Horizontale Finanzierungsregeln

Werden Aktiva (Vermögen, Mittelverwendung) und Passiva (Kapital, Mittelherkunft), die beiden Seiten einer Bilanz, zueinander ins Verhältnis gesetzt, handelt es sich um so genannte Horizontale Finanzierungsregeln. Eine der bekanntesten ist die Goldene Bankregel, welche (entsprechend modifiziert) in der Betriebswirtschaft ebenfalls Anwendung findet. Vereinfacht ausgedrückt, schreibt sie die Fristengleichheit zwischen Mittelherkunft und Mittelverwendung vor. Ein langfristig zu tilgender Kredit sollte also auch für langfristige Anlagegüter verwendet werden. Auf einem ähnlichen Prinzip basiert die Goldene Bilanzregel. Neben der zeitlichen Komponente berücksichtigt sie jedoch auch die Zusammensetzung der Passiva:

  • In ihrer engsten Fassung fordert die Goldene Bilanzregel, dass Anlagevermögen und Eigenkapital einander entsprechen. Als Eigenkapital bezeichnet man die "Geschäftsanteile" der Inhaber. In modernen Wirtschaftsleben wird dies allerdings nur von einer Minderheit der Unternehmer praktiziert.
  • Eine erweitere Variante sieht vor, dass Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital gemeinsam dem Anlagevermögen in gleicher Höhe gegenüberstehen.
  • Die weiteste Deutung der Goldenen Bilanzregel hingegen rechnet dem Anlagevermögen auch langfristiges Umlaufvermögen hinzu (z. B. "eiserne Reserven" in Lagern). Diese beiden Posten sollte in ihrem Wert der Summe aus Eigenkapital und langfristigem Fremdkapital gleichen.

Vertikale Finanzierungsregeln

Weniger kompliziert gestalten sich die Vertikalen Finanzierungsregeln. Sie beschäftigen sich ausschließlich mit der Passivseite einer Bilanz und beschreiben die Zusammensetzung der Mittelherkunft. Daher werden sie auch als Kapitalstrukturregeln bezeichnet. Sie streben allgemein einen ausreichend hohen Anteil des Eigenkapitals an. Dadurch sollen seriöse Kreditaufnahmen und die Absicherung der Gläubiger gewährleistet werden.

Der bekannteste Grundsatz lautet: Eigenkapital und Fremdkapital sind gleich hoch. Der oder die Firmeninhaber tragen also ebensoviel zur Kapitalausstattung bei wie die Gläubiger. Einen bis ins Letzte stichhaltigen Grund dafür gibt es nicht. Komplexe Unternehmensstrukturen, marktwirtschaftliche Zwänge und strategische Entscheidungen erfordern gegebenenfalls ein Abweichen von dieser 1:1-Regel.

Die Liquiditätsgrade

Eine weitere Gruppe der Finanzierungsregeln sind die Liquiditätskennzahlen. Sie sagen aus, in welcher Höhe Vermögenswerte eines Unternehmens theoretisch "flüssig" (lat. liquidus) gemacht werden können, um anstehende Rechnungen zeitnah zu begleichen.

  • Die Liquidität ersten Grades umfasst die Summe sämtlicher Geldmittel wie bare Kassenbestände, Bankguthaben oder Schecks. Sie sollte zwischen 20 und 50 Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten betragen. Als kurzfristig wird in der Regel ein Zeitraum von höchstens 90 Tagen angesehen.
  • Der zweite Liquiditätsgrad rechnet den Geldmitteln noch die zu erwartenden Zahlungseingänge aus kurzfristigen Forderungen hinzu.
  • Liquide Mittel dritten Grades nennt man auch umsatzbedingte Liquidität. Hierbei wird zusätzlich zu Geldmitteln und kurzfristigen Forderungen noch das Umlaufvermögen (z. B. Rohstoffe) einbezogen. Dieser Wert sollte mindestens 100 Prozent betragen, so dass alle kurzfristigen Forderungen durch liquide Mittel dritten Grades abgedeckt sind.

Schwachpunkte der Finanzierungsregeln

Die klassischen Finanzierungsregeln stellen vor allem einen sicherheitsorientierten Anspruch der Gläubiger dar. Ihre konsequente Umsetzung lässt daher zunächst auf konservative und seriöse Wirtschaftsweise schließen. Bei ihrer bilanziellen Strategie streben Unternehmen somit oftmals ein entsprechendes Image an, um auf potenzielle oder tatsächliche Geldgeber weiterhin attraktiv zu wirken. Doch auch die strikte Einhaltung der Finanzierungsregeln stellt keine Sicherheitsgarantie dar, denn wichtige Rechengrößen unterliegen gewissen Schwankungen. Eingelagerte Rohstoffe ändern beispielsweise ihren Marktwert oder werden unverkäuflich, kurzfristige Forderungen können nicht eingetrieben werden oder die Bewertung des Anlagevermögens entspricht nicht der Realität.

Kritiker bemängeln außerdem, dass eine zu enge Bindung an die Finanzierungsregeln den Unternehmenserfolg sogar begrenzt und führen dazu die Verhinderung des viel zitierten Leverage-Effektes an: Dieser tritt ein, sobald die erwirtschaftete Rentabilität geliehenen Geldes höher ist, als die dafür aufgewandten Kreditzinsen.

Zusammenfassend kann daher gesagt werden, dass die klassischen Finanzierungsregeln zwar einerseits kein Allheilmittel sind, andererseits jedoch eine wertvolle Orientierungshilfe für den soliden Geschäftsablauf darstellen.

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