Anselmo ist in den großen Museen der Welt zu Hause

Heute ist Anselmo in den großen Museen und Ausstellungshallen der Welt zu Hause, in Rom und Venedig natürlich, in New York oder Miami, in Birmingham oder Toulouse, auch in Vigo (Spanien) – und in Deutschland. Trotz vielfältiger Beziehungen zu Deutschland – und zu Deutschen – kam der Durchbruch hierzulande erst spät. Zum 70. Geburtstag veranstaltete das Museum Kurhaus Kleve zusammen mit der Ikon Gallery im britischen Birmingham die erste gültige Retrospektive in einem deutschen Museum mit rund 20 Arbeiten. Dafür hatte der Künstler eine neue große Installation konzipiert mit dem Titel "Dove le stelle si avvinciano di una spanna in più" (Wo die Sterne sich auf eine Handbreit nähern).

Erste Impulse am Krater des Stromboli

Die Initialzündung für Giovanni Anselmos künstlerisches Schaffen war, so erzählt er selbst in der ihm eigenen äußerst zurückhaltenden Art, die Besteigung des Vulkans Stromboli zu nächtlicher Stunde im August 1965. Als er bei Tagesanbruch den Kraterrand erreichte, projizierte die hinter ihm aufgehende Sonne seinen Schatten nicht – wie üblich – auf den Erdboden, sondern nachgerade ins Unendliche. Anselmo fotografierte diese Erfahrung und verschrieb sich seither dem Ziel, "das Immaterielle materiell erfahrbar zu machen und mit Hilfe des Sichtbaren das Unsichtbare zu zeigen".

Schwere Steinblöcke an der Hallendecke

Seine Skulpturen handeln von Energie und Schwerkraft. Berühmt geworden ist beispielsweise seine Arbeit "Struttura che mangia" (Struktur, die ißt). Dabei handelt es sich um einen großen Granitblock, an den ein kleinerer angebunden ist. Zwischen den beiden Steinen klemmt ein Salatkopf – und wenn dieser welk wird und schrumpft, geht die Spannung verloren und der kleinere Stein stürzt ab. Für den Künstler ist dies Beispiel für eine Katastrophe durch Energieverlust. Häufig auch hängt Anselmo schwere Steinblöcke mit Stahlseilen an die Decken oder Pfeiler von Ausstellungshallen. Überwindung der Schwerkraft soll dies suggerieren.

Im Sommer Urlaub im Olivenhain 

Im Sommer löst sich Giovanni Anselmo von der "künstlerischen Schwerkraft". Mit seiner Frau zieht sich der scheue Künstler dann in sein von Olivenbäumen umsäumtes Haus unterhalb der Kirche San Bartolomeo auf Stromboli zurück. Und trinkt dort einen Wein mit Turiner Freunden und strombolianischen Ferienhaus-Nachbarn, den Schriftstellern Pieralberto Marché und Gianni Farinetti beispielsweise.

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