Das Verschwinden der Sortenvielfalt

Früher wurde das Saatgut selbst vermehrt und so über Generationen weiter gegeben. Aber nicht nur das Saatgut wurde weiter gegeben, auch das Wissen um ihre Vermehrung. Über viele Jahrhunderte hinweg hatte auch jeder einen eigenen Garten und die Menschen waren größtenteils Selbstversorger, das heißt, sie waren auf dieses Wissen angewiesen, um zu überleben. Deshalb wurden alte Obst- und Gemüsesorten besonders auf die Resistenz gegen Krankheiten und Schädlinge hin gezüchtet. Diese wichtigen genetischen Eigenschaften stecken noch immer in den alten Nutzpflanzen, die es heute fast nur noch in Bioläden oder auf Biomärkten zu kaufen gibt.

In die normalen Supermärkte gelangen fast nie lila Kartoffeln, grüne Tomaten oder weiße Erdbeeren. Dabei ist der Geschmack und die Inhaltsstoffe in alten Sorten oft viel besser. Stattdessen wird ein Standartsortiment an Obst und Gemüse verkauft, das oft aus fernen Ländern stammt. So beschränken sich seit dem 20. Jahrhundert die Obst- und Gemüsesorten auf ein paar wenige Hochleistungssorten, von Artenvielfalt ist da keine Spur mehr. Um den größtmöglichen Ertrag zu erhalten wird mit F1 Hybriden gezüchtet, das heißt, einer Kreuzung zwischen Vater- und Muttersorte. Dadurch entsteht einförmiges ertragreiches Saatgut, dessen Pflanzen aber eher gleich schmecken. Da das Obst und Gemüse aber nach Möglichkeit in ganz Europa verkauft werden soll, ist gleicher Geschmack im Interesse der Saatgutproduzenten. In der F2 Generation ist aber eine Weiterzüchtung schon nicht mehr möglich. Das Saatgut kann sich nicht mehr weiter vermehren und muss immer wieder neu gekauft werden. 

Niemand kann sagen, wie unsere Ernährung in der Zukunft aussehen wird, deshalb haben sich einige Vereine, Biobauern und Privatleute zum Ziel gesetzt alte Nutzpflanzen zu erhalten. Einige Vereine geben deshalb hier Saatgut an Hobbygärtner weiter.

 

Teltower Rübchen, Pastinake, Petersilienwurzel und Co.

Immer wieder landen alte Obst- und Gemüsesorten doch im Handel oder auf Wochenmärkten.

Hier stelle ich nun ein paar von ihnen vor:

 

1. Die Pastinake

Die Pastinake sieht aus wie eine weiß- gelbe Möhre, schmeckt aber noch etwas süßlicher. Man kann sogar sagen, je breiter sie ist, desdo süßer schmeckt sie auch. Deshalb hat sie auch einen sehr hohen Stärkegehalt. Auch wenn sie ein Wintergemüse ist.

Sie wächst als Wildform in Mitteleuropa und in Asien, wurde aber schon im Römischen Reich kultiviert.

Die Pastinake wird oft für Babybrei verwendet. Ansonsten kann man sehr gut Suppen aus ihr herstellen oder sie roh verzehren.

 

2. Teltower Rübchen

Die Teltower Rübchen haben ihren Namen von der kleinen Stadt Teltow, die südlich von Berlin gelegen ist. In dessen Umgebung wird sie auch verstärkt angebaut, die Gegend besteht aus nährstoffarmen Sandboden und darauf wächst sie am besten. Teltower Rübchen haben eine weißliche Farbe, ein rundes Oberteil und eine dünne Spitze. Sie schmecken scharf- süßlich. Man kann sie roh oder als Suppe essen. Feinschmecker essen sie auch in Butter angebraten und mit Zucker karamellisiert.

 

3. Adzukibohne

Die Adzukibohne ist eine Hülsenfrucht, mit erbsengroßen roten Samen, die man frisch oder getrocknet verzehren kann. Die Buschbohne mit dem sehr hohen Eiweißgehalt kommt  als Wildform aus dem asiatischen Raum. Wo sie gerne als Bohnenpaste verarbeitet gegessen wird.

 

4. Petersilienwurzel

Die Petersilienwurzel ist eine Unterart der Petersilie und schmeckt auch etwas so. Vom Aussehen her, sieht sie ein wenig der Pastinake ähnlich. Ist aber von ihr am Übergang zu den Blättern  zu unterscheiden. Bei der Petersilienwurzel geht der nach außen und bei der Pastinake nach innen. Ursprünglich stammt die Petersilienwurzel aus Mitteleuropa und enthält sehr viel Vitamin C. Deshalb kann man sie auch gut roh essen. Aber auch als Suppenzutat macht sie sich wegen ihrer Würze sehr gut.

 

Natürlich kann man auch jede Menge alter Kräuter anbauen, die sich auch sehr gut in Suppen verwenden lassen oder sogar Heilkräuter sind, wie Zitronenbasilikum, Majoran, Ysop und Koriander.

Es gibt aber auch einige Samen für bestimmte Möhrensorten oder ähnliches, die heute gar nicht mehr angebaut werden.

Deshalb ist es toll, dass es immer mehr Hobbygärtner gibt, die alte Nutzpflanzen erhalten wollen und diese in ihrem eigenen Garten anbauen. Hoffentlich werden es noch viele mehr, damit ein so wertvolles Kulturgut nicht einfach von der Erde verschwindet.

 

Autor seit 4 Jahren
109 Seiten
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