, Geld auf längere Zeit anzulegen. Ist man hingegen auf das investierte Geld angewiesen und besteht die Gefahr, dass man kurzfristig darauf zurück greifen und die Aktien verkaufen muss, sollte man von dieser Art von Anlage absehen. Es kann zwar passieren, dass man Glück hat und der Kurs gerade am Tag des Verkaufes über dem Einkaufspreis liegt, aber es kann auch genauso gut sein, dass man ausgerechnet an diesem Tag ein Kurstief vorfindet und große Verluste hinnehmen muss.

 

Kurzfristige Verfügbarkeit des Kapitals

Die Aktien von börsennotierten Unternehmen sind an der Börse handelbar, d.h. sie können dort gekauft und verkauft werden. Besitzt man Wertpapiere, die liquide sind, also die am Markt verfügbar sind und für die es genügend Angebot und Nachfrage gibt, findet man schnell einen Käufer und kommt so schnell wieder an das investierte Kapital heran. Aber Achtung: verkauft man zu einem Preis, der unter dem Kaufpreis liegt, macht man automatisch Verluste.

 

Aktionärsrechte

Als Aktionäre erhält man außerdem verschiedene Rechte wie z.B. Recht zur Teilnahme an der Hauptversammlung, Stimmrecht, Auskunftsrecht, Recht auf Dividendenanteil. Im Fall von Vorzugsaktien können diese Rechte abweichend gestaltet sein. 

Wie kaufe ich Aktien?

Ein Privatanleger kann nicht direkt an der Börse Wertpapiere kaufen oder verkaufen. Vielmehr geht das nur über einen Zwischenhändler und ein Depot.

Das Depot ist ein Konto auf dem die Aktien elektronisch aufbewahrt werden. Die Eröffnung eines solchen Depots ist bei der Hausbank oder über eine Direktbank möglich. Gerade Direktbanken bieten oft kostenfreie Depots und niedrige Gebühren zum Handel von Wertpapieren an und sind für Anleger geeignet, die kein Problem haben, alle Wertpapiergeschäfte online zu verwalten. Will man hingegen auch bei dem Aktienkauf nicht auf ein persönliches Gespräch mit seinem Bankberater verzichten, sollte man den Weg über die Hausbank gehen, wobei man in dem Fall mit höheren Gebühren rechnen muss.

Will man auch in ausländische Aktien investieren, sollte man vorab genau nachfragen welche Gebühren und in welcher Höhe anfallen.

Fazit

Wenn mit einer Aktienanlage das Ziel verfolgen möchte auf lange Frist Gewinne zu erzielen, erreicht man dies am besten, indem man Aktien von starken Unternehmen kauft, die regelmäßig Dividenden ausschütten und diese konstant erhöhen. Das in Aktien investierte Geld sollte nicht dringend gebraucht werden, da man ansonsten in Gefahr läuft, dass man die Aktien gerade dann verkaufen muss, wenn der Kurswert unter dem Kaufpreis liegt.

Der Textbeitrag dient dem Leser lediglich zur Information und ersetzt keine Anlageberatung und eigene intensive Beschäftigung mit den Vor- und Nachteilen von Anlageprodukten wie Aktien. Die gelieferten Informationen sollen dazu beitragen, sich eine eigene Meinung über mögliche Geldanlagen zu bilden und sind keine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Anlageprodukten.

Autor seit 2 Jahren
4 Seiten
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