Wer ist Anna Sorokin eigentlich?

Anna Sorokin wurde in Russland geboren und kam mit 16 Jahren nach Deutschland, genauer gesagt nach Eschweiler, wo sie das Gymnasium besuchte. In London besuchte sie laut eigenen Angaben ein College. Quellen, die das belegen, finden sich allerdings nicht . Von Berlin ging es über Paris, wo sie ein Praktikum bei dem Kultmagazin "Purple" machte, nach New York, wo Anna sich ihren Weg in die High Society erschwindelte. Sie gab sich als reiche Erbin Anna Delvey aus, mit dem kleinen Haken, dass sie weder reich noch Erbin war. Ihre Eltern leben in Eschweiler. Ihr Vater ist selbständig.

Anna lebte in Luxushotels, natürlich ohne die Rechnung zu bezahlen, speiste in den besten Restaurants und kleidete sich regelmäßig bei den Designern neu ein. Mal behauptete sie, ihr Vater sei Oligarch oder, je nach Bedarf, Solarunternehmer und ihr 60 Millionen Euro Erbe wäre in der Schweiz angelegt.

Wie das Kartenhaus zusammenbrach

In New York angekommen zeigte Anna sich zunächst spendabel, vor allem beim Hotelpersonal. Sie speiste in den teuersten Restaurants und wohnte in den nobelsten Hotels. Zunächst wechselte sie kurz in das New Yorker Büro von Purple, so konnte sie ihre Kontakte in die Mode-, Start-Up und Kunstwelt aufbauen. 

Später kam sie auf die Idee eine Stiftung zu gründen, die Anna Delvey Foundation, die eine Art privater Mitgliederclub und Kunststiftung sein sollte. Hierfür benötigte sie natürlich Geld. Nachdem sie keine privaten Investoren von der Idee überzeugen konnte, wollte sie einen Kredit in Höhe von 22 Millionen Dollar und später über 28 Millionen Dollar aufnehmen. Sowohl die City National Bank als auch die Fortress Investment Group verweigerten ihr das Geld. Letztere zahlte ihr allerdings 100.000 Dollar aus. Eine Geschäftsführerin von Fortress wurde allerdings misstrauisch und wollte das angebliche Vermögen von Anna in der Schweiz überprüfen lassen. Das wollte diese natürlich unbedingt verhindern und zog den Kreditantrag zurück.

Zwischenzeitlich hatte Anna im noblen 11 Howard Hotel eingecheckt. Irgendwann entdeckten allerdings die Hotelmanager, dass für sie keine Kreditkarte hinterlegt war und forderten Anna auf, die Rechnung in Höhe von 30.000 US-Dollar zu bezahlen. Das machte sie natürlich auf ihre eigene Art und Weise, nämlich mit Scheckbetrug. Damit konnte sie zwar ihre offene Rechnung bezahlen, auschecken musste sie aber trotzdem, weil sie sich weigerte eine Kreditkarte zu hinterlegen.

Anna versuchte auch weiterhin ihre Masche durchzuziehen und checkte im "The Beekman" und danach im "W New York Union Square" ein. Beide Hotels warfen sie nach wenigen Wochen beziehungsweise nach wenigen Tagen wieder raus. Mittlerweile ermittelte auch die New Yorker Staatsanwaltschaft gegen sie.

Die Rolle von Rachel DeLoache Williams

Eine wesentliche Rolle spielte ihre damalige Freundin und Fotoredakteurin Rachel DeLoache Williams, die von Sorokin ebenso ausgenommen wurde. Sie half ihr aus, als Sorokins Kreditkarte im Luxusurlaub in Marokko nicht funktionierte. Anna hatte Rachel und zwei weiteren Freunden, die dabei waren, vorher versprochen, alle Kosten zu übernehmen. Auf den Kosten von rund 62.000 Euro blieb Rachel allerdings sitzen. Daraufhin folgten Monate der Panik für Williams, denn das war eine Summe, die sie mit ihrem kleinen Gehalt nicht stemmen konnte. Dazu hatte sie ihre Firmenkreditkarte als Sicherheit hinterlegt, in dem festen Glauben, dass Anna das Geld ja zeitnah zurückbezahlen würde. Doch Anna vertröstete sie immer wieder. Nach drei Monaten reichte es Rachel schließlich und sie nahm Kontakt zur Polizei auf. Anna hatte sich mittlerweile in eine Entzugsklinik in Malibu begeben, wohl vor allem deswegen, um sich dem Zugriff der Polizei zu entziehen und weniger wegen Suchtproblemen. Rachel trickste Anna allerdings aus und so konnte die Polizei sie schließlich festnehmen.

