Zeruzerus- Kinder des Teufels, Aberglaube zu Albinismus in Afrika

Während man in Ländern wie Mali und Sudan Albinokinder meist schon nach der Geburt tötet, weil man glaubt, dass sie Unglück bringen, bringen sie in Tansania und Burundi wiederum Glück, allerdings nur ihre Körperteile, die von den hiesigen Hexendoktoren für ihre Zaubereien verwendet werden und unglaubliche Preise erzielen. Ein Bein eines Albinos ist bis zu 12 Tausend Euro wert. Der Glaube ist weit verbreitet, dass die Körperteile der Albinos zu Reichtum führen. So sollen etwa Fischer Haare oder Hautfetzen von Albinos an ihre Netze hängen, um möglichst viele Fische zu fangen, die dann auch noch Gold in ihren Bäuchen haben. Goldgräber sollen Albinoknochen in ihre Schächte werfen, um auf fette Goldadern zu stoßen. Lange Zeit wurden Albinos als Art "Geisterwesen" bezeichnet und als "Menschen, die einfach verschwinden", ganz einfach, weil man die Morde vertuschen wollte. Angefangen hat der Wahnsinn in Tansania, erst später griff er auf andere Länder über. In Simbabwe verbreitet sich lange Zeit der Irrglaube, dass Geschlechtsverkehr mit Albinos HIV und Aids heilen könne, was zu einer größeren Anzahl an Vergewaltigungen von Albinos in diesem südafrikanischen Land führte.

Eneless (Bild: Barbara Lechner-Chileshe)

Sonnenstrahlung in Afrika ist ein großes Problem für Albinos

Die brennende Sonne Afrikas ist ein großes Problem für Albinos. Albinismus ist eine Bezeichnung für eine Störung der Melanine, Pigmente oder Farbstoffe, was zu der hellen Hautfarbe, weißen Haaren und roten Augen führt. Für Albinos besteht natürlich ein größeres Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. In Afrika ist die durchschnittliche Lebenserwartung für Albinos etwa 30 Jahre, meist sterben sie an Krebs. Sonnenschutz wie Sonnenbrillen, Sonnencreme und geeignete Kopfbedeckungen sind Luxus und für die meisten Menschen nicht leistbar. In Afrika spielt sich das ganze Leben eigentlich draußen ab, was für Albinos zusätzlich schwierig ist, da sie so am öffentlichen Leben schwer teilnehmen können. Sie sind sehr blendempfindlich und können in der grellen Sonne kaum etwas sehen. Albinos sind von Geburt an sehbehindert und die heiße Sonne Afrikas schadet ihren empfindlichen Augen noch zusätzlich. Die internationale Malaikhaschule für Blinde und Sehbehinderte in Sambia bietet zum Beispiel Schulbildung für Albinos an und organisiert geeignete Sonnenbrillen für die Kinder. Österreichische und deutsche Dermatologen haben in Tansania ein Projekt gegründet, in dem sie Hautkliniken gegründet haben, um zu versuchen, die Fälle der Hautkrebserkrankungen bei Albinos zu reduzieren. Generell ist es auch in Ländern, in denen Albinos nicht verfolgt oder getötet werden, ein Problem der mangelnden Aufklärung, denn Mütter wissen meist gar nicht, dass sie ihre Albinokinder vor der Sonne schützen müssen. Und Sonnencremen sind auch tatsächlich extrem teuer, weil ansonsten in Afrika nicht so ein hoher Bedarf ist.

Andere Probleme der Albinokinder in Afrika

Mangelnde Bildung und Unwissen führen in Afrika häufig dazu, dass, wenn ein Albinokind zur Welt kommt, sofort davon ausgegangen wird, dass die Mutter den Ehemann mit einer weißen Person betrogen haben muss, denn für viele Menschen ist es einfach unverständlich, warum sonst ein weißes Kind auf die Welt kommen sollte. Viele Mütter stehen am Ende alleine da, weil der Ehemann sie verlässt, weil er die Schande nicht ertragen kann, betrogen worden zu sein. In Tansania wohnen laut UNICEF etwa 150 000 Albinos. Während weltweit etwa eine von 20 000 Personen ein Albino ist, so ist es in Tansania eine von 1500. Auf Grund der brutalen Morde verstecken viele Mütter ihre Albinokinder in den Häusern, um sie zu schützen und die meisten Schulen wollen auch gar keine Albinokinder aufnehmen. Sollten sie dennoch eine Schule besuchen, werden sie meist ausgegrenzt, müssen ganz hinten in der Klasse sitzen, und lernen so nicht viel, da sie durch ihre Sehbehinderung nicht einmal an die Tafel sehen. Auch in Ländern, in denen Albinos nicht getötet werden, werden sie dennoch ausgegrenzt und schief angesehen, da der optische Unterschied zur restlichen Bevölkerung einfach zu groß ist. Auch viele Eltern haben Schwierigkeiten, ihre Albinokinder zu akzeptieren. So war es etwa im Fall des kleinen Juniors, der die Malaikhaschule in Sambia besucht (siehe Fotos). Seine Mutter konnte ihn als Baby nicht akzeptieren und weigerte sich, ihn zu stillen oder gar hoch zu heben.

Junior

Junior (Bild: Barbara Lechner-Chileshe)

Junior mit seinem besten Freund Charles (Bild: Barbara Lechner-Chileshe)

Autor seit 4 Jahren
406 Seiten
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