Der von mir hoch geschätzte TV-Sender Arte hat sich auf die Spurensuche im Öko-Landbau gemacht. Die Redakteure besuchten Länder wie China, Rumänien und Spanien. In der Reportage "Die Bio-Illusion" (Ausstrahlung 3. Juni 2014 um 20.15 Uhr - youtube-Link am Artikelende) verarbeiteten sie ihre Eindrücke. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Vielfach trafen sie auf Großinvestoren, die kleine Landwirte systematisch verdrängen und ihnen die Lebensgrundlage entziehen. In Thailand kam die Bio-Hilfe aus Deutschland bei einem großen Garnelen-Produzenten an. Die kleineren Bauern sahen durch die Finger. Und Nachhaltigkeit fanden die Redakteure dort auch nicht wirklich vor.

Das ist alles andere als im Sinne der Erfinder. Denn zu Beginn der Öko-Bewegung stand der Gedanke, die regionale und umweltschonende landwirtschaftliche Produktion wieder zu beleben und zu fördern. Denn die industrialisierte Produktion hatte vielfach die Böden ausgelaugt. Zuviel Chemie ist zudem aus gesundheitlicher Sicht äußerst fragwürdig. Und was nun? Sollten man auf Bio verzichten? Nun, das wäre wohl auch nicht der Weisheit letzter Schluss für den Umwelt liebenden Konsumenten. Aber es ist klug eine Fakten zu beachten.

Was spricht für Bio?

  • Biologischer Landbau unterliegt strengen EU-Richtlinien und verzichtet weitgehend auf chemisch-synthetische Spritzmittel und Dünger.
  • Proben zeigen regelmäßig, dass biologisches Gemüse und Obst kaum Pestizid-Rückstände aufweist. Insofern ist die Ware auch gesünder.
  • Biologisches Obst und Gemüse enthält mehr sekundäre Pflanzenstoffen. Diese werden heute sogar als wichtiger für die Gesundheit eingestuft als reine Vitamine. Sie gelten als stärkend für das Immunsystem. (Beim Vitamin-Gehalt liegen konventionelle und biologische Ware meist gleich auf.)
  • Die Böden werden weitgehend geschont. Biologische Anbauverfahren gelten somit tatsächlich als umweltschonender.
  • Etliche Studien zeigen, dass langfristig die Erträge bei Bio und konventioneller Ware ähnlich hoch sind.
  • Biologischer Anbau verzichtet auf Gentechnik. Gentechnik bei Pflanzen ist eine Risiko-Technologie und basiert außerdem auf Patenten, welche die Landwirtschaft von großen Konzernen abhängig macht.

Was sollte man beim Bio-Kauf beachten

  • Importware ist oft mit Vorsicht zu genießen. - Auf spanischen Plantagen beispielsweise verdingen sich häufig illegale Einwanderer unter katastrophalen ausbeuterischen Bedingungen. Bei Importware ist es empfehlenswert auf ein Fair-Trade Siegel und Bio zu achten. Bei Fair-Trade achten Verbände darauf, dass eher kleinere Landwirte gefördert werden und nachhaltig produziert wird.
  • Möglichst regional kaufen. In Österreich und Deutschland gibt es durchwegs hohe Standards, die durch Verbände streng kontrolliert werden.
  • Bio-Eier sind allerdings ein Sorgenkind in der EU. Es gibt regelrechte Öko-Eier-Fabriken und dort sind kaum glückliche Hühner zu finden. Hier am besten genau nachfragen, woher die Ware stammt, wie produziert wird. 
  • Fertigprodukte (Mischware) eher meiden. Die Bestandteile kommen aus so unterschiedlichen Quellen, dass die Nachhaltigkeit nicht wirklich nachvollzogen werden kann. Am ehesten sind da noch Produkte nach Demeter-Kriterien zu empfehlen. Demeter hat zumindest ökologisch sehr hohe Standards. 

Regionale Ware kaufen und Gemüse selber ziehen

Der kleine Landwirt in der Umgebung produziert oft ohne Chemikalien und kümmert sich gut um seine Tiere. Viele haben das Bio-Siegel nicht, weil die Umstellung und Zertifizierungen sehr teuer sind. Es spricht aber aus ökologischer Sicht nichts gegen seine Produkte, sofern er glaubhaft machen kann, der er nachhaltig wirtschaftet. - Aus ökologischer und sozialer Sicht ist es teilweise sinnvoller sich vor Ort mit einem kleinen Landwirt kurzzuschließen und ihm Ware abzukaufen. Es gibt bereits diverse Projekte, die längere Abnahmeverträge mit Bauern aus der Umgebung schließen. Der Handel verdient dann zwar nichts mehr daran, aber der Verbraucher hat ein gewisses Mitspracherecht und kann positiv auf die Produktion Einfluss nehmen. Auch der Landwirt kann höhere Preise erzielen. (Bei den Mühen, die ein kleiner Landwirt auf sich nimmt, finde ich persönlich das nur gerecht.)

Auch mit Gärtnern aus der Umgebung kann man sich kurzschließen oder sich an städtischen Kleingärtner-Projekten beteiligen. Dabei ist lediglich darauf zu achten, dass man nicht direkt an stark befahrenen Straßen Gemüse und Obst anbaut. Blei wird von den Pflanzen zum Beispiel über die Erde aufgenommen. - Das ist dann weniger ökologisch und schon gar nicht gesund.

Schließlich bleibt auch noch der eigene Balkon oder Garten. Es gibt inzwischen tolle Anzuchtsets auf biologischer Basis. Bio-Samen für Kräuter und Kleingemüse, das selbst in der eigenen Wohnung wächst.

Politisch lästig sein ...

Letztlich ist es auch empfehlenswert sich politisch immer wieder mal zu Wort zu melden und das einzufordern, was man sich wünscht. Petitionen von Öko-Verbände gibt es dafür genug. Newsletter abonnieren reicht meistens, um informiert zu sein. Eine gute Anlaufstelle ist dabei der BUND. Hier sitzen sehr gute Experten und man kann sich meist auf deren Infos verlassen. Der Öko-Gedanke und der Traum von nachhaltiger Landwirtschaft braucht nicht aufgegeben zu werden. Wer es nachhaltig und ökologisch will, braucht lediglich immer wieder auf die Ziele verweisen:

  • weniger Chemie und schonende Anbauweisen fördern

  • mehr Gelder an kleinere Landwirte verteilen, die nachhaltig wirtschaften

  • Transportprämien für sinnloses Herumkutschieren von Nahrungsmitteln und selbstverständlich von Tieren reduzieren. (das freut zwar nicht die Frächterlobby, aber die Umwelt und die regionalen Produzenten)

  • faire Löhne und Preise für Landarbeiter und kleinere Landwirte gewährleisten

 

Autor seit 4 Jahren
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