Rachel hat mittlerweile eine Klage auch eine Klage gegen Netflix angestrengt, weil sie in der Serie "Inventing Anna" völlig falsch dargestellt wird.

Sie hat über ihre Geschichte auch ein Buch geschrieben. In "My Friend Anna" arbeitet sie ihre Erlebnisse mit dem falschen Trust Fund Baby noch einmal auf.

Anna Sorokin heute

Ihren teuren Lebensstil will die verurteilte Betrügerin nicht aufgeben. Unter anderem versucht sie aus ihrer zweifelhaften Berühmtheit reichlich Profit schlagen. Die

Netflix-Serie war erst der Anfang. Nach eigenen Angaben arbeitet sie an einer Doku-Serie.

Noch ist sie in New York, steht unter Hausarrest und trägt eine Fußfessel. Einmal in der Woche darf Anna Sorokin die Wohnung verlassen. Die Einzimmerwohnung im East Village in Manhatten kostet 4.000 US-Dollar im Monat. Die Miete bezahlt sie (noch) selbst. In der Haft wurde Sorokin zur Malerin und verkaufte ihre Skizzen für bis zu 10.000 Dollar das Stück. Angeblich hat sie rund 200.000 davon verkauft. Als Betrügerin sieht sie sich übrigens nicht. Sie habe immer geplant, das "geliehene" Geld zurückzugeben, betont sie in einem Interview mit "The Cut".

Der betrogene Betrüger

Anna Sorokin schuldet angeblich dem Gründer des Fyre-Festivals Billy McFarland das Geld für eine Übernachtung im Hauptquartier seines Kreditkartenunternehmens.

Das Fyre Festival, das als elitäres Musikfestival auf den Bahamas beworben wurde, musste 2017 abgebrochen werden. McFarland betrog sowohl zahlreiche Investoren als auch die Besucher des Festivals um ihr Geld. Diese hatten bis zu 1.000 US-Dollar Eintritt gezahlt. McFarland wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt und sitzt immer noch im Gefängnis.

Anna Sorokin soll ebenfalls mit Martin Shkreli in Kontakt gestanden haben, einem der meistgehassten Männer in Amerika. Dieser sitzt ebenfalls im Gefängis wegen Wertpapierbetrug und der Verschwörung zum Wertpapierbetrug.

 

Wird Anna Sorokin nach Deutschland abgeschoben?

Im März 2022 sollte Anna Sorokin eigentlich nach Deutschland zurückkehren. Der Flug von New Jersey nach Frankfurt war bereits gebucht und Anna wurde von US-Beamten zum Flughafen begleitet. Doch sie setzte sich so heftig zur Wehr, dass sie nicht in Flugzeug gebracht werden konnte, das ohne sie abhob.

Sollte Anna Sorokin abgeschoben werden, wird sie wohl mit einer Einreisesperre belegt werden. Was eine dauerhafte Rückkehr ins wenig glamouröse Eschweiler bedeuten würde. Etwas, dass Anna Sorokin unbedingt verhindern will. 2021 wurde sie wegen guter Führung nach 20 Monaten aus der Haft entlassen. Ob sie sich gebessert hat und ihre Taten wirklich bereut, bleibt in den Raum gestellt. Kurz nach ihrer Haftentlassung wurde die Fake-Millionärin erneut verhaftet, weil sie ihre Kreditkarten überzogen hatte und ihr Visum auslief. Den Traum von einem eigenen Unternehmen hat sie definitiv nicht aufgegeben, wie sie im Podcast von Julia Fox erzählte. Mittlerweile wurde sie aus der Abschiebehaft entlassen und steht unter Hausarrest. Ihr droht allerdings weiterhin die Abschiebung nach Deutschland. Auch wenn Anna Sorokin immer wieder als Anti-Heldin in Designerklamotten dargestellt wird, sollte man nicht vergessen, dass sie eine verurteilte Betrügerin ist, der es völlig egal war, wie sehr sie andere Menschen in Schwierigkeiten gebracht hat.

Autor seit 9 Jahren
86 Seiten
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